Ärger in Herforder Sozialhäusern: Eigentümer hat offenbar monatelang nicht bezahlt
60 Mietern soll das Wasser abgestellt werden

Herford (WB). Schock für die etwa 60 Lindwurm-Bewohner: In fünf Tagen könnten sie auf dem Trockenen sitzen. Die Stadtwerke Herford wollen das Trinkwasser abdrehen, weil der Eigentümer der Sozialhäuser an der Berliner Straße seit Monaten nicht gezahlt hat.

Freitag, 28.06.2019, 06:06 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 06:10 Uhr
Die Mieter sind verärgert: (von links) Lena Önür, Torsten Wilke, Violetta Carna und Margarethe Friesen. Foto: Moritz Winde

Lena Önür staunte nicht schlecht, als am Mittwochmorgen der weiße DIN-A4-Zettel mit dem Stadtwerke-Logo an der Tür klebte. Darauf steht: »Wir teilen Ihnen mit, dass wir ab Mittwoch, 3. Juli, die Wasserversorgung sperren werden.«

Zunächst habe sie an eine vorübergehende Unterbrechung wegen handwerklicher Arbeiten gedacht. Als sie dann allerdings die Abteilung Mahnwesen rechts oben in der Ecke entdeckte, dämmerte ihr Böses.

Gesellschaft besitzt Immobilen in fünf Bundesländern

Die Mehrparteienhäuser liegen am Herforder Innenstadtring.

Die Mehrparteienhäuser liegen am Herforder Innenstadtring. Foto: Winde

Sie sei verärgert, enttäuscht und vor allem superwütend: »Ich gehe jeden Tag hart arbeiten, um meine Miete pünktlich bezahlen zu können. Und mein Vermieter hält es nicht für nötig, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wir können nichts dafür, müssen es aber ausbaden. Das ist eine Unverschämtheit!«

Eigentümer der vier stadtbildprägenden Häuser in der Herforder Innenstadt – betroffen sind die Nummern 42, 44, 46 und 48 – ist die Immobiliengesellschaft Altro Mondo aus dem Raum Hannover.

Das Unternehmen besitzt Wohnanlagen und Mehrfamilienhäuser in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. »Mehr als nur ein Wohnraum – ein Lebensgefühl«, lautet das Altro-Mondo-Motto. Und auf der Internetseite heißt es: »Wir möchten unseren Mietern vor allem ein schönes Zuhause zum Wohlfühlen bieten.«

Stadtwerke: Sperrandrohung der letzte Schritt

Über solche Versprechungen kann Torsten Wilke nur lachen. Der 42-Jährige bewohnt eine 40-Quadratmeter-Bleibe. Er sagt, es habe in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit dem Vermieter gegeben. Die drohende Wassersperre sei nur die Spitze des Eisbergs: »Es wäre unverantwortlich, sollten wir bei dieser Hitze tatsächlich kein Trinkwasser mehr bekommen. Hier wohnen viele Familien mit kleinen Kindern.«

Dieses Infoschreiben der Stadtwerke Herford hängt in den Eingängen der vier Häuser.

Dieses Infoschreiben der Stadtwerke Herford hängt in den Eingängen der vier Häuser. Foto: Moritz Winde

Stadtwerke-Sprecherin Christine Brinkmann bedauert die Angelegenheit. »Natürlich tun uns die Mieter leid, die unverschuldet in diese Situation gekommen sind. Deshalb informieren wir sie im Vorfeld. Vielleicht können sie den Eigentümer noch zur Zahlung bewegen.«

Zu dem konkreten Fall will sich Brinkmann zwar nicht weitergehend äußern, sie stellt aber klar, dass eine Sperrandrohung und die Einstellung der Lieferung der allerletzte Schritt sei. Zuvor gebe es schriftliche Mahnungen sowie persönliche Gespräche. »Wir müssen aber Schaden vom Unternehmen abwenden. Schließlich geht es nicht um kleine Beträge.«

Altro Mondo schrieb den Bewohnern von Haus Nummer 46 am Mittwoch per Mail, die ausstehenden Zahlungen seien veranlasst worden. Telefonisch war das schon mehrfach wegen ähnlicher Vorfälle in die Kritik geratene Unternehmen nicht zu erreichen.

 

Kommentare

Hermann  wrote: 29.06.2019 16:51
Naja, von "bösen" Kapitalisten schrieb Frank nicht. Hier handelt es sich um "Wortspielchen" von "HerforderPils", die den populistischen Schneeball befördern (sollen?).

Jedenfalls stellt der Wohnungsgeber "Altro Mondo" soziale Verantwortung und moralische Verpflichtung hinter kapitalistische Interessen zurück. Dies ist insofern offensichtlich.

Die von Ihnen benannte Gruppierung AfD mag eines Tages, wie Sie schrieben, Energie anbieten (ich denke nicht). Was sie jedenfalls nicht anbietet (und aller Voraussicht nach auch in absehbarer Zeit nicht wird), sind vernunfsbasierte und demokratisch tragfähige Lösungen.
HerforderPils  wrote: 29.06.2019 11:39
Mensch Frank, überleg doch mal . . .
. . . wer ist denn der böse Kapitalist in diesem Spielchen? Die Stadtwerke?
Vielleicht bietet die AFD ja demnächst auch flächendeckend Wasser, Strom und Gas an.
Armes deutsches Volk, quo vadis . . . ?
Frank  wrote: 29.06.2019 08:19
Mich wundert hier nichts mehr
Nicht wundert hier nichts mehr,
wirtschaftliche Interessen vor Menschenwürde.
Menschen das Wasser absperren die ihre Miete zahlen.
Um den Profit zu sichern ganz toll liebe Stadtwerke Herford.
Kapitalismus ist in dieser Zeit wohl das höchste Gut.
Da muss ich mich mal nach einem anderen Anbieter umschauen.
Vielleicht machen das noch ein paar Menschen mit.
Hermann  wrote: 28.06.2019 18:46
...unglaublich. Ist das ein "gesichertes menschenwürdiges Dasein"? Soetwas darf, trotz natürlich im privatrechtlichen Bereich liegender Gründe, in einem (gesunden) Sozialstaat nicht möglich sein! Formlos müsste hier (ganz automatisch) der Sozialleistungsträger handeln. Aber vielleicht verteilt die Tafel ja Wasserkanister...oder es regnet? Unglaublich!
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