Das neue Buskonzept ist ambitioniert, birgt aber Risiken Ein Thema für den Wahlkampf

Von Bernd Bexte

Die Haltestelle an der Rennstraße könnte laut Gutachten zentraler Knotenpunkt aller Linien werden. Die Stadt hält davon aber nichts – zu wenig Platz.
Die Haltestelle an der Rennstraße könnte laut Gutachten zentraler Knotenpunkt aller Linien werden. Die Stadt hält davon aber nichts – zu wenig Platz. Foto: Winde

Herford (WB). Das ist mal eine Ansage: Der stets rührige Bürgermeister möchte das Busangebot nicht nur erweitern, nein, in weiten Teilen gleich verdoppeln. Die viel beschworene Verkehrswende wäre damit auch in Herford angekommen.

Die Kreisstadt hätte mit einem 15-Minuten-Takt in der Innenstadt nahezu großstädtische Verhältnisse. Wenn dann tatsächlich alle mitmachen, die sich verbal gerne für den Klimaschutz stark machen, dann könnte das ein Erfolgsmodell werden.

Aber genau das ist nicht sicher. Was passiert denn, wenn die häufiger verkehrenden Busse noch leerer sind, als dies schon heute oft der Fall ist? Das von der Stadt favorisierte Konzept sorgt in der Summe für ein Drittel mehr gefahrene Kilometer – mit einem entsprechend höheren CO2-Ausstoß. Denn von einer kompletten Umstellung auf E-Busse ist nicht die Rede. Es nützt das attraktivste Angebot nichts, wenn die Bürger es nicht annehmen.

Ein-Euro-Ticket

Mit dem Ein-Euro-Ticket bereitet die Stadt ein starkes Argument für den ÖPNV vor, aber ob es tatsächlich überzeugt, weiß heute noch niemand. Deshalb sollte bei der jetzt anstehenden Diskussion die mögliche Akzeptanz der potenziellen Fahrgäste für das neue Buskonzept im Mittelpunkt stehen.

Ein weiterer Risikofaktor ist die Tatsache, dass bei Umsetzung der Verwaltungsvariante der Alte Markt nur noch von einer Linie angefahren würde. Sicher, die jetzige Situation auf Herfords zentralstem Platz ist unhaltbar. Aber künftig müssen die Fahrgäste umsteigen, um zum Alten Markt zu kommen – oder längere Fußwege in Kauf nehmen.

Zeitplan kaum zu halten

Auch der Zeitplan dürfte kaum zu halten sein. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der Stadtrat sich am 13. Dezember zu einer solch weitreichenden Entscheidung durchringen wird. Zerredet werden sollte das löbliche Vorhaben, mehr auf den ÖPNV zu setzen, aber auch nicht. Die Debatte wird also den Kommunalwahlkampf 2020 entscheidend prägen.

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