Viele Händler und Kunden halten nichts von der seit Jahresbeginn geltenden Vorschrift
„Die Bonpflicht ist Blödsinn“

Von Bernd Bexte

Freitag, 03.01.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 16:48 Uhr
Bons, die keiner haben will: Schon nach wenigen Stunden können Andrea und Heinz Kleine eine meterlange Papiergirlande hochhalten. Foto: Moritz Winde

Herford (WB). Bis zum Jahreswechsel gaben die Mitarbeiter des Café Kleine täglich maximal fünf Kassenbons an der Theke aus. Am Donnerstagmorgen war schon nach wenigen Stunden ein ganzer Korb mit dem bedruckten Thermopapier gefüllt. „Die will niemand haben. Aber wir müssen sie jetzt ja ausdrucken“, ärgert sich Heinz Kleine. Bislang habe man das immer nur auf Anfrage gemacht.

Seit Jahresbeginn gilt die Kassenzettelpflicht. Händler müssen den Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Bon aushändigen. Der Bund will damit Steuerhinterziehung verhindern. „Das ist Schwachsinn“, meint Kleine. Denn auch schon jetzt sei jeder Bezahlvorgang in der elektronischen Kasse ordnungsgemäß verbucht worden. Im Umgang mit dem Finanzamt würde sich für ihn nichts ändern. „Wir haben die Kasse nur umgestellt, dass sie jetzt immer einen Kassenzettel ausdruckt.“

Umweltschädliches Thermopapier

Dadurch erhöht sich der Verbrauch des dafür notwendigen Thermopapiers. Das ist mit der schädlichen Chemikalie Bisphenol A beschichtet und darf nicht ins Altpapier. „Wir müssen jetzt selbst bei nur einem Brötchen für 35 Cent einen Bon ausdrucken“, schüttelt auch Andrea Kleine den Kopf. Die Kunden haben dafür ebenfalls kein Verständnis. „Na ja, vielleicht kann ich die Summe ja noch von der Steuer absetzen“, sagt ein Brötchenkäufer im Scherz, als er den Bon einsteckt.

Die seit Jahren in einem Karton gelagerten Thermopapierrollen im Café Kleine dürften also rasch aufgebraucht sein. „Denn wir müssen den Bon ja aushändigen, ansonsten könnte es schon Probleme geben.“ Darüber habe die Innung informiert. Auch Agnes Prautzsch kennt diese Problematik. „Es wurden ja Kontrollen angekündigt.“ In ihrem Lotto- und Tabakgeschäft in der Klingenthal-Passage achte sie darauf, dass jeder Kunde das kleine Stück Papier mitnehme.

In anderen Länder schon lange Pflicht

„Selbst bei einer Süßigkeit für zehn Cent. Aber eigentlich ist das doch Blödsinn.“ Sie habe gehört, dass es möglicherweise Ausnahmen bei Kleinstbeträgen gebe. Danach wolle sie sich jetzt erkundigen. Für Manfred Kühn ist die Bonpflicht allerdings kein Thema. Der Engeraner verkauft Fleisch und Wurst in einem Wagen vor der Markthalle. „Wir haben immer schon Bons rausgegeben. Für uns ändert sich nichts.“

Concetta Orto weiß um die Brisanz des Themas aus ihrem Ursprungsland Italien. „Da gibt es die Kassenzettelpflicht schon seit vielen Jahren“, sagt die Obsthändlerin in der Markthalle. Bei Nichteinhaltung würden Strafen verhängt. Ihre Herforder Kunden seien bislang aber nicht an den Zetteln interessiert – sie ließen sie liegen. Eine Ausnahme scheint eine Käuferin an einem benachbarten Stand zu sein. „Ich nehme den Bon immer mit, damit ich weiß, wo das Geld bleibt“, sagt sie.

Es gibt aber auch die (theoretische) Möglichkeit, sich den Kassenzettel per E-Mail schicken zu lassen, um die Bonpflicht zu erfüllen und die Umwelt zu schonen. „Aber wer macht das schon?“, sagt Andrea Kleine. Schließlich sei das auch mit Blick auf den Datenschutz eine aufwendige Sache – für Händler und Kunden.

Kommentare

Birgit  wrote: 03.01.2020 19:34
Bon -Pflicht ist Blödsinn
Sehe ich auch so. Papiernüll ohne Ende. Wenn ich 3 Brötchen kaufe, brauche ich keinen Bon.
Ich weiss nicht , was mit unseren Politikern los ist. Die wollen damit zwar Steuerhinterziehungen entgegen gehen,
aber dann sollten die sich lieber um diese Leute kümmern, die ihr Geld nach Luxenburg, Monaco etc bringen.
Und nicht den kleinen Bürger belästigen.Aber, da die Regierung eher auf der Seite derjenigen ist, die ihr Geld überall anlegen können und daher Steuereinnahmen schwinden, muss der Bürger das eben ausgleichen.
B Bödecker
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