Die kreisweit einzige Grundschule in freier Trägerschaft wird zehn und ist gefragt wie nie
Gute Aussichten für das Forscherhaus

Herford (WB). So etwas hatte es in Herford noch nicht gegeben: eine private Grundschule mit einem neuen pädagogischen Konzept. Entsprechend neugierig, gespannt, ja bisweilen skeptisch – je nach Standpunkt – wurde das Forscherhaus an der Hausheider Straße anfangs aufgenommen. Das ist jetzt zehn Jahre her.

Mittwoch, 06.11.2019, 17:00 Uhr
Anni und Matteo (vorne), Jonah, Sara, Naila, Lisa, Joshua, Nic, Moritz und Felix lernen im Forscherhaus. Die hinteren Bereiche jedes Klassenraums sind abgetrennt. Hier werden Schüler individuell oder in Gruppen gefördert. Die Doppelbesetzung (Lehrer/pädagogische Fachkraft) macht’s möglich. Foto: Bexte

»Unsere Erwartungen haben sich ganz klar erfüllt«, sagt Monika Lücke. Sie leitet die Schule kommissarisch mit Heike Hettich und ist von Beginn an dabei. Die Zahlen geben ihr Recht: Die jeweils einzügigen Jahrgänge sind mit insgesamt 87 Schülern in den vier Klassen ausgebucht. »Wir haben mittlerweile doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze.« Erweiterungsmöglichkeiten am Standort in Diebrock gebe es allerdings nicht.

Maximal 22 Kinder pro Klasse

Im schon zuvor als Grundschule genutzten Gebäude hatte der Unterricht im August 2009 mit 21 Kindern begonnen, sechs Jahre später kam das umgebaute frühere Feuerwehrgebäude hinzu. Mittlerweile 140 Mädchen und Jungen haben das Forscherhaus nach der vierten Klasse verlassen. »Die Eltern entscheiden sich ganz bewusst für das Forscherhaus«, erläutert Elgin Willmann, Geschäftsführerin der Trägergesellschaft. Denn hier wird anders gelernt als in den staatlichen Regelschulen: kleine Klassen (maximal 22 Schüler) mit jeweils einer Lehrerin und einer pädagogischen Fachkraft sowie Noten und Hausaufgaben erst ab dem zweiten Halbjahr der 3. Klasse gehören zum Konzept.

Das Forscherhaus wird zehn: Elgin Willmann (links) und Monika Lücke sind von Anfang an dabei.

Das Forscherhaus wird zehn: Elgin Willmann (links) und Monika Lücke sind von Anfang an dabei. Foto: Bexte

Der größte Unterschied dürfte aber die Herangehensweise sein. »Forschen heißt hinterfragen und aus Erfahrung wird man klug«, bringt es Monika Lücke auf einen kurzen Nenner und nennt ein konkretes Beispiel: »Wir haben uns gerade mit dem Thema Kartoffeln beschäftigt. Die Kinder gehen dann zunächst auf den Acker und malen eine Kartoffelpflanze.«

Schüler aus der ganzen Region

Dann überlegen sie, welche Produkte man aus einer Kartoffel herstellen kann. »Wir machen dann selber Chips und Kekse.« Doch wie vermarktet man die? »Ein Preiskalkulation gehört natürlich auch dazu.« Und beim Tag der offenen Tür werden die Kartoffelprodukte dann verkauft. »Da ist einiges in die Klassenkasse gekommen.«

Die Forscherhausschüler – sie kommen aus dem gesamten Kreis Herford, dem nahen Bielefeld, aber auch aus Bad Salzuflen, Leopoldshöhe, Bad Oeynhausen oder Preußisch Oldendorf – sollen den schulischen Alltag mit der Wirklichkeit verbinden. »Aber natürlich lernt hier jeder auch Lesen, Schreiben und Rechnen«, erklärt Elgin Willmann. Und das in seinem eigenen Tempo. »Wir können hier jederzeit kleine Gruppen bilden oder und uns mit einzelnen Schülern zurückziehen«, weist Monika Lücke auf einen in jedem Klassenraum vorhandenen abgetrennten Bereich.

30 Unterrichtsstunden schon ab Klasse 1

Die Schule ist morgens ab 7.15 Uhr geöffnet. Verbindlichen Unterricht gibt es von 8.15 bis 13.30 Uhr, eine flexible Betreuung kann bis maximal 17 Uhr hinzugebucht werden. Anders als in den Regelschulen werden auch Erst- und Zweitklässler bereits 30 Stunden pro Woche unterrichtet. »Dadurch haben wir für viele Projekte mehr Zeit«, sagt Lücke. Das Mittagessen kommt aus der hauseigenen Küche. »Anfangs bekamen wir das zugeliefert. Das kam aber nicht so gut an.« Und ganz wichtig: »Wir geben eine Unterrichtsgarantie. Bisher ist kein Unterricht ausgefallen.«

All das hat natürlich seinen Preis: Pro Kind kostet der Schulbesuch monatlich im Regelsatz 295 Euro. Eine Ersatzschule wie das Forscherhaus wird nur zu 87 Prozent vom Land refinanziert. »Die restlichen 13 Prozent müssen wir selbst aufbringen.«

Eigenes Lehrmaterial

Mittlerweile haben die Forscherhäusler aus dem Herforder Westen auch eigenes Lehrmaterial entwickelt. »Wir wollen bald Seminare zu unserem pädagogischen Konzept anbieten und stehen in Verbindung zu einem Verlag, der entsprechende Publikationen veröffentlicht«, berichtet Elgin Willmann. Schulgründerin Dr. Uta Stücke – sie kümmert sich derzeit um die Gesamtschule in Bünde – hatte das Konzept auf Grundlage der Lernpsychologie erarbeitet. Das Leitmotto: »Zusammenhänge erleben.«

Auch wenn das Forscherhaus in der Herforder Schullandschaft angekommen ist, hat es weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal: Es ist die einzige Grundschule im Kreis Herford in freier Trägerschaft. Mittlerweile hat sie sogar einen kleinen und einen großen Ableger: seit 2013 gibt es die Kita »Forscherhaus-Zwerge« in der Herforder Innenstadt und seit zwei Jahren die Gesamtschule Forscherhaus in Bünde.

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