Junges Paar aus Herford baut Microgreens an – Stand in der Markthalle Ein Zimmer voller Babysalate

Herford (WB). Wäre Jacqueline Hütter nicht krank gewesen, hätte sie nie ihre Ernährung umgestellt. Und vermutlich wäre ihr nicht der Gedanke gekommen, ein Start-up zu gründen. Heute pflanzt sie Babysalat an – und zwar in Opas altem Wohnzimmer.

Von Moritz Winde
Jacqueline Hütter (27) und Marc Uhlig (28) pflanzen Microgreens in ihrem Herforder Zuhause an. Das junge Paar will keinen großen Profit machen, sondern frisches, regionales und vitalstoffreiches Essen anbieten.
Jacqueline Hütter (27) und Marc Uhlig (28) pflanzen Microgreens in ihrem Herforder Zuhause an. Das junge Paar will keinen großen Profit machen, sondern frisches, regionales und vitalstoffreiches Essen anbieten. Foto: Moritz Winde

Der Anbaubetrieb befindet sich im Obergeschoss eines Einfamilienhauses in einer Herforder Wohngegend. Fünf Regale stehen an den Wänden des Zwölf-Quadratmeter-Raums, der aus Hygienegründen mit Schutzfolie ausgelegt und abgeklebt ist. Aus den Kunststofftöpfen strecken sich reihenweise so genannte Microgreens in Richtung der bläulich schimmernden LED-Lampen. Eine angenehme Frische liegt in der Luft.

In das Substrat aus Kokosfasern werden die Sonnenblumenkerne gesetzt – biologisch und keimfähig. Foto: Moritz Winde

Aus dem Fenster ragt ein Schlauch ins Freie. Er ist an eine Abluftanlage angeschlossen. Das Gerät sorgt für konstant 20 Grad und dauerhaft für eine Luftfeuchtigkeit von unter 50 Prozent – ideale Voraussetzungen für die Jungpflanzen aus Gemüse, Körnern und Hülsenfrüchten. “Wir haben Opas altes Zimmer zum Gewächshaus umfunktioniert”, sagt Jacqueline Hütter. So kann 365 Tage im Jahr geerntet werden.

Handarbeit: Die Pflanzen müssen täglich gewässert werden. Foto: Moritz Winde

Die 27-Jährige hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. ”Ich hatte starke Allergien und einen permanent erhöhten Cholesterinspiegel. Kein Arzt konnte mir helfen. Dann habe ich meine Essgewohnheiten verändert.” Die junge Frau verzichtet seit 2014 auf tierische Produkte – und siehe da: ”Meine Beschwerden waren plötzlich weg.”

Geerntet wird erst am Tag des Verkaufs

Bei der Recherche, wie man sich vegan, aber dennoch ausgewogen ernähren kann, stieß sie auf Microgreens. Der Begriff stammt aus dem Englischen und kann mit Babysalat übersetzt werden. ”Dabei handelt es sich um Jungpflanzen aus zum Beispiel Rettich, Erbse und Sonnenblume, die nach neun bis 14 Tagen geerntet werden. In diesem Stadium ist die Vitalstoffdichte am höchsten. Alle Nährstoffe aus dem Samen befinden sich jetzt in der Pflanze, so dass für weiteres Wachstum gedüngt werden müsste”, sagt Jacqueline Hütter. Microgreens enthalten unter anderem Chlorophyll, Aminosäuren, Vitamine, Mineralien, Bitterstoffe und Enzyme.

Mit der Schere werden die Microgreens – in diesem Fall Erbse – geerntet. Sie sind bis zu zehn Tage haltbar. Foto: Moritz Winde

Gemeinsam mit ihrem Freund Marc Uhlig hat sie sich auf den Anbau spezialisiert. Für die Anzucht verwendet das junge Paar Bio-Saatgut, Pestizide sind tabu und geerntet wird wegen der Frische-Garantie erst am Tag des Verkaufs. ”Jacki ist eigentlich Steuerfachangestellte. Ich habe Informatik studiert”, sagt der 28-Jährige. Doch ihre alten Jobs haben die beiden aufgegeben. Zeit, Geld und Herzblut stecken sie seit der Gründung Mitte des Jahres in ihre Firma Majamin (Marc+Jacqueline+Microgreens).

Samstags verkaufen sie ihre Produkte auf dem Herforder Wochenmarkt. Außerdem beliefern sie einige Gastronomen. 70 Gramm Microgreens kosten im Schnitt drei Euro – vergleichsweise günstig. ”Unser Ziel ist es, allen Menschen zu ermöglichen, sich täglich mit frischem Grün zu versorgen”, sagt Jacqueline Hütter, bei der es keinen Tag ohne Microgreens gibt.

Leckere Frische

Die Verwendung von Microgreens ist vielfältig. Die kleinen grünen Pflanzen eignen sich als Salatgrundlage, zum Garnieren von Suppen, Kartoffeln, Reis, Fleisch und Fisch. Auch auf Sandwiches, in Smoothies oder als Frische-Kick auf dem Brot sorgen sie für einen Aha-Effekt. »Viele schwören auf Microgreens im Kräuterdip oder als Pesto. Aber auch zum Dämpfen sind sie prima geeignet. Im Grunde kann man mit ihnen fast jedes Gericht aufpeppen«, sagt Gründerin Jacqueline Hütter. Rezeptideen gibt’s online auf dieser Homepage: www.majamin.com

Marc+Jacqueline+Microgreens = Majamin. So heißt das Start-Up der beiden jungen Herforder. Foto: Moritz Winde

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