Präses Annette Kurschus hält zentralen Gottesdienst anlässlich des Erntedankfestes
»Müssen mehr miteinander reden«

Herford (WB). Ob Klimaschutz oder Bewahrung der Schöpfung – es gibt viele Themen, die Kirche und Landwirtschaft gleichermaßen beschäftigen. Das sorgt auch für Konfliktstoff. »Deshalb tun beide Seiten gut daran, mehr mit- als übereinander zu reden«, sagte Präses Annette Kurschus anlässlich des Erntedankfestes in Herford.

Sonntag, 06.10.2019, 15:53 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 16:00 Uhr
Sprachen über Gemeinsamkeiten und Kritiklinien zwischen Kirche und Landwirtschaft: Hermann Dedert (von links, Vorsitzender des Kreisverbandes Herford-Bielefeld des WLV), Präses Annette Kurschus, Wilhelm Brüggemeier (Vize-Präsident des WLV), Henner Braach (Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein), Michael Krause (Superintendent des Kirchenkreises Herford), Jürgen Müller (Landrat des Kreises Herford) und Holger Kasfeld (Pfarrer aus Herford). Foto: Ralf Meistes

Zum zentralen Gottesdienst mit Gedankenaustausch hatten die Evangelische Kirche von Westfalen und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am Freitagabend in die Friedenskirche in Elverdissen eingeladen.

Wie sehr die Landwirte von der Natur abhängig sind, habe dieser von Hitze und Trockenheit geprägte Sommer gezeigt, erklärte Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld. Insgesamt seien die Bauern »mit einem blauen Auge« davongekommen, betonte er in einer Diskussionsrunde im Gemeindehaus.

Dedert, der selbst als Presbyter in der Stephanus-Kirchengemeinde Hiddenhausen tätig ist, warnte angesichts der öffentlichen Debatte davor, die ökologische Landwirtschaft als das Gute und die konventionelle Landwirtschaft als das Böse darzustellen.

»Öffentliche Kritik an uns Bauern ist zuweilen zu heftig«

Mit Blick auf das Erntedankfest sagte Präses Annette Kurschus in ihrer Predigt: »Es ist ja in der Landwirtschaft bisweilen durchaus verzwickt und zwiespältig mit dem Segen und dem Dank: Eine reiche Ernte kann in unserer globalisierten Welt das Angebot steigern und Preise drücken. Das mag die Verbraucher erfreuen, die Landwirte können darüber nur klagen.«

Ein Punkt, den der Vize-Präsident des WLV, Wilhelm Brüggemeier, in der anschließenden Diskussionsrunde aufgriff. »Wir haben in den vergangenen Jahren viele Veränderungen in der Landwirtschaft erlebt. Mir ist die öffentliche Kritik an uns Bauern zuweilen zu heftig. Bei all den Veränderungen, die wir vornehmen und die von uns verlangt werden, darf nicht vergessen werden, dass wir von unseren Höfen leben. Wir benötigen also pragmatische Lösungen.«

»Nachhaltigkeit ist auch Verantwortung für nachfolgende Generationen«

Viele Höfe seien seit Generationen in Familienhand. »Daran sieht man, wie nachhaltig wir arbeiten und dass wir unseren Böden nicht mehr entnehmen, als wir ihnen zuführen«, sagte Brüggemeier. Nachhaltigkeit, so Präses Kurschus, bedeute auch Verantwortung für nachfolgende Generationen und sie gelte auch nicht nur für unsere Landstriche.

Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten zwischen Landwirtschaft und Kirche verwies Kurschus darauf, dass die Menschen bei beidem gut mitreden könnten und an beiden entsprechend auch Kritik geübt werde. »Aber die Kritiklinie verläuft auch zwischen uns«, erklärte sie. Deshalb sei ihr der Austausch so wichtig.

Und dieses voneinander wissen könne noch verbessert werden. »Sie müssen uns deutlich sagen, wo sie uns an Ihrer Seite brauchen«, sagte Kurschus in Richtung der Landwirte im Gemeindehaus.

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