Weil sie deutlich mehr zahlen soll, reduziert Herforderin Olga Schönberg Betreuung für ihre Tochter
»Neue Kita-Gebühren sind ungerecht«

Herford (WB). »Wenn ich gewusst hätte, was das demnächst kostet, hätten wir die Betreuungsstunden für meine Tochter erst gar nicht aufgestockt.« Olga Schönberg ist sauer. Sie und ihr Mann sollen ab August monatlich 113 Euro mehr für den Kita-Platz der Vierjährigen zahlen. Sie sind bei weitem nicht die einzigen, die gegen die neue Beitragssatzung auf die Barrikaden gehen.

Samstag, 01.06.2019, 08:00 Uhr
Olga Schönberg hat wegen der Beitragserhöhung die Kita-Betreuung ihrer Tochter reduziert. »Diese Satzung ist kontraproduktiv«, meint Helge Stier vom Jugendamtselternbeirat. Foto: Bexte

Mit dieser wird sich am Montag (17 Uhr, Rathaus) der Jugendhilfeausschuss befassen. Die neue Staffelung hat es in sich: Für Besserverdienende wird es deutlich teurer. War bislang bei einem Bruttojahreseinkommen von 79763 Euro das Maximum erreicht, gibt es nun zwei neue Kategorien: 80.000 bis 100.000 Euro sowie über 100.000 Euro – mit entsprechenden Beitragssteigerungen. Liegt der maximale Monatsbeitrag derzeit bei 387 Euro (Kind unter drei Jahren, 45 Betreuungsstunden pro Woche), steigt er nun auf 490 Euro. Die Stadt will mit der Neuregelung mehr Geringverdiener entlasten.

»Dieses Vorgehen provoziert Missgunst«

Denn an der anderen Seite der Einkommensskala gilt ab August eine Beitragsbefreiung bis zu einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro, bislang liegt die Grenze bei 20.000 Euro. Ist das gerecht? Helge Stier, Vorsitzender des Jugendamtselternbeirates, sagt nein. »Die Entlastung anderer wird uns aufgebürdet«, sagt der 47-jährige Patentreferent, der selbst betroffen ist. Er soll demnächst 440 statt 387 für den Kitaplatz seiner Tochter bezahlen. »Dieses Vorgehen provoziert Missgunst.«

Er macht gegen die neue Gebühren mobil: In Kitas werden Unterschriften gegen die Satzung gesammelt, im Internet gibt es eine Petition unter dem Motto »Neue Kitabeiträge - Fair geht anders!« mit bereits mehr als 1300 Unterstützern, und für Montag ruft Stier Eltern auf, zur Ausschusssitzung zu kommen. Olga Schönberg wird dabei sein. Denn sie ist über das Vorgehen der Stadt empört. »Mitte April wurde uns mitgeteilt, dass wir ab August 450 statt 337 Euro zahlen sollen.« Dabei sei die Beitragssatzung zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verabschiedet worden.

Extra die Kita gewechselt

Erst zwei Monate zuvor hatte sie die Betreuungsstunden für ihre Tochter von 35 auf 45 Wochenstunden erhöht, dafür sogar extra die Kita gewechselt. Die 40-jährige Krankenschwester vertreibt im Außendienst Medizinprodukte, hinzu kommt ein Minijob bei einem Pflegedienst. Ihr Mann arbeitet als Servicetechniker für Schokoladenmaschinen in der Schweiz. Beide kommen zusammen auf ein Jahreseinkommen von über 100.000 Euro.

»Das klingt erst mal üppig: Wir haben aber zwei Wohnungen, zwei Autos, da kommt was zusammen, von Steuern und Abgaben ganz zu schweigen.« Sie habe sich darauf gefreut, jetzt wieder etwas mehr Zeit für sich zu haben. Haushalt, Job und Familie – zum größten Teil ist sie alleinerziehend – seien stressig. »Wir haben gerade eine Mutter-Kind-Kur gemacht.« Das mit dem Mehr an freier Zeit wird nun aber nichts. Schönberg hat gerade den Vertrag unterschrieben, um wieder auf 35 Betreuungsstunden zu reduzieren.

Künftig 43 Prozent der Eltern beitragsfrei

»Mit 50 Euro mehr im Monat hätte ich leben können, aber 113 sind einfach zu viel.« Helge Stier verweist auf die Statistik: Sind bei der aktuellen Satzung 31 Prozent der Eltern beitragsbefreit (533 Nichtzahler), werden es künftig 43 Prozent sein (741 Nichtzahler). Sein Vorschlag: »Netto- statt Bruttoeinkommen als Berechnungsbasis.« Auch die Beitragsfreistellung aller Geschwisterkinder helfe. Bisher muss für das zweite Kind die Hälfte gezahlt werden. Das letzte Kita-Jahr ist für alle beitragsfrei.

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