Herforder Gefängnis-Chef beklagt „Intensität der Übergriffe“ – Gewalt unter Gefangenen gesunken
Mehr Attacken auf JVA-Beamte

Herford (WB/mor). Beleidigt, bespuckt, bedroht: Das Klima in Herfords Jugendgefängnis ist rauer geworden. Die Zahl der Übergriffe auf Beamte ist im Vergleich zu 2018 um vier Fälle auf insgesamt 20 gestiegen. JVA-Chef Friedrich Waldmann beklagt vor allem „die Intensität der Attacken“.

Montag, 02.12.2019, 05:00 Uhr
Blick auf das Herforder Jugendgefängnis aus der Luft: Hinter den Mauern ist Platz für 355 Häftlinge. Die Durchschnittsbelegung lag 2019 bei 279. Foto: Moritz Winde

„In zwei Fällen wurden drei Bedienstete verletzt, ein Mitarbeiter war über mehrere Wochen dienstunfähig. Darüber hinaus haben Gefangene zweimal versucht, ihren Haftraum in Brand zu setzen, so dass die Hilfe der Feuerwehr erforderlich war“, sagt Waldmann. Gegenüber dem Jahr 2018 sei die Anzahl von Gewaltdelikten unter den Häftlingen, die zu Anzeigen führten, auf 42 Fälle gesunken (2018: 52 Fälle).

Friedrich Waldmann leitet die JVA Herford.

Friedrich Waldmann leitet die JVA Herford. Foto: Winde

Schwere Auseinandersetzungen unter Inhaftierten habe es nicht gegeben. „Hier erweist sich unsere Strategie, sehr frühzeitig einzugreifen, als der richtige Weg.” Auf das verstärkt aggressive, respektlose und fordernde Verhalten der Gefangenen soll mit konsequenter Präventions- und Integrationsarbeit – auch durch Intensivierung des Einsatzes von Dolmetschern – eingegangen werden.

Im Jahr 2019 kamen sechs Mal die justizeigenen Rauschgiftspürhunde zum Einsatz. Bei diesen Einsätzen seien sowohl Betäubungsmittel in geringen Mengen als auch einige durch Gefangene selbst hergestellte Rauchgeräte sichergestellt worden. Mit 15 Drogenfunden in geringen Mengen halte sich die Anzahl der Funde illegaler Drogen über die Jahre hinweg auf gleichem Level (2018: 13 Fälle). Bei einem hohen Niveau der durchgeführten Drogen-Screenings sei die Anzahl positiver Drogen-Screenings auf 185 Fälle gestiegen (2018: 143 Fälle, 2017: 189 Fälle). „Illegaler Drogenkonsum innerhalb der Justizvollzugsanstalt wird konsequent geahndet“, betont Friedrich Waldmann.

Antisemitismusprojekt geplant

Gegenüber dem Vorjahr (44 Prozent) ist der Anteil der Gefangenen mit einem ausländischen Pass auf 42 Prozent leicht gesunken. Im Rahmen der Weihnachtsamnestie seien zu Anfang dieses Monats drei Gefangene entlassen worden. Friedrich Waldmann: „Gerade vor dem Hintergrund des hohen Migrationsanteils unter den Gefangenen erscheint es uns wichtig, sie so frühzeitig wie möglich mit den Abläufen des Vollzugs, unseren Erwartungen und mit unseren Regeln vertraut zu machen. Auch unter Beteiligung der türkischen Gemeinde versuchen wir ein Klima zu schaffen, in dem gezeigt wird, dass alle Glaubensrichtungen in einem friedlichen Miteinander funktionieren können.“ Religion solle keinen Konfliktstoff liefern, sondern das friedliche Miteinander fördern.

Wesentlicher Bestandteil der Integrationsarbeit sei der regelmäßige Austausch mit anderen Behörden und Einrichtungen, auch im Zusammenhang mit der Wiedereingliederung in Freiheit bei bevorstehender Haftentlassung. Im kommenden Jahr sei ein Antisemitismusprojekt geplant, um vorbeugend in dem Bereich des Rechtsextremismus tätig zu werden.

Bei einer Durchschnittsbelegung von 279 Gefangenen (2018: 286) und einer Belegungsfähigkeit von 355 Haftplätzen seien den Gefangenen 150 Ausgänge (2018: 74) genehmigt worden. Im gleichen Zeitraum seien 118 Langzeitausgänge (2018: 58) (Aufenthalte außerhalb der Anstalt mit Übernachtung) gewährt worden. „Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass trotz erhöhter Anzahl der gewährten vollzugsöffnenden Maßnahmen alle Gefangenen ordnungsgemäß wieder in die Anstalt gekommen sind“, sagt JVA-Chef Friedrich Waldmann. Gerade die Lockerungen im Vollzug seien wichtig für den geordneten Wiedereinstieg in das gesellschaftliche Leben nach der Inhaftierung.

Die Künstlerin Anna Degenkolb hat mit den Gefangenen den Wunschbaum gestaltet. Auf Zetteln haben die jungen Häftlinge ihre größten Wünsche formuliert. Ferner gab es die traditionelle Advents-Verkaufsausstellung.

Die Künstlerin Anna Degenkolb hat mit den Gefangenen den Wunschbaum gestaltet. Auf Zetteln haben die jungen Häftlinge ihre größten Wünsche formuliert. Ferner gab es die traditionelle Advents-Verkaufsausstellung. Foto: Annika Tismer

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