Gebäude stammt aus dem Jahr 1824 – Rätsel um zwei Frauennamen Denkmalschutz für Bauernhaus

Herford (WB). 195 Jahre alt ist der Bauernhof an der Stedefreunder Straße 31 in Eickum, den die Stadt unter Denkmalschutz stellen will. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude erzähle viel über das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof im 19. Jahrhundert. Außerdem sei es bedeutend für die Siedlungsgeschichte.

Von Ralf Meistes
195 Jahre alt ist das Fachwerkgebäude an der Stedefreunder Straße. Die Stadt will das Wohn- und Wirtschaftshaus jetzt unter Denkmalschutz stellen. Nicht zum Denkmal gehören der Stall aus Backstein (rechts) und der Zwischenbau.
195 Jahre alt ist das Fachwerkgebäude an der Stedefreunder Straße. Die Stadt will das Wohn- und Wirtschaftshaus jetzt unter Denkmalschutz stellen. Nicht zum Denkmal gehören der Stall aus Backstein (rechts) und der Zwischenbau. Foto: Peter Monke

Bedeutsame Inschrift auf dem Balken

Besonders das Innere des Gebäudes, aber auch die Inschrift auf einem Balken halten die Historiker für bedeutsam. Der Wirtschaftsbalken trägt die Inschrift: »Im Jahre 1824, den 10ten Juli haben wir Anne Maria Elisabeth Ghafermans und Johan Christjahn Wolbrink und Anna Jlsabein Reinken. Diese Ehe leute haben dieses Haus durch Gottes Hulfe bauen und Richten lassen. Auf Gott und nicht meinen Raht will ich mein Gluck bauen. M(eister) Menke.«

Zwei Frauennamen tauchen auf

Ungewöhnlich ist die Nennung von zwei Frauennamen. Offensichtlich, so vermuten die Experten, wurde der Fachwerkbau von Anna Ghafersmans und Johann Wolbrink 1824 gebaut. Der Reihenfolge nach dürfte Johann Wolbrink auf den Hof eingeheiratet haben. Eventuell heiratete er nach dem Tod seiner ersten Frau Anna Jlsabein Reinken. Am 10. Juli 1824 wurde das Fachwerkgerüst von dem Zimmermann Meister Menke aufgerichtet.

Symbol für Frömmigkeit

Weiterhin sind an den Torständern Weinranken und an den Kopfbändern Engel dargestellt. »Die Häuser mit Engeldarstellungen sind eine bestimmte Gruppe von Gebäuden, die weitgehend nur im Raum Herford und Bielefeld vorkommen«, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Die Symbolik der Engel und der Spruch im Torbalken weisen auch auf die Frömmigkeit der ländlichen Bevölkerung im frühen 19. Jahrhundert hin.

Zudem weise das Fachwerkhaus insbesondere im Innern einen dem Alter entsprechend nahezu bauzeitlichen Zustand auf. Nur um 1900 ist das Kammerfach verbreitert worden, indem die Fachwerkwände nach außen gedrückt wurden. Bemerkenswert am Rande: Im Innern des Bauernhauses befindet sich ein kleiner, eingebauter Schrank, der vermutlich älter als das Haus ist. Selbst die Kuhnacken-Riegel für fünf Kühe über den Fresströgen sind noch vorhanden.

Entscheidung fällt im Bauausschuss

Über die Eintragung in die Denkmalliste müssen die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses entscheiden. Diese beraten hierüber in der Sitzung am Donnerstag, 5. Dezember. Der öffentliche Teil beginnt um 17 Uhr im Ratssaal (Rathaus, 2. Obergeschoss).

Eine rasche Eintragung in die Denkmalliste sei auch deshalb geboten, weil es ein Umbau und die Nutzungsänderung des angrenzenden Gebäudes (Stall und Scheune) geplant sind.

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