Mädchen gibt sich als 16-Jährige aus – Verfahren gegen Löhner (22) eingestellt
Sex mit Zwölfjähriger bleibt straffrei

Herford (WB). »Eigentlich ist das doch was für Erwachsene«, wendet sich Richterin Tanja Schwöppe-Funk an die 14-jährige J. Als diese zwölf war, hatte sie über die Dating-App Tinder den 20-jährigen Löhner D. kennengelernt. Das Paar hatte regelmäßig Sex – bis Mutter und Stiefvater des Kindes aus Enger dahinterkamen und den Auszubildenden anzeigten.

Montag, 08.07.2019, 21:08 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 21:30 Uhr
Am Bahnhof Herford traf sich das Paar zum ersten Mal. In der Nähe soll es auch mehrfach zum Sex gekommen sein. Foto: Moritz Winde

Er musste sich am gestrigen Montag vor dem Amtsgericht Herford verantworten – wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Dem heute 22-Jährigen drohte eine Gefängnisstrafe. Umso erleichterter war er, als das Jugendschöffengericht das Verfahren gegen ihn einstellte, »wegen geringer Schuld«, wie Schwöppe-Funk erläuterte.

Glaubwürdigkeitsgutachten beantragt

Denn eigentlich hätte das Gericht ein Glaubwürdigkeitsgutachten über J. einholen müssen, weil ihre bisherigen Angaben und ihre Vorgeschichte erhebliche Fragen aufwarfen. Verteidiger Jan Hochmann (Bielefeld) hatte das Gutachten zu Prozessbeginn beantragt. »Bis wir hier zu einem Ergebnis kommen, kann es bis zu einem Jahr dauern«, begründete die Vorsitzende Richterin die Verfahrenseinstellung. Der angeklagte Löhner muss als Auflage jetzt 600 Euro an das Herforder Mädchenhaus Femina Vita zahlen sowie die Kosten für seinen Anwalt tragen. Auch Staatsanwältin Beatrice Schäfers stimmte diesem schnellen Prozessende zu.

Sie hatte dem Löhner zuvor mit der Anklage drei Fälle von Geschlechtsverkehr mit einem damals zwölfjährigen Kind vorgeworfen: an zwei Tagen im Februar 2018 in einem Parkhaus am Herforder Bahnhof sowie unter einer nahen Brücke, nachdem beide zuvor Marihuana geraucht hatten.

Erstes Treffen in Herford

Das ungleiche Paar hatte sich im Herbst 2017 über die Dating-App kennengelernt, war nach eigenem Bekunden seit dem 8. November 2017 ein Paar. Nach etwa zwei Wochen Online- und Telefonkontakt hatten sie sich erstmalig am Bahnhof in Herford getroffen. Schon kurz darauf – möglicherweise schon an selben Tag – sollen sie bei dem Angeklagten D., der als Auszubildender bei seinen Eltern in Löhne wohnt, einvernehmlich Sex gehabt haben, danach regelmäßig immer wieder.

J. hatte stets angegeben, 16 Jahre alt zu sein. Kurz vor Weihnachten soll sie ihrem Freund dann aber gestanden haben, dass dies nicht stimme. Der will von ihrem wahren Alter zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts gewusst haben, gab er an. An ihrer Beziehung und ihrem Sexleben änderte sich zunächst offenbar nichts – bis die Eltern des Mädchens im Januar 2018 Anzeige erstatteten. Spätestens jetzt wusste D., dass seine Freundin noch ein Kind war. Entsprechend waren nur Taten nach diesem Datum angeklagt.

Hinweise auf eine Borderlinestörung

In Online-Chats ausgetauschte Nachrichten legen allerdings andere Vermutungen nahe: »Was wäre, wenn du in eine Wohngruppe gehst, bis du 16 bist?«, hatte der Angeklagte seiner Freundin schon vorher geschrieben. Die hatte offenbar erhebliche Probleme. Sie war bereits einmal von zu Hause weggelaufen, bis mit einer Vermisstenanzeige nach ihr gefahndet wurde. In der Anklage ist von Hinweisen auf eine Borderlinestörung die Rede. Sie soll mit angeblichen Schwangerschaften und Sexualpraktiken in der Schule geprahlt haben. Das Jugendamt war eingeschaltet, sie selbst befand sich in psychiatrischer Behandlung. Mittlerweile lebt sie mit Mutter und Stiefvater in Brandenburg.

»Das hat sich alles so entwickelt«, sagte die 14-Jährige mit Blick auf die Beziehung zu D. kleinlaut vor Gericht. Laut ihrem Bekunden soll es Liebe gewesen sein. Beide würdigten sich im Gerichtssaal keines Blickes.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6761986?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Argentinien und die Fußball-Welt trauern um Diego Maradona
Verstarb im Alter von 60 Jahren: Diego Maradona.
Nachrichten-Ticker