Briten in Herford: John und Terry Chambers beleben den Gallows Folk Club neu
Auf den Traualtar folgte der Galgen

Herford (WB). Vorne die Musiker, im Hintergrund der Galgen: Eine eindrucksvolle Kostprobe britischen Humors gaben einst die Veranstalter vom Gallows Folk Club. An die alten Zeiten knüpfen sie mit einem Konzert im Museum an.

Freitag, 07.06.2019, 06:23 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 06:26 Uhr
Erst traten sie vor den Traualtar, später dann ebenfalls gemeinsam unter den Galgen: An den früheren Gallows Folk Club erinnert ein Konzert am 11. Juli im Pöppelmann-Haus. Musiker von damals geben sich die Ehre. Foto: Hartmut Horstmann

Als 15-Jähriger zum Militär

»Briten in Westfalen« heißt die Ausstellung, die bis zum 14. Juli im Pöppelmann-Haus zu sehen ist. Einen großen Stellenwert nimmt die Musik ein, die die britischen Soldaten mit in die Region brachten. Und da einige der Akteure nach dem Abzug der Briten im Kreis Herford geblieben sind, bietet es sich im musikalischen Falle an, sie in einem Konzert zu Wort kommen zu lassen.

Eine wichtige Rolle spielt hier John Chambers, den das Soldatenleben zum Globetrotter hat werden lassen. In Derby geboren, ging er bereits als 15-Jähriger zum Militär. 1966 kam er erstmals nach Deutschland, begann in Weeze, später folgte Bünde. Weil der Weg nach Herford nicht weit war, lernte er den hiesigen Folk-Club in der Hammersmith-Kaserne kennen. »Der war in einem Dachgeschoss oberhalb der Poststelle«, erinnert sich der 75-Jährige.

Erheiterung über den Namen »Gallows«

Mit einer Gitarre in der Hand stellte sich John Chambers auf die Bühne und gab alte englische Folksongs und Selbstkomponiertes zum besten. Jeder habe etwa 15 Minuten Zeit für einen Auftritt gehabt, 30 bis 40 Leute – überwiegend vom Militär – hätten zugehört. Auch ein paar Deutsche seien darunter gewesen, so der ehemalige Soldat. Aber es sei eben schwierig gewesen, sie in die Kaserne zu bekommen.

Damals wirke John Chambers ausschließlich als Musiker mit. Dann standen neue Stationierungen in England an. Als er 1978 mit seiner Ehefrau Terry nach Herford kam, stellte er fest, dass der Club nicht mehr existierte. Aus dem Musiker wurde so auch ein Initiator und der Folk-Club erlebte eine neue Blütezeit.

Über den Namen Gallows erheitert sich John Chambers noch heute:, »Das heißt ja Galgen, das ist schwarzer englischer Humor.« Andererseits: Viele der Folk-Songs handeln vom Galgen. Galgenhumor mag nicht der größte aller Späße sein, aber er ist der letzte. Soviel steht fest.

Seit 2004 Ruhestand im Kreis Herford

Von 1978 bis 1981 blieb John Chambers in Herford und trat in dieser Zeit häufig vor den Galgen. Bis zu 100 Besucher seien zu manchen Konzerten gekommen, sagt Terry Chambers, die Frau fürs Leben und fürs Tambourin. Dann folgte der erneute Abschied aus Herford. Als der Folk-Club aus Sicherheitsgründen das Kasernengelände verlassen musste, ging seine Zeit allmählich zu Ende.

Doch für das Ehepaar Chambers war noch lange nicht Schluss mit Herford. Viele Freunde fanden sie hier. Als der Soldat 2004 in den Ruhestand trat, beschloss das Paar, in Deutschland zu leben. Zehn Jahre wohnten sie in Herford, später in Hiddenhausen, im Oktober 2018 bezogen sie eine Wohnung in Enger. Ein bewegtes Leben – und John Chambers sagt: »Ich hätte es nicht anders gewollt und würde es immer noch genau so machen.«

Konzert am 11. Juli

Was ihm in Herford fehlte, war die Live-Musik, die er mag. Folglich rief er die Reihe »Herford unplugged« ins Leben, die seit zehn Jahren im Pfennigskrug eine Bühne findet: »Jeden ersten Sonntag im Monat von 19 bis 22 Uhr. Wer will, kann kommen. Es ist eine offene Bühne.«

Unter dem Titel »Gallows Folk Club Reloaded« gibt das Ehepaar am 11. Juli mit alten Weggefährten im Museum ein Konzert. Es beginnt um 19 Uhr. Als Gäste wirken Lea Moses sowie die Bands Tradewind und Another Train mit.

Kommentar

Musik, Kneipen, die es nicht mehr gibt, der Stiftberg als Sperrbezirk, die allmähliche Annäherung von Bevölkerung und britischen Soldaten: Herforder, die die Briten bis zu ihrem Abzug erlebt haben, verbinden damit lebhafte Erinnerungen. Viele Spuren – nicht zuletzt die Britensiedlungen – bleiben. Überlegungen, die Geschichte für spätere Generationen dauerhaft abzubilden, sind unbedingt zu unterstützen. Nicht zu vergessen ist, dass die Briten als Befreier kamen. Für eine Ausstellung sollte sich in Herford ein Platz finden lassen. Hartmut Horstmann

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6672073?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Früherer NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement tot
Wolfgang Clement starb am Sonntagmorgen in Bonn. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker