Großeinsatz mit Spezialeinsatzkräften in den Kreisen Herford und Lippe – Suche nach synthetischen Substanzen Drogenrazzia: Polizei stürmt Häuser

Herford (WB). Die gläserne Haustürfüllung ist zertrümmert, die stählerne Zarge verbogen, eine Fensterscheibe zum Flur zerstört – die Spuren des frühmorgendlichen Polizeieinsatzes an der Lockhauser Straße fallen auch Stunden später im trüben Novemberwetter sofort ins Auge: Gegen 6 Uhr hatten am gestrigen Donnerstag Spezialeinsatzkräfte der Bielefelder Polizei das Einfamilienhaus gestürmt – und nach Informationen dieser Zeitung zeitgleich an etwa einem Dutzend Standorten weitere Wohnungen im Kreis Herford und Lippe (wie berichtet).

Von Bernd Bexte
Die Polizei war mit großem Aufgebot zur Lockhauser Straße ausgerückt. Einsätze gab es an insgesamt einem Dutzend Standorten.
Die Polizei war mit großem Aufgebot zur Lockhauser Straße ausgerückt. Einsätze gab es an insgesamt einem Dutzend Standorten. Foto: Bernd Bexte

Es gehe in dem »umfangreichen Verfahren« um mutmaßliche Drogenkriminalität, sagt der Bielefelder Oberstaatsanwalt Martin Temmen. Ansonsten hält er sich bedeckt. Auch das Polizeipräsidium Bielefeld sowie die Polizei in Herford und Detmold machen keine weiteren Angaben. »Wegen der laufenden Ermittlungen werden wir uns nicht weiter äußern«, sagt die Bielefelder Polizeisprecherin Sonja Rehmert. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich bei dem Fall nicht um Clankriminalität handeln. Im Mittelpunkt stehen künstliche, rauscherzeugende Substanzen wie halluzinogene Pilze und die LSD-haltige Partydroge Candyflip.

Ein lauter Knall hatte die Nachbarschaft des Einfamilienhauses an der Lockhauser Straße am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen. »Da war Krach und Geschrei, da war richtig was los«, sagt später eine Nachbarin, die einige Häuser entfernt wohnt und den Einsatz beobachtet hatte. Ein anderer Anwohner war ebenfalls von dem dumpfen Schlag, vermutlich einer Explosion, geweckt worden. »Ich habe auch quietschende Autoreifen gehört.« Drei Polizeiwagen hätten direkt vor dem Haus gestanden, drei weitere zunächst einige Meter entfernt, hätten dann später aufgeschlossen. Mehrere Stunden durchsuchte die Polizei die Immobilie. »Da waren auch im Hunde im Einsatz«, berichtet eine weitere Anwohnerin. In dem gestürmten Haus wohne seit etwa sechs Jahren eine kurdischstämmige Familie, ein älteres Ehepaar mit zum Teil erwachsenen Kindern. »Das sind total nette und freundliche Leute«, erzählt die Frau. Näheren Kontakt zu ihnen habe sie aber nicht.

Ein Familienmitglied äußert sich an der Haustür: »Ja, hier war heute Morgen ein großer Polizeieinsatz.« Er spricht von einer Detonation und Blendgranaten und zeigt auf die zerstörte Haustür und die kaputte Fensterscheibe. »Meine Eltern sind immer noch total geschockt.« Er selbst sei zum Zeitpunkt der Erstürmung aber nicht im Haus gewesen.

Er verstehe die Vehemenz des Einsatzes nicht, die Polizei hätte doch klingeln können, »meine Eltern hätten ihnen geöffnet«. Es gehe wohl um Drogen, habe er gehört, könne sich darauf aber keinen Reim machen. »Wir haben damit nichts zu tun«, sagt der junge Mann. Er weiß auch von Einsätzen an anderen Orten. Insgesamt habe die Polizei wohl sieben oder acht Menschen festgenommen.

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