»Wie es war«: Michael Girke (56) veröffentlicht Platte – großes Medienecho
Der Sommer der Liebe ist vorbei

Herford (WB). Als Michael Girke vor zwei Jahren mit alten Liedern an die Öffentlichkeit trat, feierten ihn die Kritiker. Jetzt hat der Herforder beim Label Tapete Records mit neuen Aufnahmen nachgelegt – und das überregionale Medienecho ist erneut groß.

Samstag, 03.08.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 17:10 Uhr
Viel Arbeit liegt hinter ihm, doch wirklich entspannen kann Michael Girke derzeit nur selten. Das Interesse an seiner Platte ist groß und einige Termine für Konzerte stehen schon fest. Auch ein Auftritt in Herford ist in Planung. Erschienen sind Platte und CD bei Tapete Records. Foto: Hartmut Horstmann

Herforder kennen Michael Girke nicht zuletzt als Philosophen, der in Museumsrunden zum Diskurs einlädt. Als Musiker ist er in jüngerer Zeit kaum in Erscheinung getreten – was nicht verwundert, denn die musikalische Sturm-und-Drang-Zeit des 56-Jährigen liegt lange zurück.

Sie führt zurück nach Bad Salzuflen, wo Michael Girke in den 80er Jahren zum Umfeld der späteren Hamburger Schule gehörte. Die Band Blumfeld hat sogar ein Lied von ihm aufgenommen.

Gegen Musikerlaufbahn

Doch Michael Girke verabschiedete sich vom Musizieren, zog nach Berlin und studierte Literaturwissenschaft. Vor zwei Jahren dann die Veröffentlichung alter Lieder aus den Jahren von 1984 bis 1988 – ein euphorisierter Kritiker verglich das Songwriting sogar mit dem von Rio Reiser.

Was lag also näher, den Sog zu nutzen und neue Songs unters Volk zu bringen? Während sich Michael Girke seinerzeit explizit gegen eine Musikerlaufbahn aussprach, äußert er sich heute immer noch verhalten. Gerne bedient er sich in seinen Erklärungen des Understatements.

Ja, er habe neue Lieder geschrieben, sagt der 56-Jährige – und eines davon habe er an das Label eines Bekannten geschickt. Er habe aber wirklich nur eine Beurteilung haben wollen, fügt der Herforder sofort hinzu.

Wie die Jungfrau zum Kinde

Eher scheint die Jungfrau zum Kinde zu kommen als Michael Girke zur Schallplatte. Doch irgendwann war es so weit und der 56-Jährige ging mit dem Produzenten Thomas Wenzel (Die Sterne) ins Studio, um zwölf Songs einzuspielen. Eine feste Band gibt es zwar nicht, doch immerhin in Anlehnung an die alte Band einen Namen: »Jetzt!«.

Das längste Stück »Wie es war«, das auch dem Album den Titel gibt, handelt vom Aufwachsen in Herford, von dem Radio, das immer lief, von den Blümchentapeten der elterlichen Wohnung. Er habe in den vergangenen Jahren viel autobiographische Literatur gelesen, sagt der Künstler. Entsprechend sieht er seine Platte als eine Lebensgeschichte in Liedern.

»Vor Glück geweint«

Einen großen Raum nimmt die Liebe ein. »Alles ist wie immer /nur man selbst lebt im Nichts / so sieht es aus / wenn das Herz bricht«: Die Liebe erscheint in den Texten oft als ein Gefühl, etwas Vergangenes, das schmerzhaft nachwirkt. Des Texters »Sommer der Liebe« sei vorbei, erfährt der Hörer – aber auch, dass das gemeinsame Glück im besten Fall keine Grenzen kennt: »Eins und eins ist unendlich viel.«

Gleichwohl ist Michael Girke kein Mann des klassischen Rock-Liebessongs. Er wolle »nicht einen auf jung machen«, sondern sich dem Thema aus der Sicht eines 56-Jährigen nähern, betont er. Also altersgemäß und das bedeutet für ihn: Keine Plattitüden, auch kein Liebessturm, sondern eher Nachbetrachtung und nüchterne Beziehungsarbeit zwischen Kennenlernen und Auseinandergehen.

Keine Frauennamen, ein heiß geliebtes Du im Hier und Jetzt kommt vergleichsweise selten vor – doch im letzten Lied wagt auch Michael Girke den Sprung ins gegenwärtige Wohlgefühl: »Erst gestern um diese Zeit / habe ich vor Glück geweint.«

Aus dem Geist des Folk

Seine Musik kommt aus dem Geist des Folk. Nicht zufällig tauchen in einem Song die Namen Bob Dylan und Leonard Cohen auf – als Seelenretter, die Jugendliche den tristen Kleinstadtalltag überstehen ließen. Entsprechend karg und unspektakulär fällt die Instrumentierung aus. Mit dem Selbstverständnis eines Liedermachers setzt Girke auf den bloßen Song und seine Aussage.

Einige berührende Momente enthält die Platte. In dem Lied »Der Mann, den ich nicht fassen kann« versucht sich der 56-Jährige seinem Vater anzunähern. Wie beim Thema Liebe auch hier Aufarbeitung, das Bemühen, die Distanz zu verstehen.

Doch wie geht es weiter? Selbst wenn Michael Girke heimlich vom Spätruhm träumen würde, bewahrt er nach außen hin doch die Haltung des Beiläufigen. Die Lieder seien ja okay und dann könne er auch an die Öffentlichkeit gehen – sprich Konzerte geben.

Einige Termine stehen schon fest. So stellt der Musiker seine Platte am 13. September in Bielefeld (Cutie) vor. Und in der Berliner Volksbühne (Roter Salon) ist er am 20. September zu Gast. Wann er in seiner Heimatstadt Herford auftritt, ist allerdings noch unklar.

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