Der aus Herford stammende Erik Schmidt beschäftigt sich intensiv mit Berlin
Eine Stadt explodiert nach oben

Herford (WB). Die Züge, die in den Bahnhof einfahren, scheinen in Richtung Himmel unterwegs zu sein. Mit ungewöhnlichen Berlin-Perspektiven überrascht der aus Herford stammende Maler Erik Schmidt.

Montag, 03.06.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 09:24 Uhr
Eines der Bilder, die von der malerischen Berlin-Phase Erik Schmidts künden: Die Arbeit, die hier in einem Ausschnitt zu sehen ist, heißt »Move on« und zeigt den Hauptbahnhof. Foto: Courtesy Carlier/Gebauer/Bernd Borchardt

Eröffnung am Freitag

Bereits seit Sommer 2018 arbeitet der 50-Jährige an dem Berlin-Thema. Unterbrochen wurde die Beschäftigung mit der pulsierenden Hauptstadt durch ein dreimonatiges Stipendium in der Nähe von Rom.

Wer sich für die Malerei Schmidts interessiert, sei auf eine Ausstellung im Herzzentrum Bad Oeynhausen verwiesen (bis 2. September). Hinzu kommt eine neue Präsentation in der Berliner Galerie Carlier/Gebauer. Unter dem Titel »The only way is up« wird sie am Freitag, 7. Juni, um 18 Uhr eröffnet. Gezeigt werden knapp zehn Bilder und ein Video.

Die Ausstellung gewährt so nur einen Einblick in Schmidts Berlin-Beschäftigung. Etwa 30 Bilder sind seit vergangenem Sommer entstanden. Zum einen hat der Künstler das Gefühl, dass es jetzt irgendwie abgeschlossen ist, zum anderen sagt er: »Es gibt ein paar Dinge, die ich gerne noch machen würde – Arbeiten mit besonders großen Formaten zum Beispiel.«

Der Gestus des Entdeckers

Wenn Erik Schmidt sich eines Themas annimmt, dann stets aus der Perspektive des Entdeckers, des neugierigen Abenteurers. »The only way is up« charakterisiert eine Stadt, die im positiven Sinne zu explodieren scheint. Immer neue Bauten entstehen – und der Weg, um den Bedarf zu sättigen, führt nach oben.

Gentrifizierung heißt das Stichwort. Dass es Kritiker dieser Entwicklung gibt, weiß und versteht der Maler. Aber ihm sei es darum gegangen, sich für das Neue zu öffnen, sagt er. In seinen Bildern die Energie darzustellen, mit der sich alles verändere. Dabei gehe es immer auch um Verlangen und Affekt, so der 50-Jährige. Zu dem Taumel, den das Verlangen auslösen kann, passt, dass er die gemalten Motive kippt.

Malen als Aufladen

Wenn man sich von Erik Schmidt den Malvorgang erklären lässt, wird aber klar, dass auch die gekippten Bilder nur eine Variante unter verschiedenen sind. Denn sie lagen auf dem Boden, als der Maler sie von verschiedenen Seiten aus in verschiedene Richtungen bearbeitete. Eine definitive Per­spektive gibt es daher nicht – die Malerei bleibt wie die gemalte Stadt in Bewegung.

Ungewöhnlich für Erik Schmidt ist aber auch die Vorgehensweise. In einem ersten Schritt ließ er selbst gemachte Fotos auf eine Leinwand drucken. Mit dickem Farbauftrag hat der Künstler dann ausgewählte Stellen übermalt. Die himmelblau oder kitschigrosa leuchtenden Farben, die er benutzt, unterstreichen das Diesseitig-Pulsierende. Schmidt begreift sein Malen als Aufladen – eine energetische Annäherung an eine Stadt, in der er seit 21 Jahren lebt.

Um die Rolle des Entdeckers konsequent auszuüben, verzichtete er beim Fotografieren aus der Vogelperspektive auf eine Drohne. Stattdessen machte er sich auf die Suche nach Aussichtsplätzen – das kann die oberste Etage eines Hotels sein oder der Blick aus einer oben gelegenen Privatwohnung – so dass das Motto der Ausstellung nicht nur für die Motive, sondern auch für den Weg zu ihnen gilt: »The only way is up.« Die Ausstellung in der Galerie Carlier/Gebauer, Markgrafenstraße 67, ist bis zum 20. Juli zu sehen.

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