Gute Zutaten und ein heißer Wirbelsturm: neue Sprühtürme bald im Testbetrieb Hipps neues Herzstück

Herford (HK). Die silbergraue Trapezblechfassade glänzt in der tief stehenden Herbstsonne. Nichts deutet darauf hin, dass dahinter 200 Bauarbeiter und Monteure am künftigen Herzstück des Hipp-Werks an der Bielefelder Straße arbeiten. Im Januar soll in dem 50 Meter hohen Gebäude der Testbetrieb starten. Ein Baustellenbesuch.

Von Bernd Bexte
In dem 50 Meter hohen silbergrauen Gebäude wird künftig in zwei neuen Sprühtürmen Babynahrung produziert. Hipp investiert eine hohe zweistellige Millionensumme.
In dem 50 Meter hohen silbergrauen Gebäude wird künftig in zwei neuen Sprühtürmen Babynahrung produziert. Hipp investiert eine hohe zweistellige Millionensumme. Foto: Bexte

An allen Ecken wird geschweißt, geflext und gehämmert, werden Kabel verlegt und Leitungen verschraubt. Der Aufzug bringt neue Bauteile und Material in die oberen Stockwerke, Anweisungen in verschiedenen Sprachen tönen durch die Betonflure. Auf der Baustelle ist richtig was los. Projektleiter Stefan Rahm behält dabei den Überblick.

Der trichterförmige Abschluss eines der 20 Meter hohen Sprühtürme. Foto: Bexte

»Ja, das ist für uns schon ein richtig großes Vorhaben«, schaut der Ingenieur für Verfahrenstechnik auf die verschlungenen Edelstahlarmaturen und -rohre im vierten Stock des Neubaus. Eine »hohe zweistellige Millionensumme« investiert der Babynahrungshersteller aus Pfaffenhofen (Bayern) in Herford.

Baustelle seit Juli 2017

Im Mittelpunkt der von einem skandinavischen Unternehmen gebauten Anlage stehen zwei neun Tonnen schwere Edelstahlzylinder, sogenannte Sprühtürme. In die etwa 20 Meter hohen Behälter wird künftig mit Pulver und Fetten eingedickte Milch durch Düsen gesprüht. »Ein etwa 180 Grad heißer Luftstrom erzeugt im Innern eine Art Wirbelsturm, in dem die Tropfen zu Pulver werden und nach unten sinken«, erläutert Rahm.

Anschließend wird das Pulver im sogenannten Fließbett nachgetrocknet, dann gesiebt und weiterverarbeitet. »Zum Schluss hat das Pulver eine sehr geringe Restfeuchte. Das garantiert eine lange Haltbarkeit«, ergänzt Volker Furchbrich, Leiter Qualitäts- und Umweltmanagement. »Denn wo kein Wasser, da kein Keim.« Im Juli 2017 hatten die Arbeiten an der Bielefelder Straße begonnen.

Im Februar dieses Jahres waren die beiden Sprühtürme mit einem 100-Meter-Ausleger-Kran durch das noch offene Dach auf einen zuvor montierten trichterförmigen Turmkonus gesetzt worden. Rohbau, Fassade und Dach sind jetzt fertig. Der Testbetrieb am ersten Sprühturm soll im neuen Jahr beginnen – unter strengsten Sicherheits- und Hygienevorschriften. Ab Jahresmitte folgt die zweite sogenannte Turmkammer, wie sie in der Fachsprache heißen.

Energiesparend

Bis zur vollständigen Inbetriebnahme beider Türme wird das Babynahrungspulver weiterhin in den bisher genutzten Anlagen hergestellt, dort noch nach der sogenannten Schleuderscheibentechnik, die auf die Zentrifugalkraft setzt. »Die neue Technik ist aber wesentlich energieeffizienter«, sagt Projektleiter Rahm. In einem 2011 fertiggestellten Sprühturm kommt sie bereits zum Einsatz, auch weiterhin. Die Gebäude der alten Türme sollen auch künftig genutzt werden. »Wie genau, können wir aber noch nicht sagen.«

Mehr als 200 Tonnen Bio-Rohmilch werden täglich am Herforder Hipp-Werk – dem einzigen Unternehmensstandort für die Produktion von Milchnahrung – angeliefert. Dafür reichen acht Tanklaster aus. Ihre Fracht bildet die Grundlage für die ca. 40.000 Tonnen Babynahrung, die hier jährlich hergestellt wird. Mit der Inbetriebnahme der neuen Sprühtürme werde sich die Kapazität erhöhen, zu Beginn des Jahres war von bis zu einem Drittel die Rede. In Herford setzt Hipp aber bereits seit langem auf Wachstum: Die Belegschaft sei in den vergangenen fünf Jahren um etwa 200 auf aktuell 614 Mitarbeiter aufgestockt worden.

Standort seit 1934

Die Produkte aus Herford werden weltweit verkauft, Kernmarkt ist jedoch Europa. Am Standort wird seit 1934 Milch verarbeitet, seit 1950 Babynahrung auf Kuhmilchbasis hergestellt – entwickelt vom Herforder Kinderarzt Dr. Heinz Lemke.

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