Mieter in Herford verärgert: »Wer lädt seinen Abfall illegal ab?« – mit Video
Bei so viel Müll kapituliert sogar die Müllabfuhr

Herford (WB). Das stinkt zum Himmel: Vor den »Lindwurm«-Sozialbauten an der Berliner Straße türmt sich der Müll. Mittlerweile liegen dort so viele Säcke, dass selbst die SWK kapituliert.

Mittwoch, 04.09.2019, 06:06 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 06:10 Uhr
Müll, Müll und noch mal Müll: Ali Aliev (26) und Ziyfat Hüseynov (55) wohnen in der Berliner Straße 48. Sie sagen, dass Fremde dort immer wieder ihren Unrat abladen. Foto: Moritz Winde

Geschäftsführer Daniel Kümper erklärt: »Wir holen den Müll nicht mehr ab, weil die Tonnen nicht frei zugänglich sind.« Er bedauere dies, doch dem Entsorgungsunternehmen seien die Hände gebunden. »Wir müssen die Chance haben, an die Behälter ranzukommen.« Normalerweise würden die Eimer auf dem Innenstadtring einmal wöchentlich geleert, vor Hausnummer 48 aber hat die Müllabfuhr schon seit drei Wochen keinen Halt mehr gemacht.

Die Gelackmeierten sind die Mieter. Ziyfat Hüseynov steht vor dem Riesenhaufen Unrat – von Essensresten bis Sperrgut ist alles dabei – und ist verzweifelt. »Glauben Sie, sechs Familien können so viel Müll machen?«

Die Sozialblocks liegen am Innenstadtring in Herford.

Die Sozialblocks liegen am Innenstadtring in Herford. Foto: Moritz Winde

Der 55-Jährige sagt, er habe beobachtet, dass Fremde im Dunkeln ihren Abfall abladen. »Mitten in der Nacht halten Autos und Lastwagen. Dann steigen Leute aus und werfen ihre Säcke hier ab. Das ist eine Frechheit«, findet der Mann aus Aserbaidschan. Er habe sogar Fotos mit dem Handy gemacht, doch die seien wegen der Dunkelheit nicht brauchbar.

Nachbar Ali Aliev (26) ist ebenfalls genervt. »Wenn’s heiß ist, kann ich mein Fenster nicht öffnen – so sehr stinkt es. Und natürlich zieht der Müll auch Mäuse, Ratten und Katzen an. Das ist echt eklig.«

Mieter wünschen sich ein abschließbares Tor

Die Mieter sagen, sie hätten sich bereits mehrfach hilfesuchend an den Vermieter gewandt und auf den Einbau eines abschließbaren Tores gedrängt. Doch von Altro Mondo – der Wohnungsbaugesellschaft aus dem Raum Hannover gehören die Sozialbauten – habe es keine Reaktion darauf gegeben.

Was Ziyfat Hüseynov aber richtig auf die Palme bringt, sind die steigenden Nebenkostenabrechnungen. Darauf stehen unter anderem Positionen wie Müllbeseitigung und Müllmanagement.

2017 summierten sich diese Forderungen auf fast 500 Euro – für eine vierköpfige Familie. »Ich habe bezahlt. Was sollte ich tun?« Ein Müllmanagement habe es aber nie gegeben.

Altro Mondo ist seit längerer Zeit in den Negativ-Schlagzeilen. Auch die »Lindwurm«-Mieter haben sich immer wieder über die Zustände an und in den Häusern beschwert – meist ohne Erfolg. Vor Kurzem drohten die Stadtwerke damit, das Trinkwasser abzustellen , weil der Vermieter die Rechnungen nicht bezahlt hatte.

Der Herforder Rechtsanwalt Klaus Oehler, der für den Mieterschutzbund arbeitet, vertritt derzeit 50 Betroffene aus dem Kreis Herford. Mit dem neuerlichen Problem könnten schon in Kürze einige dazukommen.

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