Bill Evans & The Spy Killers spielen im ausverkauften Marta-Forum Dialog der Instrumente

Herford (WB).Zu Beginn seiner Karriere als Bandmitglied von Miles Davis hätte Bill Evans wohl kaum zu träumen gewagt, wie außergewöhnlich diese einmal werden würde. 40 Jahre und unzählige Konzerte später ist der Grammy-Preisträger immer noch höchst aktiv. Am Freitag war er erstmals in Herford zu Gast.

Von Karl-Hendrik Tittel
Überzeugt am Saxofon, an den Tasten und als Sänger: Der US-Amerikaner und Grammy-Preisträger Bill Evans, einer der renommiertesten Musiker seiner Zunft. Er trat mit Band im ausverkauften Marta-Forum auf.
Überzeugt am Saxofon, an den Tasten und als Sänger: Der US-Amerikaner und Grammy-Preisträger Bill Evans, einer der renommiertesten Musiker seiner Zunft. Er trat mit Band im ausverkauften Marta-Forum auf. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Bill Evans gehört zu den renommiertesten Musikern seiner Zunft, weltberühmt als Saxofonist, und auch an den Tasten sowie als Sänger und Produzent erfolgreich. Er stand mit zahlreichen Musikgrößen wie Gregg Allman, Herbie Hancock, Mick Jagger oder John McLaughlin auf der Bühne, veröffentlichte 25 Alben und erlangte, neben vielen weiteren Meilensteinen, mit seinem Fusion-Bluegrass-Projekt »Soulgrass« viel Anerkennung auf dem gesamten Globus. In den vier Dekaden seines Schaffens hat er zahlreiche Spielarten des Jazz, Rock, Funk, Soul und Pop erforscht und miteinander verschmolzen.

»Das Schiller wird komplett auf links gezogen«

Wie sich das anhört, präsentiert der US-Amerikaner nun mit seinem neuesten Projekt, der Band »Spy Killers«. Gemeinsam begeistert das Quartett das Publikum im ausverkaufen Marta-Forum mit Vielfalt und Spielfreude.

Es ist das vorletzte Konzert, das der Musik-Kontor in dieser Saison im Marta veranstaltet. Der Herforder Verein muss bekanntlich eine Weile auf seinen Stammklub verzichten, der zurzeit umgebaut wird. »Waren Sie einmal auf der Baustelle? Glauben Sie, das wird jemals fertig?«, scherzt Vereinsvorsitzender Ralf Hammacher.

»Das Schiller wird komplett auf links gezogen«, so Hammacher, der ankündigt, dass es im neuen Schiller ab Mitte 2020 wohl weitergehen kann. Das Konzert heute sei ein wenig wie ein Familientreffen, denn die drei Musiker der »Spy Killers« seien schon in mehreren Formationen beim Musik-Kontor aufgetreten. Nur Bill Evans sei das erste Mal hier. Und der betritt dann lächelnd und mit Bandana auf der Stirn die Bühne.

»Wenn man sich für Musik begeistert, wird man nie richtig alt«

Seine Begrüßung soll eine halbe Stunde später folgen, zuerst liefert das Quartett ordentlich ab und legt komplexen Jazz und groovigen Funk auf ein druckvolles Rockgerüst. Wo hier »Jazz infused Rock« anfängt oder »Hard driving Funk« aufhört, spielt keine Rolle. Die Musik spricht ihre eigene Sprache und schert sich nicht um kleinteilige Genrebegriffe.

Der Dialog findet zwischen den Protagonisten und ihren Instrumenten statt. Filigrane und wuchtige Klänge, leise und laute Passagen oder Jam-Session-Momente wechseln sich ebenso ab wie die zig Stile, die die bestens eingespielten Musiker hier kreuzen. Wobei jedes Instrument seine Improvisationsfreiräume erhält.

»Ich bin fast dreimal so alt wie er«, sagt Evans dann und zeigt auf Simon Oslender an der Hammond-Orgel. »Aber wenn man sich für die Musik begeistert, wird man nie richtig alt«, so der 61-Jährige. Als einen der weltbesten Drummer stellt er Wolfgang Haffner vor, und ebenso viel Lob erhält Bassist Claus Fischer. Bei dem Stück »Bones from the Ground« legt Evans Tenor- und Sopransaxofon zur Seite, nimmt am Piano Platz und intoniert mit angenehm rauer Stimme einen melancholischen Popsong, der die große Bandbreite der Musiker untermauert.

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