CDU-Politiker Herbert Reul weiht umgebaute Polizeiwache in Herford ein In der Zelle mit dem Minister

Herford (WB). Endlich mal ein OWL-Termin ohne das Thema Lügde, wird sich Herbert Reul denken. Dementsprechend gut ist die Laune des NRW-Innenministers, als er die neue Polizeiwache in Herford offiziell einweiht.

Von Moritz Winde
Wie sitzt es sich auf der Liege der Gewahrsamszelle? Herbert Reul macht den Test. SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück und Landrat Jürgen Müller schauen zu.
Wie sitzt es sich auf der Liege der Gewahrsamszelle? Herbert Reul macht den Test. SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück und Landrat Jürgen Müller schauen zu. Foto: Moritz Winde

Das für knapp zwei Millionen Euro umgebaute Gebäude an der Hansastraße ist zwar schon seit Monaten in Betrieb, doch der oberste Dienstherr aus Düsseldorf hatte noch keine Gelegenheit, vorbeizuschauen.

Jeder wird mit Handschlag begrüßt

Am Montag war es soweit: Reul rollt um 10.30 Uhr – und damit fast pünktlich – in einer schwarzen Limousine auf den Behördenparkplatz, den Uniformierte mit Pylonen für die Allgemeinheit abgesperrt haben. Während der mehrjährigen Umbauphase mussten die Streifenpolizisten an die Elverdisser Straße umziehen. »Eine Zumutung die Zustände dort. Danke für Ihre Geduld«, ruft Landrat Jürgen Müller den Beamten zu.

Grauer Anzug (das Jackett lässt er geöffnet), rosafarbene Krawatte, dazu ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen: Um Reul herum beziehen Personenschützer Stellung. Der CDU-Politiker zeigt klare Kante gegen Clankriminalität, Kindesmissbrauch und Hochzeitskorsos – und erhält dafür nicht von allen Applaus.

»Schick habt ihr es hier«, sagt er beim Betreten des Foyers. Die Blicke der etwa 40 Gäste aus Politik, Verwaltung und – na klar – von der Polizei sind auf den 66-Jährigen gerichtet.

Bevor er zum Mikrofon geht, schlängelt er sich durch die Reihen, um jedem die Hand zu reichen. Auch die 21 Polizeischüler, die auf der Innentreppe aufgereiht wie Orgelpfeifen stehen, vergisst der prominente Besucher nicht. »So viel Zeit muss sein«, findet der Minister, dem die Uhr schon wieder im Nacken sitzt.

»Gleich geht’s weiter nach Münster zur Deutschen Hochschule der Polizei. Bis zum späten Abend hat er Verpflichtungen«, sagt ein Kölner Journalist, der den Christdemokraten für eine Reportage den ganzen Tag begleitet.

»Es geht nicht hopplahopp und simsalabim«

»Wenn Ratten durchs Gebäude laufen und die Wände voller Schimmel sind, dann ist Schluss mit lustig!«, sagt Herbert Reul und meint damit die vielen heruntergekommen, technisch veralteten und zu kleinen Reviere in NRW. Eine Milliarde habe das Land für die Modernisierung der Gebäude bereitgestellt. »Es ist aber klar, dass diese Mittel nicht reichen werden.«

Und trotzdem sei es ein Anfang, genau wie die jährlich 2500 neuen Azubis. Viel zu lange habe man sich nicht um die Polizei gekümmert. Unter Reuls Regie – er hat seit 2017 das Sagen – ist das anders. Er hat das Thema zur Chefsache gemacht, bremst aber die Erwartungen: »Wir müssen nicht glauben, dass wir alles – hopplahopp, simsalabim – auf einmal hinkriegen.« 1400 Liegenschaften seien nicht gerade im Bestzustand, von der Ausstattung der Beamten ganz zu schweigen.

Die Kreispolizei Herford gehört nicht mehr dazu. Davon kann sich Herbert Reul bei einem Rundgang selbst überzeugen. »Tipptopp«, konstatiert er. Schnell noch ein Stück Butterkuchen im Stehen, dann geht’s zum nächsten Termin.

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