Kollegen und ADFC gedenken getöteter Radfahrerin – Stadt Herford genehmigt Aufstellung nicht
Ein »Geisterfahrrad« als Mahnung

Herford (WB). Der Schock sitzt tief. Arbeitskollegen der bei einem Verkehrsunfall getöteten Radfahrerin haben der 27-Jährigen gedacht – und ein Zeichen gesetzt: Seit Dienstag steht am Unfallort Westring ein weißes »Geisterfahrrad«.

Mittwoch, 06.11.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 08:14 Uhr
Wolfgang Nemesch, Peter Dobrindt, Guntram Sauermann, Ute Clauß, Barbara Rodi, Sebastian Mader und Bettina Wöhning haben das »Geisterfahrrad« am Rand des Kreisels aufgestellt. Die Stadt hatte das zunächst nicht genehmigt und will den Fall nun prüfen. Foto: Bexte

Dass es gar nicht so einfach ist, sichtbar für mehr Rücksichtnahme auf Fahrradfahrer zu werben, hat Peter Dobrindt vom ADFC erfahren müssen. Der Landesbetrieb Straßen NRW wolle nicht, dass an der Fahrbahn oder den Mittelinseln ein »Ghost-Bike« aufgestellt werde. Dies könne Verkehrsteilnehmer ablenken, laute die Begründung. Die Stadt – sie ist für die Bordsteine zuständig – hält ebenfalls nichts davon.

»Ja es gibt die Anfrage des ADFC, aber wir haben das Aufstellen zunächst nicht genehmigt«, sagt Beigeordneter Dr. Peter Böhm. Er kündigt eine Überprüfung vor Ort an. »Wir stellen das Rad jetzt aber trotzdem auf«, erklärt Dobrindt am Dienstagnachmittag übereinstimmend mit Kollegen der ums Leben gekommenen Radlerin. »Wir wollen ein Zeichen setzen. Die Radfahrer sind im Straßenverkehr die Schwächsten.« Arbeitskollegen der jungen Frau waren gestern an den Unfallort gekommen. »Wir haben alle gemeinsam das Fahrrad weiß angesprüht«, sagt Bettina Wöhning.

Ermittlungen gegen Lkw-Fahrer

Die bei dem Unfall Getötete stammte aus Schwaben und machte eine Ausbildung bei der Gärtnerei Ulenburg in Löhne. »Sie stand kurz vor dem Abschluss«, sagt ihr Kollege Sebastian Mader. Mit ihrem Freund lebte sie in Herford. Am 10. Oktober habe sie nach einem morgendlichen Arztbesuch wie immer zum Bahnhof radeln wollen, um mit dem Zug nach Löhne zu fahren. Dann geschah das Unglück: Um kurz nach 9 Uhr wurde die 27-Jährige von einem Muldenkipper im Kreisel an der Diebrocker Straße/Westring überrollt. Die junge Frau war sofort tot.

Gegen den 66 Jahre alten Lkw-Fahrer aus Bielefeld läuft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung. Weitere Angaben macht die Polizei derzeit nicht. »Es wird ein Gutachten zum Unfallhergang geben. Bis das vorliegt, wird es aber noch dauern«, sagt Polizeisprecher Uwe Maser.

Thema im Verkehrsausschuss

Bislang geht die Polizei davon aus, dass der Lkw-Fahrer auf dem Westring in Richtung Diebrocker Straße unterwegs war. Er bog an der ersten Ausfahrt im Kreisel auf die Diebrocker Straße ab. Zur gleichen Zeit war die 27-jährige Herforderin mit ihrem Herrensportrad im Kreisel unterwegs. Sie fuhr auf der Diebrocker Straße Richtung Bahnhof. Nach Informationen dieser Zeitung fuhr die Radfahrerin auf der Fahrbahn, nicht auf dem rot markierten Radweg. Das ist nach Angaben der Polizei dort erlaubt.

Vor einigen Jahren seien die Schilder zur Radwegnutzungspflicht entfernt worden: Verkehrsexperten gehen davon aus, dass Radler auf der Fahrbahn von Autofahrern besser wahrgenommen werden als auf Radfahrstreifen. Peter Gülpen, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe, hatte direkt nach dem Unfall jedoch die Verkehrsführung an dem Kreisel kritisiert. Der Radweg führe um den Kreisel herum, befinde sich also nicht innerhalb des Rondells. »Das ist an den Einmündungen gefährlich.«

Die Ratsfraktion der Grünen hat eine Überprüfung der Verkehrssicherheit für Radfahrer an den drei Kreisverkehren am Westring angeregt. Der Verkehrsausschuss wird darüber im Dezember sprechen.

Kommentare

michael schönow  wrote: 06.11.2019 13:05
Geisterfahrrad
das fehlt aber noch was: Geisterfahrrad"fahrer"...jeden Tag sehe ich Fahrradfahrer die auf der verkehrten Straßenseite fahren, bei Rot über die Ampel, Handy in der Hand, im Dunkeln ohne Beleuchtung, schwarz gekleidet , Rechts vor Links kennen die nicht, rasen auf Gehwegen lang ohne Rücksicht auf Kinder und Fußgänger uvm. Und was sagen da diese Organisation dazu und was unternimmt die dagegen?? Nichts.......,
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