Stadt Herford plant jedoch Spielplatzsanierung mit neuem Boot für 190.000 Euro
»Die Schiffsreparatur kostet höchstens 2.000 Euro«

Herford (WB). 190.000 Euro will die Verwaltung für die Spielplatzsanierung auf dem Linnenbauerplatz ausgeben . »Viel zu viel!«, meint Architekt Gerhard Niemann. Maximal 2.000 Euro, etwas handwerkliches Geschick – und alles sei wie neu.

Freitag, 06.09.2019, 07:07 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 10:32 Uhr
Ahoi! Gerhard Niemann steht auf der Wackelbrücke auf dem Linnenbauerplatz. »Das Schiff ist einem recht guten Zustand«, sagt der Architekt. Foto: Moritz Winde

Als der 71-Jährige im WESTFALEN-BLATT las, welche Summe für die Instandsetzung locker gemacht werden soll, habe er seinen Augen nicht getraut. Zunächst habe er an einen Druckfehler gedacht. »Mich erstaunt es immer wieder, wie mit öffentlichen Geldern umgegangen wird«, sagt er und stellt die Frage: »Weshalb soll das Spielschiff eigentlich abgerissen und komplett neu gebaut werden?« Die Stadt hatte angegeben, das Schiff solle ersetzt werden, weil Teile davon marode seien.

Keine statischen Probleme

Aus den Fugen wuchert das Unkraut und drückt die Gummiplatten nach oben.

Aus den Fugen wuchert das Unkraut und drückt die Gummiplatten nach oben. Foto: Winde

Das Thema ließ Gerhard Niemann nicht los. Er machte sich auf den Weg in die Innenstadt, um sich selbst ein Bild vom Zustand des 2007 eröffneten Wasser-Spielplatzes zu machen, der sich insbesondere im Sommer bei Kindern großer Beliebtheit erfreut. Nach sorgfältiger Inaugenscheinnahme sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass das Areal zum Toben mit einem Bruchteil des von der Verwaltung geplanten Geldes auf Vordermann gebracht werden könne.

Statt 190.000 Euro veranschlagt der Gutachter für Gebäudeschäden gerade einmal 2.000 Euro – oder anders gesagt: 1,05 Prozent. »Dieser Betrag würde ausreichen, um das Schiff zu renovieren. Das hält dann mindestens fünf Jahre – natürlich nur bei regelmäßiger Wartung.«

Eine Wartung habe es in der Vergangenheit offenbar nicht gegeben. »Es fehlt definitiv an Pflege, sonst würde es nicht in diesem Zustand sein.« Die Schäden seien aber keinesfalls dramatisch und mit ein wenig Aufwand zu beheben. »Natürlich muss an der einen oder anderen Stelle ausgebessert werden. Insgesamt aber macht das Schiff einen guten Eindruck. Statische Probleme sehe ich nicht, dass heißt, es besteht keine Gefahr für Leib und Leben.«

Kein Verständnis für geplanten Austausch

Die Schäden an den 20 Zentimeter dicken Holzbrettern sind nur oberflächlich.

Die Schäden an den 20 Zentimeter dicken Holzbrettern sind nur oberflächlich. Foto: Winde

Gerhard Niemann hat kein Verständnis dafür, dass die Verwaltung beabsichtigt – die Politik müsste noch zustimmen –, das XXL-Boot auszutauschen. »Kein Holzschiff-Besitzer schmeißt sein Schiff auf den Müll, weil einige Planken ausgetauscht und ein paar Bohlen geflickt werden müssen und die Brüstung einen neuen Anstrich nötig hat. Sollte diese übrigens wartungsfrei sein, tut’s auch eine Abdeckung aus Zink oder Kupfer«, sagt der 71-Jährige, der ein ausgewiesener Experte ist.

Der Herforder Architekt saniert seit mehr als 40 Jahren Gebäude – unter anderem die Rubens-Fabrik im Marta-Viertel – und hat das Holzhandwerk als Schreiner von der Pike auf gelernt.

Auch die Absicht, den Fallschutz komplett gießen zu lassen, hält Gerhard Niemann für falsch. »Zu teuer und ungeeignet.« Stattdessen plädiert er dafür, die vorhanden Gummimatten aufzunehmen, die kaputten auszutauschen und dann neu zu verlegen. »Aber diesmal bitte fachgerecht!« Der Gutachter schlägt vor, das Unternehmen, das 2007 den Spielplatz gestaltet hat, um eine Kostenprognose für eine Reparatur zu bitten. »Jede Wette: Das wird keine 190.000 Euro kosten.«

Nur wenige Schiffsplanken sind morsch und müssten ausgetauscht werden.

Nur wenige Schiffsplanken sind morsch und müssten ausgetauscht werden. Foto: Moritz Winde

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