Diskussion über geplantes Bildungshaus an der Grundschule Radewig
Anwohner befürchten sozialen Brennpunkt

Herford (WB). Mit Hilfe öffentlicher Fördermittel will die Stadt an der Grundschule Radewig ein Bildungshaus errichten. Die Mehrzahl der Anlieger allerdings ist mit diesem Plan nicht einverstanden.

Donnerstag, 03.10.2019, 09:00 Uhr
Dr. Annette Klinkert (City2science GmbH) moderierte die Diskussion beim Nachbarschaftstreffen in der Grundschule Radewig und sammelte Ideen und Anregungen. Foto: Peter Schelberg

Das ist am Montag beim Nachbarschaftstreffen mit etwa 40 Teilnehmern deutlich geworden, zu dem die Stadt in die Schule eingeladen hatte. Nach zwei Stunden zum Teil sehr emotional geführter Diskussion zog Wolf-Dieter Witte, Sprecher der Interessengemeinschaft der Anlieger, ein Fazit: »Wir sind nicht gegen einen Quartierstreff oder ein Bildungshaus in Grundschulnähe – allerdings sind wir strikt gegen einen Standort auf dem Schulgelände.«

»Unsere Erfahrungen stehen gegen die Ideen der Stadt«

Im Bildungshaus (Kosten: voraussichtlich etwa 564.000 Euro) soll die außerschulische Bildungsarbeit mit Kindern und Familien aus dem Quartier West angesiedelt werden. Von diesem Projekt fühlen sich einige Anwohner überrumpelt – ihre Kritik: Die Stadt habe nicht oder zu spät informiert und schaffe mit dem Projekt zusätzliche Probleme im Quartier. »Hier stehen unsere Erfahrungen gegen die Ideen der Stadt«, meinte ein Teilnehmer, und ein anderer ergänzte: »Wir sehen die Gefahr, dass hier ein sozialer Brennpunkt entsteht. Das wollen wir nicht.«

»Grenze der Lärmbelästigung schon jetzt erreicht«

Nach Ansicht Betroffener sei schon jetzt die Lärmbelästigungsgrenze erreicht: »Durch den täglichen Schulbetrieb von 7.40 Uhr bis 16.20 Uhr, die anschließende Nutzung der Sporthalle und immer wieder auftretende nächtliche Ruhestörungen durch Gruppen von Jugendlichen auf dem Schulgelände«, wie Sprecher Witte erläuterte. Mit dem Bildungshaus, so die Befürchtung, würde die Lärmbelastung noch zunehmen und die Wohnqualität gemindert.

Verschärfung der Parkplatz- und Verkehrsprobleme?

Weil durch den Neubau Lehrerparkplätze entfielen, hätte dies zudem eine Verschärfung der Park- und Verkehrsprobleme zur Folge. Anwohner Uwe Willer: »Die Feuerwehr kommt hier schon jetzt mit Rettungsfahrzeugen manchmal nicht durch.« Ein weiteres Problem: »Immer mehr Eltern meinen, ihre Kinder bis zum Schuleingang fahren zu müssen.« Schulabteilungsleiterin Heidi Pahmeyer regte daher an, Lösungen wie das »Verkehrszähmer«-Programm, die Einrichtung von »Kiss and Go-Zonen« (Elternhaltestellen) oder einer Schulstraße zu prüfen.

»Bildungshaus-Konzept funktioniert nur in Schulnähe«

Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann verteidigte das Bildungshaus-Vorhaben, das nur in der Nähe zum Schulstandort funktioniere: »Dort können Eltern leichter zur Mitarbeit bewegt werden.« Rücke man von dieser Planung ab, gäbe es wohl keine Fördergelder. Der Sozialraum Im Kleinen Felde sei von einer großen Zahl von Bürgern mit Migrationshintergrund sowie von hoher Armut geprägt.

Nach Einschätzung von Willi Böke, Geschäftsführer des VAB, der im Quartier Kinder- und Jugendsozialarbeit macht, gibt es genügend Familien, die ein Angebot benötigen, das über die Schulzeit hinaus gehe. Das Bildungshaus biete eine Chance für die Kindersozialarbeit. Dagegen äußerten Anwohner Zweifel, dass die im Bildungshaus vorgesehenen Angebote von der Zielgruppe genutzt würden.

CDU will Verkehrssituation überprüfen lassen

Wolf-Dieter Witte schlug vor, den Quartierstreff »Bildungshaus« schulnah im Kleinen Felde zu errichten. Sollte das nicht realisierbar sein, käme der Platz der geplanten, aber möglicherweise nicht benötigten Kita am Westring in Betracht. Bärbel Müller (CDU) forderte erneut, die Bedarfe für Kitas im Quartier zu überprüfen. Die CDU werde im Verkehrsausschuss beantragen, die Verkehrssituation rund um die Grundschule zu untersuchen. Bärbel Müller: »Wir werden auch den Bildungshaus-Standort noch mal auf den Prüfstand stellen.« Im Jugendhilfeausschuss soll das Thema am 25. November auf der Tagesordnung stehen. Eine Entscheidung wird in der Ratssitzung am 13. Dezember erwartet.

Das Konzept des Bildungshauses

Das Konzept des Bildungshauses – geplant ist ein einstöckiger Flachbau mit 238 Quadratmetern Fläche – sieht die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Grundschulkinder und ihre Familien vor. Es soll die Angebotsstruktur der Schule durch außerschulische Angebote ergänzen, Beratungsangebote für Eltern im Vormittagsbereich und sozialpädagogische Maßnahmen und außerschulische Bildungsangebote für Kinder im Nachmittagsbereich bieten.

Die bisher im Mobilheim am Westring stattfindenden Angebote sollen ins Bildungshaus verlagert werden. Wesentlicher Baustein der Jugendsozialarbeit ist die Trennung der Zielgruppen »Kinder« und »Jugendliche«. Geplant sind diese regelmäßigen Angebote:

- Offenes Angebot für Kinder von sechs bis zehn Jahren wochentags zwischen 16 und 20 Uhr.

- Kinder-Sprechstunden

- Kreativ-, Kultur- und Bildungsangebote

- Familien-Sprechstunden

- Elterncafé/Elternfrühstück

- Raum für offene neue Angebote, die auch von Anwohnern genutzt werden können.

Durch die Ausweitung der Angebotsstrukturen soll die Lebenssituation von Familien mit Kindern im Quartier verbessert werden, sollen Kinder durch außerschulische Bildungsangebote in ihrer Entwicklung gefördert und Bildungsgänge für Eltern geschaffen werden. Zudem sollen die Nachbarschaften und die positive Identifikation mit dem Stadtteil verbessert werden.

 

Kommentare

Anwohner HF  wrote: 03.10.2019 21:48
Konzept ohne Bedarfserhebung
Dargestellt wurde ein unklares Konzept. Beigeordnete und VAB haben sich bei den Aussagen zu den geplanten Angeboten widersprochen. Nach der Veranstaltung gab es mehr Fragen als Antworten. Spannend ist, dass es bislang keine Bedarfserhebung gab. Keiner weiß, ob ein solches Bildungshaus von denjenigen, für die es gedacht ist, angenommen wird. Hier ist extrem viel Utopie dabei. Der Plan macht so keinen Sinn!
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