21-jähriger Intensivtäter aus Löhne muss sieben Jahre ins Gefängnis
Diamantendieb im Gericht verhaftet

Herford/Löhne (WB). Es spielten sich tumultartige Szenen in Saal 309 des Herforder Amtsgerichts ab: Als der Angeklagte das Strafmaß hört – er soll sieben Jahre ins Gefängnis –, stürmt er los. Doch sein Fluchtversuch scheitert.

Donnerstag, 04.07.2019, 05:05 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 05:10 Uhr
Der verurteilte 21-Jährige versuchte, aus dem Gericht zu fliehen. Jetzt sitzt er im Jugendgefängnis. Foto: Moritz Winde

Kurz bevor der 21-Jährige den Flur erreicht, öffnet sich die Tür – und herein kommen acht Polizisten. »In einer Sitzungspause habe ich vorsorglich bei der Polizei um Unterstützung der Wachtmeister gebeten. Mir war klar, dass sich der Angeklagte nicht ohne Gegenwehr würde festnehmen lassen«, erklärt Amtsrichterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk.

Als im Jahr 2015 ein Haftbefehl gegen den Löhner vollstreckt werden sollte, habe sogar das SEK anrücken müssen. Die Herforder Polizei wurde mit dem äußerst renitenten Jugendlichen nicht alleine fertig. Damals habe er die Spezialeinsatzkräfte mit Pfefferspray attackiert und sei anschließend in einen Tümpel gesprungen.

Im Herforder Gerichtssaal gibt der junge Mann vor, ihm sei schlecht geworden und er sei lediglich auf dem Weg zur Toilette gewesen. Die uniformierten und zivilen Beamten lassen dies auf Anordnung des Gerichts aber nicht zu. Sie bauen sich vor dem Löhner auf und führen ihn zurück zur Anklagebank – allerdings nicht ohne ihm zuvor einen Mülleimer zu reichen. Übergeben muss er sich dann aber doch nicht.

Angeklagter schweigt

Er muss sich allerdings anhören, weshalb er für so lange Zeit hinter Gitter soll. Sieben Jahre Haft werden vom Jugendschöffengericht äußerst selten verhängt. Ziel ist es nämlich eigentlich, nicht mit Strafen, sondern vor allem mit erzieherischen Mitteln auf jugendliche Straftäter einzuwirken.

Doch bei dem 21-Jährigen scheinen Sozialstunden und gute Worte nichts zu bringen. Wegen Einbruchsdiebstahls wurde er bereits 2016 sogar zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Damals war er in Häuser eingebrochen und hatte Umkleidespinde in Freibädern aufgebrochen. Er kam vorzeitig auf freien Fuß, allerdings auf Bewährung.

Statt sich eine ordentliche Arbeit zu suchen, setzte der Intensivtäter seine kriminelle Karriere fort. Er brach in ein Einfamilienhaus in Bad Oeynhausen ein, klaute einen 16.000 Euro teuren Diamanten in Bayern, ließ ein Armband im Wert von 2500 Euro in Koblenz mitgehen und hatte seine Finger bei einer Geldwäsche im Spiel.

Vor Gericht hüllte er sich in Schweigen. »Es gab nichts, was ihm strafmildernd zugute kam«, sagt die Richterin. Der Verteidiger hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt, gegen den Haftbefehl jedoch nicht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6746792?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Ahlers baut 80 Arbeitsplätze ab
Ahlers-Firmenzentrale in Herford
Nachrichten-Ticker