Wechselvolle Geschichte auf dem Herforder Stiftberg – zeitweise als Lazarett genutzt
Die Schützen und der Schützenhof

Herford (HK/lak). Delegiertenversammlung, Königsschießen und Grüner Abend: Der Schützenhof ist zentraler Veranstaltungsort des Westfälischen Schützentags am kommenden Samstag . Die Geschichte des Traditionshauses an der Stiftberg­straße ist eng mit der der ausrichtenden Schützengesellschaft verbunden, beide haben bewegte Zeiten hinter sich.

Donnerstag, 03.10.2019, 16:00 Uhr
Zum 75-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft 1907 fertigte deren Mitglied und Fotograf Ganzemüller diese aufwändige Collage an. Sie zeigt den Vorstand und die Wahldeputation an den Tischen im Park des Schützenhofs. Foto: WB

1832 gründet sich die Schützengesellschaft zu Herford mit dem 1. Bürgervolksfest. Preußenkönig Friedrich-Wilhelm III. stiftet als Zeichen seines Wohlwollens einen Pokal. Die ersten Festivitäten finden am Lübberbruch statt, wo sich heute das Stadttheater befindet. 1859 erwirbt die Schützengesellschaft erste Teile des Luttenbergs und dann auch größere Teile von der Stiftberger Gemeinde. Damit war die »Lichte« oder auch »Leuchte« genannt auf dem Berge in ihrem kompletten Besitz.

Das Schützenhofgebäude ist fast 160 Jahre alt. Immer wieder sind bauliche Veränderungen erfolgt, wie beispielsweise die Bepflanzung der Grünanlagen und der Bau des Park-Cafés Elisabeth.

Das Schützenhofgebäude ist fast 160 Jahre alt. Immer wieder sind bauliche Veränderungen erfolgt, wie beispielsweise die Bepflanzung der Grünanlagen und der Bau des Park-Cafés Elisabeth. Foto: WB

Erst 1860 erfolgt die Grundsteinlegung des Schützenhofs, der erste Schießstand, Musikpavillon (heutige Terrasse), Wirtschaftsgebäude und Saalerweiterungen schließen sich an. Im Deutsch-Französischen Krieg wird der Schützenhof als Lazarett genutzt – nicht zum letzten Mal. Der 30. Juli 1898 ist ein denkwürdiges Datum in der Geschichte für Verein und Gebäude. Während des Schützenfestes wird der große Saal eingeweiht, am selben Tag stirbt der frühere Reichskanzler Otto von Bismarck.

Früher gab’s zum Schützenfest schulfrei

Schützenfeste haben einen sehr hohen Stellenwert: Schulen und Fabriken sind geschlossen, fast alle Geschäftsleute und Persönlichkeiten sind Mitglied in der Schützengesellschaft. Rund um den Schützenhof geht es voran. Gärtner Heinrich Winter legt den Park an, die Schießstände werden renoviert und sogar die ersten Spülklosetts sind etwas Besonderes.

Der Erste Weltkrieg erfordert ab August 1914 zum zweiten Mal die Nutzung als Lazarett für bis zu 250 Verwundete. Erst fünfeinhalb Jahre später bekommt die Schützengesellschaft »ihren« Schützenhof zurück – in desolatem Zustand. Rechnungsführer Willy Werner sucht alle Mitglieder auf und erhält für die Sanierung ein Darlehen in Höhe von 17.500 Mark.

1939 werden Wehrmachtssoldaten einquartiert

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geht alles seinen Gang: Die Gesellschaft feiert 1932 ihr 100-jähriges Bestehen und die Schießanlagen im Schützenhof werden ausgebaut. 1936 wird das neue Park-Café Elisabeth eingeweiht, viele Herforder besuchen es in den kommenden Jahrzehnten vor allem an Wochenenden.

Der Krieg aber ändert alles: Ab 1939 werden Wehrmachtssoldaten einquartiert und die Stadt übernimmt 1941 nach der Gründung der Stadtgarten Schützenhof GmbH 51 Prozent der Anteile. Als Herford am Ostermontag, 2. April 1945, an die Amerikaner übergeben wird, ist auch der Schützenhof betroffen. Das gesamte Archiv der Schützengesellschaft und ihre Fahnen werden vernichtet, das Vermögen eingezogen und der Verein zwangsaufgelöst.

Schon zweimal Ort des Schützentages

Doch die Mitglieder kämpfen erfolgreich um die Wiederzulassung. Am 7. Dezember 1948 ist es soweit, auch die Beschlagnahmung des Schützenhofs wird aufgehoben. 1949 wird wieder Schützenfest gefeiert und 1952 das Vermögen wieder freigegeben. Die Umgestaltung des arg in Mitleidenschaft gezogenen Schützenhofs wird 1959/60 realisiert und das Elisabeth-Café wieder aufgebaut.

Die weitere Geschichte spielt sich in geregelten Bahnen ab. Im Schützenhof folgen 1980 und 1995 Sanierungen, 1982 feiert die Gesellschaft 150-jähriges Bestehen. Zweimal, 1965 und 1990, ist Herford Ausrichter des Westfälischen Schützentags.

Der Verein stellt sich neu auf, belebt den Schießsport und gewinnt neue Mitglieder. Auch im Schützenhof gibt es einen Wechsel: Nach 20 Jahren als Pächter scheidet Friedrich-Wilhelm Generotzky aus. Die Bielefelder Gastronomenfamile Hangül ist bis heute Nachfolger.

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