Zwei Jahre auf Bewährung wegen versuchter Vergewaltigung im Vollrausch
Vater missbraucht 14-jährige Tochter

Herford (WB). Viele Tränen flossen am Dienstag im Herforder Amtsgericht: Der Angeklagte weinte vor Scham über seine sexuellen Übergriffe auf die Tochter und »weil ich sie verloren habe«. Die 18-Jährige schluchzte, weil sie bis heute an den Folgen leidet und nach einer langen Phase der Verdrängung »nun zum Prozess alles wieder hochkommt«, wie die Schülerin sagte. Sie wollte, so berichtete ihr Anwalt, dass ihr Vater bestraft werde – ins Gefängnis aber solle er nicht.

Mittwoch, 05.06.2019, 06:00 Uhr
Vor dem Herforder Amtsgericht musste sich am Dienstag ein 41-jähriger Mann für den Missbrauch an seiner Tochter verantworten.

Zurück ins Jahr 2015: In der Tatnacht kurz nach Weihnachten hatte der heute 41-jährige Vater viel getrunken und Drogen konsumiert – wie schon exzessiv in vielen Monaten vorher. »Meine Ehe war am Ende, meine Transportfirma lief schlecht. Mein Leben ging den Bach runter«, erzählte der Löhner. Seine Wut und sein Jähzorn, tägliche Auseinandersetzungen mit der Ehefrau und Schläge gegen die vier Kinder prägten damals das Familienleben.

Kein »Deal« wegen Geständnis

Mit dem Trinken habe er früh angefangen, sei damals Alkoholiker gewesen, heute sei er nach einer Entzugstherapie aber trocken. Die Übergriffe räumte er voll ein, trotzdem wollten sich die Anwälte nicht auf einen »Deal« – geringeres Strafmaß bei vollem Geständnis – einlassen. Denn auch wenn die beiden sexuellen Handlungen und die versuchte Vergewaltigung dreieinhalb Jahre zurückliegen, werde die Schuld nicht geringer, wie während der Befragungen durch Gericht und Anwälte deutlich gemacht wurde.

In der Tatnacht – so schildern es Vater und Tochter – hat er sich angetrunken ins Bett zu seinem damals 14-jährigen, schlafenden Kind gelegt. Er hat es im Genitalbereich gestreichelt – das Mädchen wurde wach, starr vor Entsetzen. »Ich habe mich schlafend gestellt. Ich hatte große Angst, dass es jemand mitbekommt und mein Vater dann aggressiv wird«, berichtete die junge Frau schluchzend. Denn neben ihr habe ihr Bruder geschlafen.

Verziehen – aber kein Vertrauen mehr

Irgendwann konnte sie ihre Starre lösen und ins Schlafzimmer der Mutter laufen, offenbarte sich ihr aber nicht. Der Vater legte sich im Wohnzimmer aufs Sofa. Als das Mädchen später wieder in ihrem eigenen Bett schlief, legte sich der Vater erneut zu ihr. »Das wiegt noch schwerer: Sie sind nicht zur Besinnung gekommen, sondern haben zum zweiten Mal versucht, Ihre Tochter zu vergewaltigen«, richtete der Anwalt des Opfers sich an den Angeklagten.

Am nächsten Tag hatte der Vater seine Schuld scheinbar erkannt – er entschuldigte sich bei seiner Tochter. Die aber wollte davon nichts wissen. Vor Gericht sagte sie: »Ich habe meinem Vater heute verziehen, aber Vertrauen werde ich zu ihm nie wieder haben.« Sie wolle nun selbst eine Therapie machen, die bisher verdrängten Geschehnisse der Nacht verarbeiten.

Sexualtherapie und Drogenkontrollen

Unter Tränen bat der Vater vor Gericht erneut um Entschuldigung, erklärte, dass es ihm »unendlich leid tut. Ich kann es nicht rückgängig machen«. Hätte er damals nicht so viel getrunken und Drogen genommen, sagte er, hätte er seine Tochter nicht sexuell belästigt.

Für den Anwalt der jungen Frau war diese Aussage wenig glaubhaft. »Sie sind zwar geständig, aber sind Sie auch einsichtig?« Und auch der Staatsanwalt sah trotz der Trunkenheit keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit. Ein positive Sozialprognose stellte der Betreuer: Der Angeklagte sei in einer neuen, stabilen Beziehung, habe eine Therapie gemacht, bezahle seine Schulden und habe eine Arbeitsstelle in Aussicht.

Das Urteil zeigte ihm jedoch eine deutliche Richtung auf: zwei Jahre auf Bewährung und damit sechs Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Er muss eine Sexualtherapie machen und sich regelmäßig Drogenkontrollen unterziehen. »Sie kommen sofort ins Gefängnis, wenn Sie irgendetwas davon versäumen«, so Richterin Alea Blöbaum.

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