Krankenhäuser in Bünde und Herford wollen stärker kooperieren – Arbeitsplätze sicher Klinikverbund angestrebt

Herford/Bünde (WB). Die medizinische Versorgung im Kreis verbessern und gleichzeitig wirtschaftlicher arbeiten: Das Herforder Kreisklinikum (2000 Mitarbeiter) und das Bünder Lukas-Krankenhaus (700 Beschäftigte) wollen noch enger kooperieren als bisher – möglicherweise künftig als Klinikverbund.

Von Daniel Salmon
Eine enger Verbund von Klinikum (Foto) und Lukas-Krankenhaus könnte Synergieeffekte freisetzen.
Eine enger Verbund von Klinikum (Foto) und Lukas-Krankenhaus könnte Synergieeffekte freisetzen. Foto: Moritz Winde

Ob es soweit kommt, steht wohl erst im Sommer 2021 fest. „Wir haben keinen Zeitdruck“, sagte Landrat Jürgen Müller bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Was den Verantwortlichen wichtig ist: Der Abbau von Arbeitsplätzen steht nicht zur Diskussion.

Erst vor knapp einem Jahr hatte der Kreis für sechs Millionen Euro 25,1 Prozent der Anteile am Bünder „Lukas“, an das auch das evangelische Krankenhaus Enger angeschlossen ist, erworben.

Einen entsprechenden „vertiefenden Prüfauftrag“ für einen möglichen Schulterschluss der beiden Krankenhäuser hatten im Vorfeld sowohl der Kreisausschuss als auch die Mitgliederversammlung des Krankenhausvereins Bünde/Enger gegeben. Beide Beschlüsse fielen laut Müller einstimmig: „Und das freut mich sehr.“ Die Mitarbeiter der Kliniken waren am Donnerstagmorgen über die Entscheidungen informiert worden.

Stationäre Versorgung ist öffentliche Ausgabe

Hintergrund der anvisierten verstärkten Zusammenarbeit seien neben der Standortsicherung der beteiligten Krankenhäuser auch die allgemein steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen. Müller: „Die neue Krankenhausplanung orientiert sich nicht mehr an Betten, sondern dass man bestimmte Fachrichtungen vorhalten muss.“ Aus einem weiteren Aspekt der Kooperation machte Klinikum-Geschäftsführer Armin Sülberg keinen Hehl: „Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland schreibt rote Zahlen.“ Und auch den Häusern in Herford und Bünde gehe es „wirtschaftlich nicht so gut“. Gleichwohl solle der Aspekt der Wirtschaftlichkeit nicht ganz oben auf der abzuarbeitenden Agenda stehen.

„Es geht uns zuallererst um eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe stationäre Versorgung für die Menschen in unserer Region“, so Landrat Müller, der diese Aufgabe als originäre Angelegenheit der öffentlichen Hand betrachtet: „Und daraus wird sich der Kreis auch nicht zurückziehen.“

Drei Standorte behalten

Heinz-Georg Beneke, Vorsitzender des Krankenhausvereins Bünde/Enger, stellte zudem klar: „Wir wollen alle drei Standorte auf jeden Fall beibehalten, müssen sie aber jetzt in eigener Initiative klug weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu sein. Bundesweit arbeiten 75 Prozent aller Krankenhäuser in einem Verbund. Das tun sie sicherlich aus einem guten Grund.” Wichtiger Hintergrund eines möglichen Zusammenschlusses der Krankenhäuser sei ferner, einem Abfluss von Patienten an Krankenhäuser in Bielefeld oder im Kreis Minden-Lübbecke entgegenzuwirken: “Wir müssen eine medizinische Expertise vorhalten, die die Bürger davon überzeugt, sich bei uns behandeln zu lassen.”

Beneke stellte zudem klar, dass das „Lukas” seine besondere Atmosphäre auf jeden Fall behalten solle. Daher habe der Trägerverein an die Verantwortlichen den Auftrag erteilt, Personal nicht „gegen seinen Willen” an anderen Standorten einzusetzen. Die Mitarbeiter sollten vor Ort gehalten und ihnen Perspektiven aufgezeigt werden: „Das was wir hier vorhaben, ist Arbeitsplatzsicherung am Standort.”

Sommer 2021 als Ziel

Grundlage für eine im Raum stehende Fusion von Kreisklinikum und Lukas-Krankenhaus war ein Bericht der Beratungsgesellschaft Curacon. Diese hat sich auf das Gesundheitswesen spezialisiert, die stationäre Versorgung im Kreis überprüft und erste Ansätze einer entsprechenden Weiterentwicklung entworfen.

„In den Bereichen Neurologie, Geriatrie, Krankenhaushygiene und Krankenhauspflegeschule arbeiten wir bereits erfolgreich zusammen“, betonen „Lukas“-Chef Roland von der Mühlen und Klinikum-Geschäftsführer Armin Sülberg. Nun solle es darum gehen, „eine neue Stufe zur Steigerung der medizinischen Versorgung und verbesserten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu entwickeln“. Die Grund- und auch die Notfallversorgung sollen demnach in Herford wie in Bünde beibehalten werden.

Allerdings: Beide Häuser müssten darüber hinaus gehende spezialisierte Leistungen – etwa Onkologie oder Gefäßchirurgie – eng aufeinander abstimmen. Das heißt im Klartext: Zwei Abteilungen – welche es sind, ist noch nicht klar – könnten als Alleinstellungsmerkmal in Bünde verbleiben. „Medizinische Leuchttürme”, wie Trägervereinsvorsitzender Heinz Georg Beneke. Klar ist schon jetzt: Das Krankenhaus Enger soll weiterhin Geriatrie-Fachklinik bleiben.

Fördergelder möglich

„Wir sind am Beginn eines Prozesses“, so Landrat Jürgen Müller. Es gebe ein Grundkonzept – aber mit vielen noch offenen Fragestellungen. Vorstellbar wäre auf gesellschaftsrechtlicher Ebene, dass Klinikbetrieb und Grundstücke in Herford in eine umfirmierte Lukas-Krankenhaus Bünde gGmbH ausgegliedert werden. In einem Folgeschritt sollen jetzt Detailkonzepte für die stationäre Versorgung, spezialisierte Leistungen und wirtschaftliche Entwicklungen ausgearbeitet werden. Gleichzeitig müssten, so Landrat Müller, gesellschafts-, kartell-, steuer- und arbeitsrechtliche Prüfungen stattfinden. Als Ergebnis könnte dann im Sommer 2021 eine Verbundbildung stehen. Armin Sülberg stellt sich in dem Zusammenhang einen Kreis-Klinik-Campus vor: „Dann gibt es nicht mehr Herford oder Bünde, sondern die Standorte A und B. Und jeder hat seine Stärken.”

Weiterer Vorteil einer solchen Kooperation könnte die Möglichkeit der Beantragung von Fördergeldern sein, die zu weiteren Investitionen in die Standorte und somit zu deren Stärkung beitragen könnten.

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