Trauer um Schausteller-Urgestein Waldo Parpalioni (89) Er war ein Pionier der Kirmes

Herford (WB). Der bekannte Schausteller Waldo Parpalioni aus Enger ist am Montag im Alter von 89 Jahren gestorben. Trotz seines hohen Alters war er mit seinem Pferderennspiel »Kentucky Derby« noch regelmäßig auf Volksfesten aktiv – zuletzt bei der Mendener Pfingstkirmes.

Von Peter Schelberg
An seinem Spielgeschäft »Kentucky Derby« konnte Waldo Parpalioni immer wieder auch prominente Gäste begrüßen: Auch Comedian Matze Knop alias »Supa Richie« legte einen Zwischenstopp beim nostalgischen Pferderennen des bekannten und beliebten Schaustellers ein.
An seinem Spielgeschäft »Kentucky Derby« konnte Waldo Parpalioni immer wieder auch prominente Gäste begrüßen: Auch Comedian Matze Knop alias »Supa Richie« legte einen Zwischenstopp beim nostalgischen Pferderennen des bekannten und beliebten Schaustellers ein.

»Waldo hinterlässt eine große Lücke«, sagte sein Neffe Willi Parpalioni, 1. Vorsitzender des Mitteldeutschen Schaustellervereins von 1895 Herford: »Wir werden ihn vermissen.« Der 89-Jährige gehörte seit Jahrzehnten quasi zum festen Inventar bekannter Volksfeste und Kirmessen in ganz Nordrhein-Westfalen, aber auch in Niedersachsen und Hessen. Sein Tod sei für alle unerwartet, sagte Willi Parpalioni: »Eigentlich wollte Waldo noch am größten Schützenfest der Welt nach Hannover teilnehmen – aber nun ist es leider anders gekommen...«

Ehrenmitglied im Mitteldeutschen Schaustellerverein

Waldo Parpalioni war »Chefchronist« des Vereins und Experte für alle Fragen zur Geschichte seines Berufsstandes. Mehr als zwei Jahrzehnte war er Schriftführer, später wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt die goldene Ehrennadel des Deutschen Schaustellerbundes.

Den Rock’n’roll auf die Kirmes gebracht

»Er kannte alle Schausteller und hat mit seinem Bruder Manfred seit seiner Jugendzeit viele Volksfeste geprägt«, berichtete sein Neffe: »Die beiden waren einfach Kult – und sie haben den Rock’n’Roll mit ihren Fahrgeschäften ›St.-Moritz-Bahn‹ und ›Blue Hawaii‹ auf die Kirmes gebracht. Waldo Parpalioni gehörte zu einer Generation von Schaustellern, die alle Höhen und Tiefen unserer Branche mitgemacht haben. Sie waren die Pioniere der Volksfeste und haben mit ihrem Engagement und ihrer Freundlichkeit dazu beigetragen, dass diese heute einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft genießen.«

»Früher war mehr Romantik, heute ist mehr Hightech«

Ein wenig Wehmut schwang mit, wenn Waldo Parpalioni im vorgerückten Alter den Wandel auf dem »Rummel« beschrieb: »Früher war mehr Romantik, heute ist mehr Hightech«, fasste er die Entwicklung zusammen. Als er mit seinem Bruder in den 50-ern die Jugendlichen zur Fahrt in der St. Moritz-Bahn animierte, »kamen die Jungs noch im Sonntagsanzug mit Krawatte auf die Kirmes – und die Mädchen in Petticoats«. Trotz aller Veränderungen war Waldo Parpalioni davon überzeugt, dass der »Rummel« seine Anziehungskraft behalten wird: »Solange es Träume gibt, wird auch die Kirmes bestehen.«

Der Verstorbene hinterlässt seine Frau Margret und seine erwachsene Tochter Miriam, die das Geschäft fortführt. Die Beisetzung soll am Donnerstag, 27. Juni, um 12.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Enger erfolgen.

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