E-Rollstuhl gestohlen – Schwerbehinderte Herforderin aufgeschmissen
»Das ist so gemein«

Herford (WB). Als Kerstin Schwarz merkt, dass ihr Elektrorollstuhl weg ist, fängt sie an zu zittern. Dann kommen die Tränen. Ohne den fahrbaren Untersatz ist die schwerbehinderte Frau aufgeschmissen. »Ich war geschockt.«

Dienstag, 03.09.2019, 08:08 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 08:58 Uhr
Tatort Berliner Straße 52: Kerstin Schwarz hat ihren elektrischen Meyra-Rollstuhl vor der Haustür abgestellt. Als sie zurückkommt, ist er gestohlen. Foto: Moritz Winde

Wer klaut einer Kranken den Rollstuhl? Diese Frage stellt sich die 52-Jährige immer wieder. »Das ist so gemein! Jetzt bin ich in meinen eigenen vier Wänden gefangen.«

Dabei war der Samstag so schön verlaufen – zumindest bis zum Abend. Sie sei wie so oft mit ihrer Nichte im H20 gewesen. Schwimmen sei ihre große Leidenschaft. »Im Wasser vergesse ich die Schmerzen für eine Weile«, erzählt die Herforderin, die an einer Autoimmunerkrankung leidet. Trotz zahlreicher Medikamente könne sie sich kaum noch schmerzfrei bewegen. »Zu Fuß reicht’s gerade so bis zu den Mülltonnen vor der Tür.« Die gelernte Erzieherin ist zu 90 Prozent behindert.

Rollstuhl-Neupreis liegt bei 2000 Euro

Ein elektrischer Meyra-Rollstuhl dieses Modells wurde gestohlen.

Ein elektrischer Meyra-Rollstuhl dieses Modells wurde gestohlen. Foto: Meyra

Der elektrische Rollstuhl ist für Kerstin Schwarz so etwas wie der Schlüssel zur Freiheit. Mit ihm kann sie die Alltagsdinge wie Arzttermine oder Einkäufe problemlos erledigen. Er hat eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern.

Dementsprechend glücklich sei sie gewesen, als die Krankenkasse vor drei Jahren die Kosten für das Hilfsmittel übernahm. Es handelt sich um das Modell 1.610 des Kalletaler Unternehmens Meyra (Kosten: 2000 Euro) und ist mit einer gehäkelten Blumenkette an der Rückenlehne ausgestattet.

Kerstin Schwarz kommt am Samstag gegen 17.30 Uhr nach Hause. Sie wohnt in der Erdgeschoss-Wohnung des WWS-Mehrfamilienhauses Nummer 52 an der Berliner Straße (»Lindwurm«). Normalerweise, sagt sie, stelle sie ihren Rollstuhl in den Hausflur.

Wegfahrsperre geknackt?

Weil sie am Abend aber noch verabredet und der Rolli vom Schwimmen nass ist, parkt sie ihn diesmal ausnahmsweise an der frischen Luft – und zwar etwas versteckt vor dem Haus neben den Abfalltonnen. Als die Besitzerin gegen kurz vor 20 Uhr wiederkommt, ist der Rollstuhl verschwunden. Ein Nachbar erzählt, er habe den E-Rollstuhl um 19.30 Uhr dort noch gesehen.

Wie haben es der oder die Täter geschafft, den Rolli zu stehlen? Durch die Wegfahrsperre – sie kann nur durch Eingabe eines Codes gelöst werden – sind die Räder blockiert. Tragen ist angesichts des großen Gewichts kaum möglich. Wurde die Elektrik kurzgeschlossen?

Bitter: Auch Kerstin Schwarz’ Gehstock ist weg. Der befand sich nämlich im Rolli. Sie hat Anzeige bei der Polizei erstattet und hofft nun auf Hinweise. »Irgendjemand muss doch etwas gesehen haben.«

Kommentare

Hermann  wrote: 03.09.2019 18:39
Ohne Worte! Es denken wahrscheinlich immer weniger Menschen darüber nach, welche (unmittelbaren und für die Opfer ganz konkreten) Folgen ihr (strafbares oder moralisch verwerfliches) Handeln hat.

Sei es nun im Freibad, wenn friedliche Menschen sich von lautstarken Jugendlichen bedrängt und belästigt fühlen, beim heiteren Hochzeits-Autokorso mit Verkehrschaos in der Innenstadt, in dessen Folge ein Auto mit krankem Angehörigen an Bord nicht rechtzeitig ins Krankenhaus kommt oder beim bewussten Verstopfen der Autobahn-Rettungsgasse um des eigenen Fortkommens willen... oder oder...

Jedenfalls kommt Rollstuhl klauen gleich nach "Igel oder Chihuahua tottreten" oder "Schmetterling zerquetschen"! Schämt Euch Leute!
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