Mehrkosten von 3,5 bis 5 Millionen Euro befürchtet – weitere Studenten kommen
Studentenhäuser werden teurer

Herford (WB). Wochenlang wurde um die Optik der drei Studentenhäuser gerungen, die entlang der Vlothoer Straße entstehen. Jetzt geht es ums Geld. Aus politischen Kreisen ist zu hören, dass die Kosten für die Errichtung der Studentenhäuser 10 bis 15 Prozent höher liegen als geplant.

Samstag, 05.10.2019, 07:00 Uhr
Eigentlich sollen die drei Studentenhäuser bis September 2020 fertiggestellt sein. Es dauert vermutlich nicht nur länger, sondern wird auch teurer. Foto: Moritz Winde

Informationen vor der Sondersitzung am Montag

Bei einem Investitionsvolumen von 33 Millionen Euro wären dies immerhin Mehrkosten zwischen 3,5 und 5 Millionen Euro. Vor der Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses am kommenden Montag, 7. Oktober, soll der Aufsichtsrat der Stadtentwicklungsgesellschaft über den aktuellen Sachstand informiert werden. Das sorgt in der Politik für Unmut.

Da hilft es auch nichts, dass aus dem Rathaus kolportiert wird, dass 120 weitere Studenten der Fachhochschule für Finanzen (FHF) für einen Zeitraum von vier Monaten auf dem Campus ausgebildet werden sollen. Derzeit sind es etwa 500. Einige Ratsmitglieder befürchten, dass es mit einer Kostensteigerung um bis zu 15 Prozent noch nicht getan ist und dass weitere Kosten auf die Stadt zukommen werden.

Preise werden in die Höhe getrieben

Begründet wird das Delta zum einen mit der boomenden Bauwirtschaft. Diese treibe die Preise nach oben. Für einige Gewerke, so heißt es, seien nur ein bis zwei Angebote abgegeben worden. Probleme soll es unter anderem bei den Ausschreibungen für die Elektrik geben.

Zugleich sitzt der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEH), die das Projekt leitet, die Zeit im Nacken. Bis September 2020 sollen 360 Studenten aus den Containern auf dem Areal der Wentworth-Kaserne (im Bereich Stadtholzstraße) ausziehen und in die umgebauten und erweiterten ehemaligen Kasernengebäude auf dem Hammersmith-Gelände (an der Vlothoer Straße) einziehen.

Zeitplan kaum noch einzuhalten

Bereits jetzt scheint absehbar, dass dieser Zeitplan nicht eingehalten werden kann. Mit dem Land NRW als Trägerin der Fachhochschule für Finanzen scheint vereinbart worden zu sein, dass notfalls die Studierenden erst im Dezember 2020 an die Vlothoer Straße ziehen.

Aus der Politik gibt es bereits erste Stimmen, ob diese Frist nicht erneut verlängert werden kann, so dass bei weiteren Ausschreibungen eventuell noch günstigere Angebote abgegeben werden. »Wir können bei der Vergabe jedenfalls nicht nach dem Motto friss oder stirb verfahren. Wenn Angebote zu teuer sind, muss die SEH-Geschäftsführung diese auch ablehnen. Ich habe den Eindruck, dass die FHF-Studenten in den Containern gut untergebracht sind. Warum also nicht den Umzugstermin auf Juli 2021 verlegen und der SEH damit Luft verschaffen?«, fragt ein Kommunalpolitiker, der nicht genannt werden möchte.

Kostensteigerungen auch durch Gründächer

Kostensteigerungen seien allerdings auch zustande gekommen, weil auf die Dächer der drei Wohnhäuser begrünt und mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden soll. Dadurch entstünde eine zusätzliche Last, die sich auch auf die Statik auswirke und somit zusätzliche Kosten verursacht habe. Für das Gründach werden die Mehrkosten mit 535.000 Euro beziffert. Eine Erhöhung der Zimmerzahl soll 569.000 Euro kosten.

Teurer wird offenbar auch der Umbau des ehemaligen Werkstattgebäudes, indem in Zukunft die Energieversorgung für die drei Häuser untergebracht werden soll. Für die Energiezentrale steht jetzt eine Summe von 260.000 Euro. Darüber hinaus, und das kommt für einige Kommunalpolitiker auch überraschend, stehen für die Umgestaltung der Fassade 896.000 Euro in Rechnung.

Doch einen Generalunternehmer engagieren?

In den drei fünfgeschossigen Gebäuden entlang der Vlothoer Straße sollen bis zu 360 Studenten untergebracht werden. Bis mindestens 2027 bleibt die FHF am Standort Stiftberg. Durch die Mieteinnahmen, die das Land an die Stadt über die Tochtergesellschaft entrichtet, sollen bis 2027 etwa 42 Prozent der gemachten Schulden, die durch das Projekt entstehen, getilgt sein. Allerdings galt dies bei einer Investitionssumme von 33 Millionen Euro. Sollten sich die Kosten auf 38 oder gar 40 Millionen Euro erhöhen, wird wohl noch einmal neu gerechnet werden müssen.

Die Konsequenz benennt die SEH-Geschäftsführung ganz konkret. Entweder es erfolgt für einige Bereiche eine erneute Ausschreibung und es wird nachverhandelt. Oder, die SEH-Geschäftsführung übergibt das Projekt an einen Generalunternehmer. Oder aber, das Bauvorhaben wird eingestellt.

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