Ratsmehrheit legt sich nicht auf Standort fest, will aber das Projekt vorantreiben Erste Weichenstellung für OWL-Forum

Herford (WB/ram/pjs). Ob in Herford ein 97 Millionen Euro teures »OWL-Forum« errichtet wird, ist auch nach der Sondersitzung des Rates ungewiss. Fest steht aber, dass sich Bürgermeister Tim Kähler darum bemühen kann, entsprechende Fördergelder einzuwerben. Allerdings wollte sich die knappe Ratsmehrheit auf keinen Standort festlegen.

Bürgermeister Tim Kähler hatte den Standort am Güterbahnhof befürwortet. Jetzt sollen die Chancen für ein OWL-Forum ausgelotet werden, ohne sich auf einen Standort festzulegen.
Bürgermeister Tim Kähler hatte den Standort am Güterbahnhof befürwortet. Jetzt sollen die Chancen für ein OWL-Forum ausgelotet werden, ohne sich auf einen Standort festzulegen. Foto: Moritz Winde

Für den Beschluss stimmten SPD (bis auf Martin Wolf), Grüne, FDP, Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004) und der Bürgermeister. Dagegen votierten CDU, Linke, Bürger für Herford (BfH) und Martin Wolf (SPD). Das sei noch keine Grundsatzentscheidung über ein 100-Millionen-Euro-Projekt, sagte Herbert Even (Die Grünen). Es gebe noch viele offene Fragen. Man wolle sich nur nicht die Aussicht auf eine Förderung von 65 oder 70 Millionen Euro verbauen.

»Sie beschließen heute keinen 100-Millionen-Euro-Bau«

Bürgermeister Kähler machte noch einmal deutlich, dass das Stadttheater und der Schützenhof marode sind, für die Stadt Herford also Handlungsbedarf besteht. »Über beide Gebäude wurde bereits diskutiert, bevor ich Bürgermeister dieser Stadt geworden bin«, betonte Kähler. Für die Sanierung beider Gebäude entstünden Kosten von 30 Millionen Euro. Die Alternative wäre ein Neubau, der beide Einrichtungen, also Theater und Nordwestdeutsche Philharmonie, unter einem Dach vereine und darüber hinaus noch weitere Angebote schaffe.

»Wir haben hier auch eine sehr rege Jazz-Szene und ich bedauere es jedesmal, wenn die Künstler irgendwo anders auftreten müssen, weil wir nicht die entsprechenden Räumlichkeiten haben«, erklärte das Stadtoberhaupt. An die Adresse der Ratsmitglieder sagte er: »Sie beschließen hier heute aber keinen 100-Millionen-Euro-Bau, sondern lediglich, ob sie mich auf die Reise schicken wollen, damit ich versuche, die Fördermittel zu akquirieren.«

Ein Abweichler in der SPD

Die SPD befürwortete das Projekt mehrheitlich. Birgitt Fischer appellierte an den Rat, die Möglichkeit zur Realisierung eines neuen Konzert- und Theatergebäudes auf dem Güterbahnhof-Areal offen zu halten. Schließlich habe die Stadt »zwei abgängige Gebäude an der Backe«.

Sorgen angesichts der Folgekosten

Als »zu teuer« bewertete CDU-Fraktionschef Wolfgang Rußkamp das Projekt . Laut Planung würde das OWL-Forum mit zwei Sälen 97 Millionen Euro kosten. Ein Konzertsaal sollte 1000 Plätze umfassen, der Theatersaal 650. Bürgermeister Kähler wollte sich darum bemühen, dass zwei Drittel der Investitionskosten von Bund und Land finanziert werden. Bliebe somit ein Eigenanteil der Stadt von 32,4 Millionen Euro. Für die Sanierung des bestehenden Stadttheaters an der Mindener Straße (16 Millionen Euro) und des Schützenhofs (13,6 Millionen Euro) müsste die Stadt laut Kähler fast genauso viel aufbringen.

»Es dürfen bei der Aufzählung auch die 11 Millionen Euro nicht vergessen werden, die wir als Stadt investieren müssen, um das heutige Theater weiter als Schulaula für das RGH nutzen zu können, sollte die Lösung OWL-Forum zum Tragen kommen«, sagte Rußkamp. Somit lägen die Investitionskosten bei 108 Millionen insgesamt und bei mehr als 40 Millionen Euro bei der Stadt. »Und wenn man sich derzeit Bauprojekte anschaut, dann muss man kein Prophet sein, um zu sagen, dass es noch teurer wird«, so Rußkamp.

Sorge um Finanzierung des Kulturbetriebs

Seine Partei sei keine Partei der Nein-Sager. So habe die CDU für die umfangreiche Sanierung der Grundschulen und die Modernisierung der Otto-Hahn-Schule gestimmt, den Ausbau der Kunstrasenplätze und die Wall-Sanierung vorangetrieben. »Mit Blick auf die Investitions- und Folgekosten müssen wir hier aber Nein sagen«, so Rußkamp. Parteikollege Thomas Helmerking ergänzte: »In Wirklichkeit haben wir bei dem Projekt bereits ein Delta von 60 Millionen Euro. Und angesichts der sonstigen Finanzsituation müssen wir fragen, haben wir nicht schon genug Risiken?«

Chancen für anderen Standort ausloten

Die FDP sei nicht gegen das OWL-Forum, nur eben gegen eine Halle am Güterbahnhof, so Günther Klempnauer. Das Umfeld am Güterbahnhof sei nicht 1a-, sondern eher 6f-Lage. Die Liberalen sprechen sich für ein OWL-Forum am Janup aus. Die Bürger für Herford (BfH) begründeten ihr Nein zum Forum mit den zu hohen Kosten. »Wer bei den Zahlen dieser Veranstaltungshalle zustimmt, nimmt billigend in Kauf, dass bei der Realisierung zu wenig Geld für andere Kultureinrichtungen, vorhanden ist«, sagte BfH-Fraktionschef Lothar Wienböker. Eine ähnliche Befürchtung äußerte Claudio Vendramin (Die Grünen). Dennoch sprach er sich dafür aus, dass Kähler es versuchen sollte, die Fördermittel einzuwerben.

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