Carola Frauli und der Jaguar-Club – viele Stars nach Herford geholt
Die Erinnerungen leben weiter

Herford (WB). Wenn Herforder über die 60er Jahre reden, dann fällt stets der Name »Jaguar-Club«. Entsprechend groß ist das Interesse an dem neuen Film über den legendären Beat-Treff im ehemaligen Kino Scala.

Mittwoch, 30.10.2019, 12:39 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 12:42 Uhr
Jimi Hendrix, bekannt für sein unkonventionelles Gitarrenspiel: Im Frühjahr 1967 zählt er zu den Top-Acts des Clubs. Hendrix-Fan Werner Kureinski erinnert sich noch gut daran, wie der Star im Mercedes vorgefahren wurde und sofort bereitwillig Autogramme gab. Foto: Peter Schütte

Welche Faszination noch heute von der gemeinsamen Beat-Geschichte ausgeht, zeigt sich nicht zuletzt bei Facebook. 400 Mitglieder gehören der Gruppe »Jaguar Club - Scala Herford« an – und immer wieder geht es um die alten Zeiten. Um Fotos von Stars wie Jimi Hendrix oder Eric Clapton, um alte Plakate oder Eintrittskarten, um heimische Bands, an deren Namen sich heute kaum noch jemand erinnert.

Weltstars in Herford

Ein markantes Zitat im Zusammenhang mit dem Jaguar-Club stammt vom Herforder Maler Weizenfeld. In Herford seien überhaupt nur zwei Weltstars jemals gewesen, sagt er – der Ausstellungsmacher Jan Hoet und Jimi Hendrix. Weizenfeld, der sich in den 60er Jahren noch unter seinem bürgerlichen Namen Bernd Weitkamp anreden ließ, war damals zu jung für das Hendrix-Konzert. Doch es gehört zu den Fußnoten der Club-Geschichte, dass er später in dem gleichen Saal spielen sollte, in dem einst Jimi Hendrix für Furore gesorgt hatte. Denn nach dem Beat und einer langen Unterbrechung folgte in der Scala von 1978 bis 1981 eine kurze Punkzeit. Und Weizenfeld war mit seiner Band Aheads mittendrin im wilden Trubel.

Carola Frauli

Dass es so weit kommen konnte, haben Herfords Musikfreunde einer mutigen Frau zu verdanken: Carola Frauli (1920 – 2017). Als sie den Jaguar-Club Mitte der 60er Jahre ins Leben rief, hatte sie mit vielen typisch kleinstädtischen Widerständen zu kämpfen. Später wurde sie zur Heldin – einer Frau, der es zu verdanken war, dass junge Menschen aus der gesamten Region gerne nach Herford kamen. Die Stadt sei damals so konservativ gewesen, erinnerte sie sich später: »Da wundere ich mich, dass ich das als Frau alles geschafft habe.«

Magisches Frühjahr

Welchen Stellenwert der Club hatte, ist unter anderem der Bandgeschichte von The Who zu entnehmen. Von einem »Gig at the famous Jaguar-Club Herford« ist an einer Stelle ihrer Biographie die Rede. Das war im Jahr 1967, als sich in einem Zeitraum von wenigen Wochen The Who (10. April), Cream (21. Mai) und Jimi Hendrix (27. Mai) die Ehre gaben. Ein magisches Frühjahr, mit dem Carola Frauli bei der Gründung des Jaguar-Clubs in ihren kühnsten Beat-Träumen nicht gerechnet hätte.

Die Jaguars

Am Anfang waren die »Jaguars« – eine Band, in der zwei Söhne von Frauli mitspielten. In der Mutter entstand der Wunsch, etwas für die Band zu tun. Erste Konzerte fanden im Schützenhof statt – ab Januar 1965 unter dem Namen Jaguar-Club. Doch der Pächter wechselte – und auf der Suche nach einem neuen Ort stießen die Fraulis auf das alte Kino Scala an der Mindener Straße. Im Januar 1966 ging es los und aus Carola Frauli wurde eine professionelle Konzertveranstalterin. Der Name Jaguar-Club blieb bestehen, obwohl sich die Jaguars auflösten und an der nach ihnen benannten Wirkungsstätte niemals aufgetreten sind.

Jugendliche stimmten ab

Zum Selbstverständnis der Veranstalterin zählte die Beteiligung der Jugendlichen am Programm des Jaguar-Clubs. So konnten die Gäste mitbestimmen, wer eingeladen wurde – was dazu führte, dass Fraulis Favorit Cliff Richard abgelehnt wurde: »Das Publikum wollte lieber Geno Washington. Da war ich enttäuscht.«

Clapton als »first class«

Viele Erinnerungen hat sie in ihrem Buch über den Jaguar-Club niedergeschrieben. Besonders angetan war sie von der Band Cream. Eric Clapton sei wirklich »first class« gewesen. Zwiespältiger fällt ihre Erinnerung an Jimi Hendrix aus: »Er war nicht gut in Form. Er wirkte apathisch und wurde seinem Ruf nicht gerecht.« Dabei machte die Veranstalterin dem Star keine Vorwürfe. Er habe eine lange Tournee hinter sich gehabt. Frauli lernte Jimi Hendrix als einen »lieben Menschen« kennen, der leider verheizt worden sei.

Dank zum 93. Geburtstag

Viele Geschichten sind mit dem Club an der Mindener Straße verbunden. Zu den bemerkenswertesten zählt die von Bobby Elliot, der einst Drummer der Hollies war. Nach dem Herford-Auftritt fuhr Frauli die Band nach Hamburg. Als die Hollies dort auftraten und der Drummer Magenkrämpfe bekam, sorgte die Herforderin dafür, dass er in ein Krankenhaus gebracht wurde. Ein lebensgefährlicher Blinddarmdurchbruch wurde so verhindert – und Jahrzehnte später sagte beziehungsweise schrieb Bobby Elliott noch einmal Dankeschön. Die Dankespost erreichte Carola Frauli zu ihrem 93. Geburtstag!

Das Ende kam 1970

Da war der Jaguar-Club längst Erinnerungsgeschichte. Ende Oktober 1970 kam das Aus – wenige Monate nach der Schließung des Hamburger Star-Clubs. Begonnen hatte die Ära der Diskotheken, die die Live-Clubs verdrängten. Doch es gab auch stadtgemachte Gründe, wie Frauli in ihrem Buch anmerkte: »Der behördliche Druck wurde immer unerträglicher. Immer neue Auflagen hatten wir zu erfüllen. Das Finanzamt kam mit viel zu hoch geschätzten Steuernachforderungen.«

Ein Club-Ende in Unfrieden – das Denkmal, das Carola Frauli verdient hat, muss noch errichtet werden.

Neuer Kinotermin am 28. Januar

Kaum hatte der Regisseur den Premierentermin unters Volk gebracht, da war die Vorstellung schon ausverkauft. Wie groß das Interesse an einem Film über den Jaguar-Club ist, erfuhr Rainer Bärensprung innerhalb von nicht einmal 24 Stunden. Mit Nachfolgeterminen steht bereits vor der Erstaufführung am 8. November im Kino Capitol fest, dass den Film mindestens 1000 Menschen sehen werden.

Wegen der großen Nachfrage wurde Anfang der Woche ein weiterer Aufführungstermin festgelegt – für den 28. Januar ab 18 Uhr im Capitol.

 

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