Stadt will alten Gang unter dem Bahngelände ausbauen, um das Viertel »achter der Bahn« besser anzubinden
Bald Tageslicht am Ende des Tunnels?

Herford (WB). Herford 2030: Die Dienstleister und Start-up-Unternehmen hinter dem Bahnhof haben das Viertel »achter der Bahn« zum »place to be« gemacht. Nicht zuletzt das neue OWL-Forum sorgt für architektonischen und kulturellen Glanz. Die beiden neuen Tunnel unter dem Bahngelände ermöglichen eine schnelle Anbindung an Bus, Bahn und City. Ist diese Vision realistisch?

Mittwoch, 05.06.2019, 09:00 Uhr
Noch ist es eine Rumpelkammer: Die Stadt Herford will den alten Gepäcktunnel unter dem Bahngelände als Verbindung zum Viertel westlich der Bünder Straße ausbauen. Foto: Bernd Bexte

Bürgermeister Tim Kähler (SPD) jedenfalls meint, genau zu wissen, welch großes Potenzial im Bahnhofsviertel derzeit noch brach liegt. »Eine Machbarkeitsstudie wird ermitteln, wie wir auf der Rückseite des Bahnhofs mehr Gewerbe- und Parkfläche schaffen können«, sagt der Rathauschef. Zentral ist dabei eine bessere Anbindung des bislang durch die Gleise noch abgetrennten Viertels westlich des Bahnhofs.

Möglich wäre ein Durchstich des Bahnhofstunnels, der den Zugang zu den Bahnsteigen gewährt und bislang an Gleis 7 endet. Oder aber ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert wird reaktiviert. Kähler schwebt vor, den alten Gepäcktunnel zwischen Bahnhof und altem Güterbahnhof für Fußgänger und Radfahrer auszubauen. »Am besten wäre es natürlich, beide Tunnel auszubauen«, meint Kähler. Planungsdezernent Dr. Peter-Maria Böhm ergänzt: »Jeder Tunnel für sich ist eigentlich zu schmal, wenn man sich vorstellt, dass er in Stoßzeiten die Fahrgäste eines voll besetzten IC aufnehmen soll.«

500 neue Arbeitsplätze

Die Stadt will jetzt die Planungen für ein Gesamtkonzept in Angriff nehmen. Gerade im Dienstleistungsbereich sei die Nachfrage nach mehr Bürofläche groß. 500 neue Arbeitsplätze in dem Viertel scheinen der Verwaltung realistisch. Das Vorhaben ist dem Rathaus-Chef so wichtig, dass in den nächsten Wochen ein Treffen mit hochrangigen Vertretern der Bahn vor Ort geplant ist. Dann soll direkt auf Entscheiderebene ausgelotet werden, was machbar ist. Das historische Güterbahnhofgebäude soll in die Planungen einbezogen werden. »Es hat Flair, und das muss erhalten bleiben«, meint Baudezernent Dr. Böhm.

Der Tunnel, der vom Bahnhof unter den Gleisen hindurch bis zum alten Güterbahnhof führt, ist Eigentum der Bahn. Die wiederum spricht nicht von Tunnel, sondern von einer Brücke – denn letztlich sei die Verbindung nicht ins Erdreich gegraben, sondern bestehender Raum überbaut worden. Bei einem Ausbau würde die Stadt als Investor auftreten und auf Fördermittel hoffen können.

»Zehn Jahre bis zur Umsetzung«

Immer wieder verweist Kähler auf die Nähe zur OWL-Metropole Bielefeld: Bei einer Fahrtzeit von nur sieben Minuten mit dem Zug zum dortigen Hauptbahnhof sei der Standort am Herforder Bahnhof für Unternehmen und Arbeitnehmer äußerst attraktiv. »Der Druck wegen mangelnder Gewerbeflächen und Wohnungen in Bielefeld steigt. Davon kann ein so günstig gelegener Standort wie das Viertel rund um den Herforder Bahnhof profitieren.«

Bahnhofsmanager Martin Nowosad kennt ähnliche Pläne vom Bahnhof in Detmold. Dort soll das Gelände auf der Rückseite des Bahnhofs (Kronenplatz) durch einen Durchstich besser an die Innenstadt angebunden werden. »Auch für Herford wäre so etwas eine Supersache«, schwärmt er, dämpft mit Blick auf den zeitlichen Rahmen allerdings die Euphorie. »Eine Umsetzung dauert aber wohl mindestens ein Jahrzehnt.« Und wer den alten Gepäcktunnel betritt, bekommt schnell eine Ahnung davon, welcher Aufwand nötig ist, um das feuchte dunkle Gemäuer zu einem für Passanten attraktiven Verkehrsweg auszubauen. Derzeit wird der Tunnel lediglich als Abstellfläche genutzt.

Kongresszentrum am Güterbahnhof

Zum Konzept für die Neugestaltung des Areals gehört auch der Bau eines Kongress- und Veranstaltungszentrums (OWL-Forum), unter anderem als Spielstätte für das Theater und die Nordwestdeutsche Philharmonie mit mindestens 800 Plätzen. Das könnte auf der stadteigenen Fläche nördlich des alten Güterbahnhofs entstehen, alternativ aber auch am Janup oder am jetzigen Theaterstandort an der Mindener Straße. »Eine Machbarkeitsstudie ist in Arbeit«, sagt Andreas Kornacki, Geschäftsführer der städtischen Kultur gGmbH. Eine erste Fassung inklusive Kosten- und Bedarfsanalyse könnte im Sommer vorliegen. Keiner der Standorte sei favorisiert.

Bei der Finanzierung hofft man auf die Millionen für das Strukturförderprogramm »Regionale 2020«, für das OWL bekanntlich den Zuschlag erhalten hat. Das Projekt OWL-Forum befindet sich bereits im sogenannten C-Status, gilt damit als potenziell interessant für die Region. »Aufgrund der Machbarkeitsstudie könnte es dann in den B-Status kommen«, erklärt André Wagner von der OWL GmbH, die für die »Regionale 2020« federführend ist.

Im B-Status muss die Realisierbarkeit nachgewiesen werden, inklusive Zeitplan und Kostenschätzung. Aber erst mit dem A-Status flösse Geld. »Dann wäre es ein Regionale-Projekt.« Über den Zuschlag entscheidet das »Regionale-Board«, etwa 40 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Gewerkschaften.

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