Kreissynode tagt: Delegierte befürworten Abendmahl vor der Konfirmation
Homosexuelle: Trauung statt Segnung

Herford (WB). Soll die bisherige »öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare« im Gottesdienst künftig »Trauung« genannt werden? Diese Frage beantwortete die Kreissynode am Wochenende mit deutlichen Mehrheit mit Ja.

Montag, 01.07.2019, 08:00 Uhr
Zwei Männer stehen bei ihrer Trauung in der Marienkirche in Berlin vor dem Altar – nach Angaben der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die erste gleichgeschlechtliche Trauung der Landeskirche. Auch die Landessynode in Bielefeld diskutiert dieses Thema. In Herford stimmten die Delegierten am Freitag für eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Foto: Wolfram Knastl/dpa

Die Anwesenden votierten mit 93 Ja-Stimmen und 18 Nein-Stimmen für diese Begriffsänderung und damit auch dafür, die Ehe homosexueller Paare auch aus kirchlicher Sicht mit der von Mann und Frau gleichzustellen. Die Leitung der Evangelischen Kirche von Westfalen hatte im Vorfeld der Landessynode im November die Kreissynoden um Stellungnahmen gebeten.

Rege Diskussion

Die vorgeschlagene Kirchenrechtsänderung würde bedeuten, dass allen Paare, die nach deutschem Recht eine Ehe eingegangen sind, eine kirchliche Trauung angeboten wird. Unterschiede hinsichtlich der Gleich- oder Verschiedenge­schlechtlichkeit bestünden nicht mehr; ferner wären auch Trauungen für Ehepaare möglich, bei denen ein Teil nicht (mehr) Mitglied der Kirche ist.

Der Entscheidung war eine angeregte Diskussion vorausgegangen. Wie weit kann eine solche Gleichstellung biblisch belegt werden, war eine der Fragen, die von den Gemeinden durchaus unterschiedlich beantwortet wurde. Wie sehr solle sich die Kirche dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, muss sie nicht ihre Werte verteidigen? Oder sollte sie versuchen, den Wandel mitzugestalten, um den Anschluss an die Menschen nicht zu verlieren?

Abendmahl für Kinder

Weitere Stellungnahmen mussten die Gemeinden unter anderem zum Thema Abendmahl und zur Hauptvorlage Kirche und Migration abgeben. Mit großer Mehrheit sprachen sich die Delegierten dafür aus, dass Getaufte auch vor der Konfirmation schon zum Abendmahl eingeladen werden können. Kritiker befürchten, dass das Verständnis für das Abendmahl dann noch nicht ausreiche.

In Bezug auf das Thema Migration ist das ehrenamtliche Engagement groß: »20 der 25 Gemeinden haben sich der Herausforderung mit unheimlich viel Engagement gestellt«, sagte Pfarrer Holger Kasfeld. Unter anderem nannte er die Suche nach Ausbildungsplätzen, die Hilfe beim Spracherwerb und die Integration durch Mitwirken im Gemeindeleben. Superintendent Michael Krause lobte im Anschluss die gute Diskussionskultur: »Wir haben intensiv diskutiert und auch andere Meinungen hatten ihren Raum.«

Religiöse Indifferenz

Krause hatte zu Beginn der Synode in seinem Jahresbericht zu der »religiösen Indifferenz« Stellung genommen, die heute herrsche, und die Bedeutung der Ortsgemeinden für die Glaubensvermittlung hervorgehoben. Es sei kein aggressiver Atheismus, eher das Empfinden, »dass es sich ohne Gott auch ganz gut und anständig leben lässt«. Diese Menschen hätten eigene Lebensentwürfe, die nun eben nicht religiös bestimmt seien, erklärte Krause. »Sind wir neugierig darauf, diese Menschen kennenzulernen, zu entdecken, wie sie geprägt sind?«, fragte er.

Seine Sorge ist, dass die Gemeinden angesichts diverser Verwaltungsaufgaben den Blick nicht frei hätten »für die Lage, die sich längst verändert« habe. Es bestehe die Gefahr, dass die Gottesdienste in ihrem jetzigen Gewand für Kirchenfernere »als nicht relevant empfunden« werden.

Priestertum aller

In der Nachfolge der Reformatoren gelte es jedoch, immer wieder zu überprüfen, ob das Menschengemachte zur Verkündigung des Evangeliums noch tauge. Es komme darauf an, die Alltagsrelevanz des Glaubens zu vermitteln betonte er. »Wir müssen uns die alte Erkenntnis vom Priestertum aller neu aneignen und lernen, uns gegenseitig vom Glauben zu erzählen«, appellierte er an die Synodalen. Und das sei am besten auf der Ebene der Ortsgemeinden, zum Beispiel in enger Zusammenarbeit mit den Kitas möglich.

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