Bielefelder Jörg Strothmann gibt besondere Führung im Museum Marta in Herford Ein Blinder erklärt die Welt der Kunst

Herford (WB/bex). Eine Netzhauterkrankung ließ Jörg Strothmann erblinden – und dennoch interessiert sich der 51-Jährige für bildende Kunst. Im Museum Marta in Herford erläuterte der Bielefelder jetzt erstmals, wie ein Blinder die Kunst wahrnimmt.

Jörg Strothmann und Angelika Höger vor der Fantasiefigur »L’oeil« (Das Auge) von David Altmejd (2017).
Jörg Strothmann und Angelika Höger vor der Fantasiefigur »L’oeil« (Das Auge) von David Altmejd (2017). Foto: Bernd Bexte

Dass sich die aktuelle Marta-Ausstellung mit dem Titel »Im Licht der Nacht – Vom Leben im Halbdunkel« gerade der Lichtkunst widmet, war für ihn ein besonderer Anlass, die Herausforderung einer Führung anzunehmen, erklärt Strothmann, dessen Sehkraft seit 16 Jahren bei Null liegt. An seiner Seite steht bei der Führung Marta-Kunstvermittlerin Angelika Höger. Sie hat Strothmann im Vorfeld viele Exponate der Ausstellung näher gebracht. »Sie erklärt mir, was sie gerade sieht, geht dabei von einer groben Beschreibung der Dimensionen und Formen in die Details.« 

Strothmann genießt das Privileg, einige Kunstwerke auch betasten zu dürfen. Etwa eine Installation von Nicholas Hlobo. »Eine abstrakte Dragqueen aus Tüll rauscht in den Raum«, beschreibt Höger das luftige Objekt in der Größe eines Kleinlasters. Der Bielefelder betastet den bronzefarbenen Tüllstoff. »Ich stelle mir jetzt eine hereinschwebende Fee vor, ja, ein geheimnisvolles Nachtgeschöpf«, gibt er seine Assoziationen wider.

Und in der Kunst habe jeder seine eigene Assoziationen, andere Wahrnehmungen. So sei es auch bei Sehbehinderten: »Viele Augen, die wenig oder gar nichts erkennen, sehen gemeinsam mehr.«

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