Hammerfest wurde 1975 gegründet – Konzert am Samstag in Herford
Die frühen Deutschrocker

Herford (WB). »Wilde Zeit/Keine Stunde tut mir leid«: Mit Brachial-Reimen, auf die die Jugend Ostwestfalens zu warten schien, schrieb die Band Hammerfest einst regionale Deutschrock-Geschichte. Nach mehr als 20 Jahren treten die Musiker wieder in Herford auf.

Mittwoch, 08.05.2019, 15:45 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 15:50 Uhr
Die Band Hammerfest gibt 2018 im Valdorfer Freibad ein Konzert: Mit der gleichen Besetzung wollen die Musiker am Samstag im Herforder Logensaal auftreten. Es handelt sich um ein Benefizkonzert zugunsten der Initiative »Tödliche Textilfabriken«. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Foto: Frank Lemke

»Tödliche Textilfabriken«

Am Samstag, 11. Mai, gibt die Band aus Vlotho im Saal der Freimaurerloge ein Benefizkonzert. Es beginnt um 20 Uhr und unterstützt eine Kampagne, die es auch im Kreis Herford gibt. Es geht um die Bedingungen, unter denen Textilarbeiter in Bangladesch und Pakistan ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Unter der Überschrift »Tödliche Textilfabriken« hatten heimische Initiativen eine Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt.

»Wir halten die Sache für gut und deshalb machen wir mit«, erklärt Wolfgang Kuhlmann, der bei Hammerfest von Anfang an dabei war. Eigentlich habe die Band bereits im Oktober auftreten wollen, aber man habe keinen Ort gefunden. In Zusammenarbeit mit dem Herforder Verein Kulturbeutel fiel die Wahl schließlich auf den Festsaal am Logenplatz 4.

Erstes Festival auf dem Winterberg

Ein exklusiver Ort, der Wolfgang Kuhlmann aber auch Kopfzerbrechen bereitet: Denn die Band will mit sieben Musikern auftreten. Und da kann es auf der Bühne eng werden. Doch der 66-Jährige ist zuversichtlich – zumal er das bisher letzte Herford-Gastspiel der Band noch in guter Erinnerung hat: im Dezember 1998 bei der Präsentation einer neuen CD in der Markthalle.

Damals gab es die Band unter dem Namen Hammerfest bereits mehr als zwei Jahrzehnte. Gegründet hatte sich die Formation 1975 – in einem Jahr, das für Vlotho einen geradezu magischen Klang hat. Zum einen erblickte die Band mit den damals noch ungewöhnlichen deutschen Texten das Licht der Rockwelt.

Zum anderen fand auf dem Winterberg ein Open-Air-Festival statt, das den Beginn einer Erfolgsgeschichte markieren sollte. Bands wie Embryo, die aus dem Jazzrock kommen, gaben sich die Ehre, als Bühne diente ein Lkw-Anhänger.

Die Besucher des eintägigen Festivals erlebten das erste Konzert der Hammerfestler, die auch für die Organisation der Veranstaltung mitverantwortlich zeichneten. Zwei weitere Festivals in einem Vlothoer Stadion folgten – bis die Langhaarigen, die zu Tausenden kamen, bei einigen Bürgern für Unmut sorgten.

Es schlug die Stunde der Stadt Porta Westfalica, die den Marketingwert der Großveranstaltung sofort erkannte. In einem Steinbruch wurde sie 1978/79 zum seinerzeit größten Subkulturfestival Deutschlands.

Erste LP bleibt gefragt

Wolfgang Kuhlmann und seine musikalischen Freunde wirkten stets mit. Als 1979 die erste Langspielplatte »Hier bei uns« erschien, spielten sie beim Festival in Porta Westfalica nach eigenen Schätzungen vor mehr als 100.000 Zuschauern – publikumsmäßig ihr größter Erfolg.

Nach einigen Umbesetzungen gibt Hammerfest pro Jahr etwa sechs bis sieben Konzerte. Obligatorisch sind die Aufritte bei Umsonst und draußen sowie der Freibadfete in Valdorf. Und das Interesse an ihrer Musik scheint auch 44 Jahren nach der Bandgründung fortzuleben. »Unsere erste LP wird immer noch gut gehandelt«, sagt Wolfgang Kuhlmann – kein Wunder, denn Erinnerungen an »wilde Zeiten« reißen niemals ab.

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