Sicherheit in städtischen Gebäuden wird verschärft – ohne Termin geht bald nichts mehr Zutritt nur noch mit Kontrolle

Herford (WB). Tim Kähler will seine Mitarbeiter besser vor Übergriffen schützen. Die Sicherheitsmaßnahmen in den städtischen Gebäuden werden deshalb verschärft. So soll der bisher stets freie Zugang massiv eingeschränkt werden.

Von Moritz Winde
Ob Rathaus, Elsbach 2, Technisches Rathaus oder Jugendamt: Nicht mehr jeder soll ohne Weiteres in die Verwaltungsgebäude kommen können.
Ob Rathaus, Elsbach 2, Technisches Rathaus oder Jugendamt: Nicht mehr jeder soll ohne Weiteres in die Verwaltungsgebäude kommen können. Foto: Moritz Winde

Nicht erst seit dem jüngsten Drohanruf – am Montagmorgen musste der zentrale Verwaltungssitz evakuiert werden – steht das Thema Sicherheit weit oben auf der Bürgermeister-Agenda. Seine Beamten wurden immer wieder Opfer von verbaler oder körperlicher Gewalt. Auch der 51-jährige SPD-Politiker selbst wurde bedroht, sein Dienstwagen beschädigt, sein Fahrrad gestohlen.

Mit einem Sicherheitskonzept reagiert Tim Kähler nun auf die Zunahme der Anfeindungen und Angriffe. »Ein Rathaus soll eigentlich lebendig und offen sein. Aber ich trage Verantwortung für meine Mitarbeiter, habe eine Fürsorgepflicht. Es kann nicht sein, dass sie sich an ihrem eigenen Arbeitsplatz nicht mehr sicher fühlen.« Besonders brisant sei es in den Abteilungen, in denen es um soziale Leistungen geht, also ums Geld.

Betreten von städtischen Gebäuden nur mit Termin

Konkret sieht der Kähler-Kurs folgendes vor: Grundsätzlich wird es in Kürze nicht mehr möglich sein, ohne Weiteres eines der vier städtischen Gebäude – dazu zählt neben dem Rathaus (160 Mitarbeiter), das Elsbach 2 (90), das Jugendamt (50) und das Technische Rathaus (100) – zu betreten. Die meisten Türen bleiben in Zukunft verschlossen, die Ämter stellen komplett auf Terminvergabe um. Laufkundschaft soll es so gut wie keine mehr geben. Kähler: »Diese Methode soll steigende Aggressionen, bedingt durch längere Wartezeiten, verhindern und dient auch dazu, dass sich die Beschäftigten auf schwierige Kunden vorbereiten können.«

Auch bauliche Veränderungen gehören zum Maßnahmenkatalog. Im Rathaus mit dem meisten Publikumsverkehr werden zwei geschlossene Wartezonen geschaffen, die nicht ohne Erlaubnis verlassen werden können – und zwar im Bürgerbüro und hinter dem Hauptportal. Von dort werden die Kunden dann vom jeweiligen Sachbearbeiter abgeholt. »Wir wollen wissen, wer sich in unseren Räumen aufhält«, sagt Tim Kähler. Wenn aber jederzeit jeder kommen und gehen könne, sei dies naturgemäß schwierig. Aus diesem Grund werden die Öffnungszeiten reduziert. Die Wartebereiche sollen per Videokamera überwacht werden. Diese Möglichkeit werde juristisch gerade geprüft, sagt der Bürgermeister. Die Sicherheitsmaßnahmen schlagen mit mehren Tausend Euro zu Buche seien aber weitaus günstiger als ein Sicherheitsdienst, der pro Jahr 85.000 Euro koste.

Übrigens: Bei öffentlichen Sitzungen, Trauungen und anderen Veranstaltungen wird der freie Zugang zum Rathaus für alle gewährleistet bleiben.

Kommentar

Es ist wie so oft im Leben: Einige wenige benehmen sich daneben, alle anderen müssen es ausbaden. Natürlich ist es schade, dass man sich demnächst im Rathaus und allen anderen Verwaltungsgebäuden nicht mehr frei bewegen kann. Zugangskontrollen, Videoüberwachung, gesperrte Bereiche: Vom offenen Haus für die Bürger bleibt nicht mehr viel übrig. Doch der Bürgermeister hat keine andere Wahl, als die Sicherheit drastisch zu verschärfen. In letzter Zeit ist einfach zu viel passiert. Gewalt, Drohungen, Beleidigungen, Sachbeschädigung: Aktuell laufen acht Strafanzeigen, es gibt zwei Hausverbote. Bei manchen Stadt-Mitarbeitern ist die Angst vor Übergriffen so groß, dass sie sich in ihrem Büro einschließen. Diese Entwicklung ist traurig und gibt Anlass zur Sorge.

Kommentare

Wie konnte es soweit kommen.....?

Wenn ich an die Liberalisierung seit den 70er Jahren denke und dass seit der Jahrtausendwende mit Aufnahme vo Millionen Migranten keine Grenzen für unsere Wertekultur gesetzt wurden, wenn Justizstrafen bei allen strafbaren Delikten immer wieder im Einzelfall heruntergesetzt wurden, dann wundert mich diese Entwicklung überhaupt nicht. Aus der Geschichte seit dem Altertum können wir ablesen, dass Kulturen, die sich zu stark liberalisiert haben und ihre Demokratie nicht geschützt haben, von der Bildfläche verschwunden sind, da sich alle gesellschaftlichen Werte aufgelöst haben. Trotz der Aufklärung seit 300 Jahren haben wir als Gesellschaften und Einzelwesen dieser Erde nicht viel gelernt.

Generalverdacht !

Wenn dann nun alle Bürger unter Generalverdacht gestellt werden, sollte im Gegenzug auch die Belegschaft unter Generalverdacht gestellt werden und eine transparente Kontrolle deren Tätigkeiten geschaffen werden. Ebenso die telefonische Erreichbarkeit , 3 Tage alle 5 Min. Anrufen und niemand geht ran ! Auch die Bearbeitung mancher Sachen ist für einen normal Bürger oft nicht nachvollziehbar.Terminvergabe, ja eine Möglichkeit, diese sollten aber auch in dringenden Fällen kurzfristig möglich sein, es gibt Sachen die eben nicht viel Aufschub erlauben. Ich hoffe und wünsche mir im Namen aller Bürger das sich die Lage wieder entspannt und ein Freie Rathaus möglich ist, denn immerhin ist es das Haupthaus aller Bürger die dort vertreten werden.

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