Trockenheit lässt Bäume im Stuckenberg absterben – Revierförster Carsten Bölts besorgt
»So schlimm war es noch nie«

Herford (WB). »Wäre ich Börsenmakler, würde ich vom Bankrott der Wälder sprechen.« Trockenheit, Sturm, Borkenkäferplage – Carsten Bölts ist in großer Sorge. Seit 30 Jahren ist er Förster, aber so etwas habe er noch nie erlebt. Sein Revier, der Stuckenberg, werde sich dauerhaft verändern.

Freitag, 05.07.2019, 06:29 Uhr

»Seit dem Sturm Friederike am 18. Januar 2018 sind wir eigentlich dauerhaft im Katastropheneinsatz«, sagt der 54-Jährige. Und jetzt schon wieder ein heißer Sommer mit bislang viel zu wenig Regen. »Das macht den Bäumen zu schaffen.« Im Extremfall – aber das habe es noch nie gegeben – könnte deswegen für den 200 Hektar großen Staatsforst im Stuckenberg ein Betretungsverbot ausgesprochen werden.

Nicht um die Waldbrandgefahr zu reduzieren , sondern wegen herabfallender Äste. »Wir haben hier vor allem Buchen- und Eichenbestände. Wenn die vertrocknen, geschieht so etwas ganz plötzlich. Da braucht es keinen Wind.« Der Zustand von Herfords grüner Lunge sei kritisch. »Wir haben schon damit gerechnet, dass sich durch den Klimawandel etwas verändern wird, aber nicht, dass das so schnell geht«, klagt Bölts. »Ich werde oft gefragt, warum wir im Stuckenberg so viel Bäume fällen, aber das ist alles Sturm- und Kalamitätsholz.«

Alte Buchen vertrocknen

Ein großes Problem: Aufgrund der Trockenheit können sich die Fichten – sie machen etwa 20 Prozent des Baumbestandes im Herforder Nordosten aus – nicht mehr gegen die Borkenkäfer wehren. »Eigentlich verharzen die Bäumen die Larvengänge unter der Rinde. Dazu fehlt ihnen aber jetzt das Wasser.« Sein Fazit: »So schlimm war es noch nie, noch nicht einmal zur Hochzeit des Sauren Regens in den 80er Jahren.« Langfristig würden die Fichten wohl ganz verschwinden. »Bei diesen Bäumen ist das aber eher eine ökonomische als ökologische Katastrophe.« Die Preise für den Hauptholzlieferanten seien wegen des Überangebotes um die Hälfte gesunken.

Weitaus bedeutender für das Ökosystem Stuckenberg seien die Buchen und Eichen, auch als Lebensraum für Tiere. Auf den flachgründigen Kalkböden hätten sie schnell Wasserprobleme. »Gerade alte Buchen, die mehr als 120 Jahre alt sind, sterben jetzt verstärkt ab. Die vertrocknen regelrecht. Das fällt nur nicht so auf, weil sie vereinzelt stehen.« Was könnte helfen? »Wir brauchen Regen, Regen, Regen. Denn wir können ja nicht den Wald bewässern.« Langfristig sei das Ziel, den Stuckenberg in einen stabilen Laubholz-Mischwald zu verwandeln.

Waldbrandgefahr

»Dieser Wald wird sich auf jeden Fall verändern«, sagt Bölts. Mit jedem trockenen Tag mehr steige auch die Waldbrandgefahr. Die gehört mittlerweile zum Sommer dazu: »Im Bereich unseres Forstamtes gab es bislang zwei bis drei Brände pro Jahr, im vergangenen Jahr waren es neun.« Dirk Kreienmeier vom auch für den Herforder Staatswald zuständigen Forstamt Hochstift pflichtet Bölts bei: »Wir erleben gerade einen grünen Aktiencrash, viele alte Bäume gehen kaputt« Aber es gebe auch Lichtblicke: »Ich war vor wenigen Tagen in einem Wald bei Petershagen, einem sehr feuchten Standort. Die Kiefern und unterständigen Eichen standen voll im Saft. Das war eine richtig grüne Oase.« Mittlerweile eine Ausnahme.

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