Muslime sammeln Neujahr Müll ein – Gemeinde bald in neuen Räumen Wenn die Straßen leer gefegt sind

Herford (WB). Am Neujahrsmorgen sind Herfords Straßen wie leer gefegt. Und das nicht nur im übertragenen Sinne: Am ersten Tag des Jahres 2020 sind wieder Mitglieder der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde unterwegs, um den Müll der Silvesterfeierlichkeiten aufzusammeln.

Von Bernd Bexte
Wenn die meisten noch schlafen, fegen sie durch die Innenstadt: Etwa 40 Mitglieder der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde haben am Neujahrsmorgen etwa 20 Säcke mit Verpackungs-, Böller- und Raketenresten zusammengetragen.
Wenn die meisten noch schlafen, fegen sie durch die Innenstadt: Etwa 40 Mitglieder der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde haben am Neujahrsmorgen etwa 20 Säcke mit Verpackungs-, Böller- und Raketenresten zusammengetragen. Foto: Bernd Bexte

Seit mehr als 20 Jahren machen sie das nun schon in den ersten Stunden eines neuen Jahres. „Das ist eine Aktion unserer Jugendorganisation, aber Gemeindemitglieder aller Altersstufen machen mit“, sagt Sprecher Waseem Aslam. Gemeinsam wollen sie einen Beitrag für ein sauberes Herford leisten. Auch ihr Präsident Munawar Ahmad ist dabei.

40 Muslime sammeln Böllerreste

Der 14 Jahre alte Sarfraz ist aus Hamburg bei Verwandten in Herford zu Besuch. So früh an Neujahr aufstehen? „Das macht mir nichts“, sagt er mit Überzeugung. Doch bevor es losgeht, beginnen die etwa 40 Muslime – ausschließlich männlichen Geschlechts – den Tag um 6.30 Uhr mit einem Gebet. Nach einem anschließendem Frühstück greifen sie dann zu den Besen, um vom Lübbertor aus über den Neuen Markt, Alten Markt bis zum Gänsemarkt die Straßen zu fegen. Schüppen und Besen stellt die SWK zur Verfügung. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Aslam. Gut 20 Säcke mit Verpackungs-, Böller- und Raketenresten kommen zusammen. Die tragen sie dann vor die große Treppe zum Rathaus, wo die SWK sie abholen wird.

Gemeinde hat 200 Mitglieder

Bis vor kurzem hatte die Gemeinde für ihre Zusammenkünfte eine Halle an der Werrestraße angemietet. Die nutzt sie jetzt aber nicht mehr. Neujahr kommen die Frühaufsteher deshalb bei Gemeindesprecher Aslam zusammen. „In den nächsten Tagen werden wir aber wohl neue Räume anmieten“, kündigt er an. Mittelfristig möchte die Gemeinde, die nach eigenen Angaben kreisweit etwa 200 Mitglieder hat, eine Moschee bauen. Wie berichtet, waren vor einigen Jahren Verhandlungen über einen Grundstücksankauf an der Maschstraße gescheitert. „Wir sind immer noch auf Grundstückssuche“, sagt Aslam.

Im zivilen Leben ist der 36 Jahre alte Herforder Taxi-Unternehmer, seit kurzem auch Gemeindesprecher. Ihm ist daran gelegen, die Loyalität der Ahmadiyya zu Deutschland zu betonen. Vor gut einem Jahr hatte die Gemeinde dazu kreisweit eine Informationskampagne gestartet. Die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde wurde 1889 in Indien gegründet. Sie bezeichnet sich selbst als spirituell, liberal, aber wertekonservativ. Durch den Bau von Moscheen ist die Gemeinde deutschlandweit – hier hat sie 48.000 Mitglieder in mehr als 250 Gemeinden – ins Visier von Islamkritikern geraten.

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