Herforder Scholl-Realschule: Reparatur des Flügels von 1907 kostet 20.000 Euro – Benefizkonzert
»Rettet unseren Steinway«

Herford (WB). Dieses Klavier steht kurz vor dem »Kollaps«: Sichtbar ist das Problem nicht. Aber wenn der Flügel weiter im Zentrum der Musik an der Geschwister-Scholl-Realschule stehen soll, braucht er eine kostenintensive »OP«, vergleichbar mit einer Transplantation.

Dienstag, 08.10.2019, 06:06 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 09:18 Uhr
»Kumbaya my Lord« singt ein Teil des Projektchors mit Lehrer Hermann Bökamp. Am 30. Oktober geben sie ein Benefizkonzert in der Aula. Foto: Moritz Winde
Der Steinway wurde 1907 in Hamburg gebaut.

Der Steinway wurde 1907 in Hamburg gebaut. Foto: Winde

Aus der Aula erklingen vorsichtige Akkorde. Sie steigern sich, der Sound wird intensiver, füllt den großen Raum. Auf dem Klavierhocker sitzt Thomas Enns. »Dieser Flügel ist ganz wunderbar. Ich kann ihn in jeder Pause zum Üben nutzen«, sagt der Zehntklässler. Doch wie lange noch?

Denn der 2,11 Meter lange Steinway hat bereits 112 Jahre Spielgeschichte hinter sich. Aber jetzt ist sein »Herz« – in der Fachsprache Resonanzboden – gebrochen. »Der Flügel ist nicht mehr stimmbar, er hält die Spannung seiner vielen Saiten nicht mehr aus«, sagt Musiklehrer Hermann Bökamp. Reparaturkosten: 20.000 Euro. »So viel Geld können wir nicht aufbringen«.

Am 11. September 1907 verließ der Konzertflügel das Steinway-Haus Hamburg. »Er gehört zu der ersten Serie Instrumente, die komplett in Hamburg – ohne Zulieferung aus New York – hergestellt wurden«, sagt Schulleiterin Marie-Theres Brinkmann, die mit Kollegen die Klavier-Historie beleuchtet hat.

Sein Weg führte den Konzertflügel – im Neuzustand kostet er etwa 100.000 Euro – nach Hannover. Dort aber verlieren sich seine Spuren, bis er wahrscheinlich zur Gründung der Scholl-Schule 1958 nach Herford kam. Wie die Schule in seinen Besitz kam, ist völlig unklar. Selbst Stadtarchivar Christoph Laue habe keine Erklärung, sagt Lehrer Bökamp. »Vielleicht hat ihn ein Vater eines Schülers der Schule geschenkt.«

Von Hamburg über Hannover nach Herford

Musik spielt und spielte in der Einrichtung an der Wiesestraße immer eine große Rolle. Das zeigt ein Blick in alte Konzertprogramme, bei denen der Steinway stets im Mittelpunkt stand. Mit dem Projekt »Musik macht stark« in Kooperation mit der Musikschule wurden in den vergangenen fünf Jahren Akzente gesetzt.

Schulleiterin Marie-Theres Brinkmann hofft auf viele Spender.

Schulleiterin Marie-Theres Brinkmann hofft auf viele Spender. Foto: Winde

Klar ist: »Wir wollen uns auf keinen Fall von dem Flügel trennen – zu wertvoll ist er, in ideeller und materieller Hinsicht«, sagt Marie-Theres Brinkmann.

»Erste Hilfe« kommt aus Bielefeld. Während einer Chorprobe in der Aula erfuhren die Sänger des Gospelchors »Gospel Unlimited« – dort ist die Schulleiterin selbst Mitglied – von der Geschichte. Sie erklärten sich spontan bereit, ein Benefizkonzert zu singen – und zwar am 30. Oktober um 19.30 Uhr.

Weitere Unterstützung kommt vom Happy Hospital Chor der Städtischen Klinik Bielefeld sowie dem Projektchor der fünften Klassen der Scholl-Schule.Der Erlös der Eintrittskarten – ein Ticket kostet zehn Euro – kommt komplett dem Klavier zugute.

Kommentar von Moritz Winde

Die Geschwister-Scholl-Realschule kämpft um ihren historischen Flügel. Dieses Engagement ist ein wohltuender Kontrast zum Wegwerf-Wahn. Es verdient Respekt.

Einfacher und billiger wäre es, das Klavier auszurangieren und ein neues zu kaufen – natürlich mit minderer Qualität. So aber setzen die Schüler ein klares Statement: Es gibt Dinge, die erhaltenswert sind.

Der alte Steinway mit seiner langen Geschichte gehört dazu. Hoffentlich sehen das genügend Spender genauso.

Zehntklässler Thomas Enns (15) nutzt fast jede Pause, um an dem alten Steinway zu üben.

Zehntklässler Thomas Enns (15) nutzt fast jede Pause, um an dem alten Steinway zu üben. Foto: Moritz Winde

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