Landestheater Detmold spielt in Herford Grimms bekanntes Märchen Auf der Suche nach dem wahren Glück

Herford (WB). Es gibt Tage, da passt wirklich alles. Vor dem Stadttheater steht ein Bus mit der Aufschrift Hänschens Reisedienst. Das Unternehmen befördert das Landestheater Detmold, das soeben das zur Busaufschrift passende Stück spielt: Hans im Glück.

Von Hartmut Horstmann
Hans (Paul Gräntzel/links) hat sein Pferd zurück. Allerdings hält sich der Nutzen in Grenzen, denn das Pferd mag es nicht, geritten zu werden.
Hans (Paul Gräntzel/links) hat sein Pferd zurück. Allerdings hält sich der Nutzen in Grenzen, denn das Pferd mag es nicht, geritten zu werden. Foto: Jochen Quast

Ein märchenhaftes Roadmovie wolle man aufführen, heißt es seitens des Landestheaters. Ein Roadmovie, welches das Weihnachtsstück im Stadttheater darstellt. Tausende von Schülern werden es sehen – sich amüsieren und anschließend darüber nachdenken, was wahres Glück ist.

Hans sieht das Positive

Die Geschichte vom glücklichen Hans ist hinlänglich bekannt. Der Autor Jan Steinbach hat aus dem Grimmschen Märchen eine Bühnenfassung gemacht, in der die Dialoge dominieren – was sich auch anbietet, denn die Frage nach dem Glück lässt sich nicht in zwei Sätzen beantworten.

Für reichlich Unterhaltung ist schon deshalb gesorgt, weil im Märchen auch die Tiere sprechen. So Anton Becker als Mensch gewordenes Pferd beziehungsweise Pferd gewordener Mensch. Leider gehört es für ihn zum Pferdeglück dazu, dass er nicht gerne Menschen transportiert.

Hans wiederum scheint Pech zu haben – doch die von Paul Gräntzel dargestellte Hauptfigur tauscht das Pferd gegen eine Kuh ein. Auch diese sorgt nach objektiven Kriterien nicht für ein Glücksgefühl, aber Hans sieht immer nur das Positive.

Ausgangspunkt allen tiefsinnigen Trubels ist der große Goldklumpen, den die Hauptfigur von seiner Dienstherrin Frau Eckenstedt für seine fleißigen Dienste bekommt. Denn Hans hat erfahren, dass seine Mutter krank ist. Und so will er nach Hause. Doch das Gold wiegt schwer.

Schauspieler als Kulissenschieber

Das Gegenstück zu Hans bildet Dr. Meisinger – auch Meisi genannt. Meisi erblickt überall nur Negatives. Und Hans gibt den Tipp: „Vielleicht solltest du weniger nach dem Glück suchen. Dann wirst du es eher finden.“ Weise Worte – und bei soviel Gedankentiefe wird auch das junge Publikum einbezogen. Ob sie einen Namen für die Kuh wüssten, fragt Hans die Zuschauer. Einer ruft „Möller“ und so bekommt die Kuh ihren speziellen Herford-Namen.

Wenn die Akteure mal gerade nicht über das Leben nachdenken, betätigen sie sich unter anderem als Kulissenschieber. Das bunte Bühnenbild erweist sich als sehr variabel, was den Schwung der Inszenierung von Stefan Behrendt noch verstärkt. Und indem die Schauspieler andere Rollen einnehmen, indem sie selbst mit anpacken, lernen die Kinder, dass Theater Spiel ist. Im Falle des Glücksmärchens ein Spiel voller Tiefsinn und Spaß.

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