Tiere verwüsten immer wieder Gräber – Wüstenbussard Diaz soll sie vertreiben Kaninchenjagd auf dem Erika-Friedhof

Herford (WB). Kaninchen-Plage auf dem Erika-Friedhof: Die Hasentiere fressen nicht nur Blätter und Blüten ab, sondern unterhöhlen auch die Grabstätten. Um die pelzigen Räuber loszuwerden, soll Wüstenbussard Diaz helfen.

Von Moritz Winde
Abflug: Falknerin Sara Russo (26) aus Bünde schickt Wüstenbussard Diaz auf dem Erika-Friedhof auf Kaninchenjagd.
Abflug: Falknerin Sara Russo (26) aus Bünde schickt Wüstenbussard Diaz auf dem Erika-Friedhof auf Kaninchenjagd. Foto: Moritz Winde

Mehrmals in der Woche schaut Falknerin Sara Russo mit ihrem zweijährigen und damit erwachsenen Greifvogel an der Vlothoer Straße nach dem Rechten. »Ich lasse Diaz dann fliegen. Er weiß von selbst, was zu tun ist«, sagt die 26-Jährige. Erspäht der Bussard einen ungebetenen Gast, saust er im Sturzflug zu Boden. Dieses Verhalten ist angeboren – und antrainiert.

Kaninchen können zur Plage werden. Foto: dpa

Der Vogel verfügt über eine Art eingebautes Fernglas, selbst aus 100 Metern entgeht ihm kein Detail. Weil das Areal auf dem Stiftberg mit acht Hektar – das sind etwa elf Fußballfelder – allerdings sehr groß ist, soll demnächst ein weiterer gefiederter Gendarm Ausschau nach den Grabräubern halten.

Seit Oktober ist die Falknerin aus Bünde auf dem Friedhof der evangelischen Mariengemeinde im Einsatz. Es gehe in erster Linie nicht darum, Kaninchen zu töten, sagt die junge Frau. »Wir wollen sie vertreiben. Sie sollen merken, dass sie hier einen Feind haben.« Bislang sei noch kein Tier gerissen worden.

Abschreckungsstrategie zeigt Erfolg

Und trotzdem hat die Abschreckungsstrategie Erfolg, wie Friedhofsverwalterin Melanie Heaps erklärt: »In den vergangenen Wochen hat es kaum noch verwüstete Gräber gegeben.«

Im Sommer habe die Situation ganz anders ausgesehen. »Für Angehörige war das wirklich schlimm. Sie haben mit viel Liebe, Zeit und Geld die Gräber gestaltet – und am anderen Tag waren sie verunstaltet. Wir haben hier das Problem, dass der Friedhof von Feldern und Wiesen umgeben ist. Und direkt nebenan, nämlich auf den Gräbern, finden die Kaninchen sozusagen ständig einen gedeckten Tisch.«

Friedhofsverwalterin Melanie Heaps. Foto: Winde

Für die 46-Jährige war klar: So konnte es auf keinen Fall weitergehen. Weil der Einsatz von Schusswaffen, Gift oder Fallen nicht in Frage gekommen sei, musste ein Fressfeind der Plagegeister her: Wüstenbussard Diaz. Er soll die Kaninchen auf natürliche, ökologische und ruhige Weise jagen und vergrämen.

Die kostenlose Flugshow kommt bei den Friedhofsbesuchern gut an. »Wir haben durchweg positive Rückmeldungen«, sagt Melanie Heaps. Falls der Greifvogel demnächst aber tatsächlich mal erfolgreich ein Kaninchen reißt, rät Falknerin Sara Russo zart besaiteten Personen, sich die Augen zuzuhalten oder das Geschehen von Weitem zu beobachten.

Die Kaninchenjagd auf dem Erika-Friedhof soll noch bis zum Beginn der Schonzeit Ende Februar fortgesetzt werden. Falls die Tiere mit den langen Ohren wiederkommen sollten, wäre Diaz wieder zur Stelle.

Der Friedhof an der Vlothoer Straße ist acht Hektar groß. Etwa 300 Menschen werden hier jährlich bestattet. Foto: Moritz Winde

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