Herforder Schüler stoppen Temposünder – Anwohner: »Hier wird gerast ohne Ende«
»Fahrt langsam, bitte«

Herford (WB). Die Schule ist nicht weit und auch die Kita ist gleich um die Ecke: Gerast wird trotzdem. Weil die Kinder das nicht in Ordnung finden, haben sie am Dienstag die Temposünder zur Rede gestellt.

Mittwoch, 03.07.2019, 07:07 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 14:44 Uhr
Halt, Polizei: Die neunjährige Marie darf sich an der Laserpistole probieren. Die Kommissare Ulrich Braun (links) und Andreas Liedtke erklären der Viertklässlerin, wie’s funktioniert. Foto: Moritz Winde

8 Uhr am Hellerweg: Statt im Klassenraum der 4c zu büffeln, findet der Unterricht an diesem Morgen auf der verkehrsberuhigten Straße statt. »Der könnte zu schnell unterwegs sein«, glaubt Ulrich Braun und deutet damit auf einen rosafarbenen Kleinwagen, der in einiger Entfernung den Berg heruntergeflitzt kommt.

An der Seite des Hauptkommissars trippeln die zehn Falk-Grundschüler aufgeregt von einem aufs andere Bein. Die Mädchen und Jungen unterstützen den Verkehrsdienst.

Ulrich Braun visiert das Auto an und drückt auf den Auslöser. Zack! Die Ahnung des erfahrenen Schutzmanns stimmte. 44 Kilometer pro Stunde zeigt das Display an. »Das ist ja viel zu schnell«, bemerkt Luis. Der Zehnjährige nestelt an seiner Tasche und zieht eine der selbst gebastelten Zitronen heraus. Das saure Obst verteilen die Hilfssheriffs an die Raser.

Der Wagen wird rechts rangewunken. Die junge Fahrerin lässt das Fenster herunter. Ihr Gesichtsausdruck verrät: Sie hat ein schlechtes Gewissen, als Luis ihr die Papp-Frucht ins Innere reicht. »Ich war in Gedanken und habe laut Musik gehört«, versucht sich die 24-Jährige zu rechtfertigen.

Zitrone statt Knöllchen

Die Aktion »Blitz für Kids« findet sie super. »Wenn bei einer Verkehrskontrolle plötzlich Kinder vor einem stehen, sind die Schuldgefühle gleich doppelt so groß. Weil ich ja genau weiß, dass ich einen Fehler begangen habe.« Ums Knöllchen kommt sie wie alle anderen ausnahmsweise herum.

Ulrich Braun erklärt, wie gefährlich die Raserei ist. »Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass dort, wo man bei einer Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h bereits zum Stehen kommt, beginnt man bei Tempo 50 erst zu bremsen.« Und: »Bei 65 km/h sterben acht von zehn Fußgängern, die mit einem Auto kollidieren – während bei 50 km/h acht von zehn Fußgängern überleben.«

Werner Witzel beobachtet die Kontrollen mit Wohlwollen. Der Anwohner sagt: »Im Hellerweg wird gerast ohne Ende. Gerade an Wochenenden brettern die Spezialisten hier mit ihren aufgemotzten Autos locker mit 80/90 km/h runter. Es sollte öfter geblitzt werden. Oder muss erst etwas Schlimmes passieren?«

Übrigens: Wer sich an die vorgeschriebenen Tempo 30 hält, bekommt eine Rose. Auch davon gibt es am Dienstag jede Menge.

Diese zehn Herforder Falk-Grundschüler haben die Polizei bei der Aktion »Blitz für Kids« am Dienstagmorgen unterstützt.

Diese zehn Herforder Falk-Grundschüler haben die Polizei bei der Aktion »Blitz für Kids« am Dienstagmorgen unterstützt. Foto: Moritz Winde

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