Bei Akkubränden müssen Einsatzkräfte besondere Gefahren im Blick haben
E-Mobilität fordert Feuerwehr heraus

Herford (WB). E-Autos, E-Bikes und seit einiger Zeit auch vermehrt E-Roller: Die Elektromobilität nimmt im Kreis Herford Fahrt auf. Eine Entwicklung, die die Feuerwehren vor neue Herausforderungen stellt.

Sonntag, 04.08.2019, 08:00 Uhr
Wo Akkus, Sicherungen und Kabel in Elektroautos installiert sind, zeigen Sicherheitsblätter, die Michael Stiegelmeier und seine Einsatzkräfte bei Bedarf vor Ort online aufrufen können. Brände können auch bereits durch kleinere Akkus ausgelöst werden – rechts der Stromspeicher eines Notebooks. Foto: Peter Schelberg

Wenn ein E-Fahrzeug in Brand gerät, können sich bei den weit verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus Temperaturen von 1000 bis 2000 Grad Celsius entwickeln: »Wenn sie beispielsweise beim Laden überhitzen – kritisch wird es ab 65 Grad –, kommt es zum ›thermal runaway‹. Der Akku kann sich entzünden und explodieren«, erläutert Feuerwehr-Chef Michael Stiegelmeier.

E-Bike aufgeladen – Kellerbrand

Erst vor kurzem musste die Feuerwehr zu einem Kellerbrand ausrücken, der offenbar beim Laden eines E-Bikes entstanden war: »Als unsere Kollegen dort ankamen, dachten sie zuerst, dort würden Schrotpatronen explodieren«, berichtet Stiegelmeier. »Tatsächlich waren es aber die kleinen Zellen des Akkus, die nacheinander in die Luft flogen.«

Gerade im Hochsommer sieht er die Gefahr, dass bei E-Bikes der Stromspeicher in Flammen aufgeht – etwa, wenn er bei hoher Außentemperatur in der prallen Sonne geladen wird. Zwar schalteten intelligente Ladegeräte in der Regel zuvor ab, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Bei Handys und Notebooks würden auch oft billige Ersatz-Ladegeräte verwendet, die Sicherheitsnormen nicht erfüllen und einen Akkubrand auslösen könnten.

»Mit Elektroautos haben wir bislang im Stadtgebiet oder auf der Autobahn zum Glück noch keine Probleme gehabt«, zieht Stiegelmeier eine positive Bilanz. »Als die ersten Fahrzeuge auf den Markt kamen, haben wir uns sofort bei einem örtlichen Händler über Technik und Sicherheitseinrichtungen informiert. Schließlich war das auch für uns Neuland.«

Gefährlich hohe Spannung im Bordnetz

Rückt die Feuerwehr zu einem Unfall oder Brand aus, an dem ein E-Auto beteiligt ist, muss sie einige Besonderheiten berücksichtigen – die hohen Spannungen beispielsweise: »Da reden wir von 300 bis 600 Volt – das kann gefährlich werden.« Stromführende Teile oder Kabel dürfen nicht berührt, Verbindungen zwischen Akkus und Bordverkabelung müssen rasch gekappt werden.

Wie bei anderen Autobränden auch, können gefährliche Gase entstehen – und durch chemische Prozesse zudem die extrem aggressive Flusssäure: »Die geht durch die Haut und löst Knochen auf«, sagt Stiegelmeier: »Schon eine handtellergroße Kontamination mit Flusssäure kann zum Tod führen.«

Sicherheitsblatt beim Einsatz online verfügbar

Klar, dass die Einsatzkräfte bei E-Auto-Bränden Schutzausrüstung nutzen. Neuerdings können sie über die Leitstelle mit Hilfe des Auto-Kennzeichens ein Sicherheitsblatt am Tablet-Computer aufrufen. Das informiert darüber, wo im Fahrzeug Akkus, Hauptschalter und Sicherungen verbaut sind und wo der Strom im Notfall abgeschaltet werden kann.

Darüber hinaus schult die Feuerwehr ihre Mitarbeiter im Wachunterricht und Einsatzleiter mit Spezialseminaren. Stiegelmeier: »Wir sind auch auf Brände von Elektrofahrzeugen vorbereitet und wissen, waswir tun müssen.«

Wenn der Akku überhitzt

Die Zulassungszahlen von Autos mit Elektroantrieb sind im Kreis Herford von 37 im Jahr 2013 auf 532 bis Ende Juli 2019 gestiegen. Bei Hybridantrieb wuchs die Zahl im selben Zeitraum von 211 auf 1.359 Fahrzeuge.

Gefährlich werden kann es, wenn die Isolierschicht in Akkus beschädigt wird und ein Kurzschluss einen Brand auslöst: Dazu kann es bei Unfällen mit E-Autos kommen, aber auch, wenn ein E-Bike gerammt wird oder der Fahrrad-Akku auf harten Untergrund fällt: »Dann muss geprüft werden, ob er beschädigt ist – im Zweifelsfall sollte der Akku entsorgt werden«, rät Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier. Genaue Informationen seien der Betriebsanleitung des E-Bikes zu entnehmen.

Beim Brand eines E-Autos müssten überhitzte Akkus heruntergekühlt werden. Feuerwehren haben in solchen Fällen das brennende E-Auto in eine mit Wasser geflutete 40-Kubikmeter-Mulde getaucht.

»Wir müssten für einen solchen Einsatz eine Mulde von einem Entsorger und einen Kran organisieren«, erläutert Stiegelmeier. Inzwischen gebe es allerdings auch Löschmittel mit besonderer Kühlwirkung: »Die Versuche auf Feuerwehrverbandsebene laufen.«

 

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