300 Gewerbetreibende gefragt, 71 antworten – Fazit: zu wenig Kunden von außerhalb
Händler geben der Stadt die Note 3

Herford (WB). Der Handel in der Innenstadt lebt zu 80 Prozent von den Herfordern, nur 20 Prozent der Kunden kommen von außerhalb. »Das ist für uns ein Alarmsignal und sehr erstaunlich. Da hätten wir mit mehr gerechnet«, sagt Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer. Er und Citymanagerin Denise Spilker stellten die Ergebnisse der Innenstadtumfrage vor.

Freitag, 07.06.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 14:24 Uhr
An verkaufsoffenen Sonntagen oder zu besonderen Veranstaltungen ist die Herforder Innenstadt voll. Die meisten Kunden sind einheimische, nur 20 Prozent kommen von außerhalb. Deshalb soll nun an der Außenwerbung noch mehr gearbeitet werden. Foto: Sophie Hoffmeier

Letztes Jahr wurden Besucher der Stadt befragt – sie haben Herford die Schulnote 3 gegeben. Erstaunlich: Die Gewerbetreibenden kommen zu der selben Bewertung. »Die Note bedeutet also ›befriedigend‹, das ist nicht schlecht, könnte aber besser sein«, sagt Wulfmeyer. Die Konsequenz daraus: Es müsse mehr Werbung außerhalb der Stadtgrenzen gemacht werden.

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Gute Geschäfte machen wollen sie alle – sich aktiv engagieren nicht. Von 300 Fragebögen kamen nur 71 zurück. Zu wenig! Dabei geht es um die Zukunft der Stadt – und damit auch um das eigene Überleben. Abendmarkt? Gern! Langer Donnerstag? Unbedingt! Einheitliche Weihnachtsbeleuchtung? Ja, aber bitte vom Geld aller! Wer Umsatz machen will, sollte sich auch in der Gemeinschaft engagieren. Meckern statt Machen hilft niemanden. Einzelkämpfer locken nicht mehr Kunden – das gilt für Filialisten, die sich gern raushalten, wie auch für kleinere Ladeninhaber, die es am schwierigsten haben. Bärbel Hillebrenner

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Diese Aufgabe sieht der Wirtschaftsfachmann aber nicht nur beim Stadtmarketing, sondern auch bei den Händlern selbst. »Jeder hat zu kämpfen, macht sicher viel für sein eigenes Geschäft. Werbeaktionen oder Shopping-Events aber kommen besser in der Gemeinschaft zum Tragen.« Händler, Dienstleister und Gastronomen würden sich oft nicht mal kennen, seinen Geschäftsnachbarn selten ansprechen – wenn überhaupt.

Radewig positives Beispiel

»Dabei wurde der Wunsch nach Gemeinschaft von Mehreren geäußert«, sagt Citymanagerin Denise Spilker. Der Beitritt zum Innenstadtverein sei da eine Möglichkeit. Doch auch hier sei die Resonanz beim Engagement gering gewesen, zum Beispiel beim langen Donnerstag, ergänzt Wulfmeyer. Die Händler in der Radewig hätten dagegen bewiesen, dass eine starke Gemeinschaft auch etwas bewegen könne.

Von den 300 Befragten haben 71 geantwortet – das sind 24 Prozent . Sie äußerten sich zur wirtschaftlichen Situation (40 Prozent befriedigend, 37 % sehr gut bis gut, 23 % ausreichend bis mangelhaft); zum eigenen Marketing wie Beilagen oder Anzeigen (für 39 % nicht wichtig); zu Aktionen wie Verlosungen, Lesungen, Verköstigungen, Shop- oder Musik-Events (hat positive Auswirkungen).

Onlinehandel größte Konkurrenz

Denise Spilker: »Das zeigt: Aktiv zu werden, hat sich für den Betrieb gelohnt.« Konkurrenz werde weniger im Händler um die Ecke gesehen als vielmehr im Onlinehandel: 69 % würden ihn als Risiko sehen. Verkaufsoffene Sonntage würden bessere Umsätze versprechen als große Veranstaltungen wie Hoekerfest oder Kirmes.

Für einen attraktiven Aufenthalt in Herford sei die Kombination aus Warenangebot, Innenstadtgestaltung, Gastronomie und Parkmöglichkeiten von entscheidender Bedeutung. Wulfmeyer: »Einige der 71 teilgenommenen Geschäftsleute wollen mehr Parkplätze, dabei haben wir ein ausreichendes Angebot, aber natürlich nicht vor jeder Ladentür.« Den Busverkehr auf den Alten Markt zu halten, hätten ebenfalls Einige angekreuzt. Mehr Grün, mehr Sauberkeit, mehr Warenangebote, Abend- und Wochenendveranstaltungen – auch für Jüngere – und weniger Leerstände seien weitere Wünsche.

Citymanagement ist Ansprechpartner

Das Citymanagement begleitet nun seit anderthalb Jahren die Entwicklung der Innenstadt, doch Ende 2020 läuft das geförderte Projekt aus. Dieter Wulfmeyer: »Wir brauchen aber unbedingt eine Schnittstelle, einen Ansprechpartner und Initiator für den Handel in der Innenstadt.« Auch jemanden, der sich um neue Mieter für die leer stehenden Geschäfte kümmert – 21 sind es derzeit.

Für weitere Anregungen und Rückfragen steht Citymanagerin Denise Spilker zur Verfügung: unter 0171/9932013 oder per Mail: spilker@stadt-handel.de.

Was wird jetzt getan?

Viele Anregungen haben die Gewerbetreibenden in der Umfrage angegeben, manche Wünsche geäußert. Wäh rend die Umsetzung aber zum Beispiel der längeren, einheitlichen Öffnungszeiten (samstags und/oder donnerstags) oder der Stärkung der Gemeinschaft von den Händlern selbst kommen muss, initiiert das Citymanagement schon jetzt zwei neue Aktionen.

Die erste, die so genannte Frühschicht, ist schon gestartet. Händler werden eingeladen, an einem Tag morgens zwischen 8 und 10 Uhr zusammenzukommen, sich auszutauschen, kennenzulernen, Ideen zu diskutieren. Die nächste Frühschicht ist am Mittwoch, 10. Juli; eingeladen wird per Mail.

Als zweite Maßnahme hat das Citymanagement eine onlinebasierte Plattform geschaltet, auf die nur die Gewerbetreibenden nach Anmeldung Zugriff haben. Hier können sie sich zusätzlich austauschen, ganz spontan Kontakt aufnehmen. Auf der Seite erhalten sie aber auch aktuelle Informationen, können selbst Anregungen geben oder Umfragen starten.

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