Kommentar von Ralf Meistes zur Schneekabine im H2O Herford
Konsequent inkonsequent

Klimanotstand ist, wenn es in Herford im September schneit . Der Satz klingt paradox, provokant, vielleicht auch weltfremd. Aber genau das wird passieren, wenn die Schneekabine im Freizeitbad H2O in Betrieb gehen wird.

Donnerstag, 06.06.2019, 14:30 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 09:34 Uhr
Im Herforder Freizeitbad H2O an der Wiesestraße wird Ende September eine Schneekabine eröffnet.

In vielen Städten in Deutschland wird in diesen Tagen der Klimanotstand ausgerufen. In fast genauso vielen Stadträten wird dabei auch um den Begriff Notstand gerungen. Einige Städte, wie beispielsweise Osnabrück oder Singen in Baden-Württemberg haben bewusst auf den Begriff Notstand verzichtet, weil dieser dann auch radikale Maßnahmen nach sich ziehen müsste.

Schnee bei plus 30 Grad Außentemperatur

In Herford hat man den Begriff gegen die Stimmen von CDU und Liste 2004 belassen, um die Dringlichkeit des Handelns zu verdeutlichen. Aber welches Symbol geht eigentlich von einer Stadt aus, wenn zeitgleich im Spaßbad ein Gebäude errichtet wird, indem es im Sommer wie im Winter schneit? In dem mit viel Energieaufwand, auch bei 30 Grad Außentemperatur, eine Raumtemperatur von Minus zehn Grad erzeugt wird?

Von Herford aus wird die Erderwärmung nicht zu stoppen sein, aber mit der Entscheidung vom 17. Mai sollte bei allen Beschlussvorlagen die Klimarelevanz berücksichtigt werden. Was ist mit den Beschlüssen, die gar nicht durch den Stadtrat gefasst werden müssen? Dürfen städtische Tochtergesellschaften dann machen, was sie wollen?

Stadt hat sich in Sachen Klimaschutz bereits auf den Weg gemacht

Um es klar zu sagen: Die Stadt Herford hat sich mit dem Klimaschutzkonzept, das 2015 beschlossen worden ist, bereits auf den Weg in eine klimafreundlichere Zukunft gemacht. Es gibt eine Klimaschutzbeauftragte, öffentliche Gebäude sind energetisch saniert worden. Es sind Photovoltaikanlagen installiert, die Straßenlaternen mit LED-Lampen versehen und Blockheizkraftwerke gebaut worden.

Was ist nach der Notstands-Erklärung noch vertretbar?

Doch der jetzt ausgerufene Notstand wirft weitere Fragen auf: Darf eine Stadt, die den Notstand ausgerufen hat, im Sommer bei 30 Grad Außentemperatur die Eishalle soweit herunterkühlen, dass dort Eishockeytraining stattfinden kann? Dürfen Schüleraustausche mit China noch stattfinden, wenn man den CO2-Ausstoß berücksichtigt, der bei diesen Flügen entsteht? Ich sehe in beiden Fällen die Bedenken und würde dennoch sagen, dass der HEV weiterhin im August in der Eishalle trainieren und auch der Austausch mit China Bestand haben sollte. Aber ich hätte auch nicht den Notstand ausgerufen.

Kein konsequentes Handeln

Und auch für das Projekt Schneekabine im H2O hat der Leiter der Freizeiteinrichtungen gute Gründe, schließlich will er eine Einrichtung, die von mehr als 500.000 Gästen im Jahr besucht wird, attraktiv halten – gegen viele Wettbewerber. Nur: Der ausgerufene Klimanotstand, der bewusst gewählt wurde und als Symbol gelten sollte, passt eben nicht dazu. Denn wenn im September der Kunstschnee im H2O von der Decke rieselt, wird er ein Wort bedecken: KONSEQUENZ!

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