Brennendes Auto an der A2: So dramatisch verlief die erste Hilfe
Paar rettet junger Frau das Leben

Herford (WB). Vier andere potenzielle Helfer vor Ort trauten sich nicht. Erst Laura Faltin holt das Unfallopfer aus dem brennenden Auto: So hat sie nach einem Unfall auf der A2 bei Exter der 25-jährigen Angelika Zedlitz das Leben gerettet. »Ich bin so erleichtert, dass es ihr wieder besser geht.«

Dienstag, 07.05.2019, 07:00 Uhr
3. Oktober 2018: Bei Exter kommt ein Auto von der A2 ab und prallt gegen einen Baum. Der Fahrer (26) stirbt, die Beifahrerin kann schwerstverletzt gerettet werden. Foto: Jürgen Gebhard

Wie berichtet, war das Auto, in dem Angelika Zedlitz und ihr Freund saßen, am 3. Oktober des vergangenen Jahres auf der A2 von der Fahrbahn abgekommen und in einem Wäldchen bei Exter gegen einen Baum geprallt. Der Freund (26) der Bochumerin – er saß am Steuer – kam ums Leben. Die junge Frau wurde schwerst verletzt, lag wochenlang im Koma und verbrachte zwei Monate auf der Intensivstation im Klinikum.

Laura und Sven Faltin retteten die junge Frau.

Laura und Sven Faltin retteten die junge Frau. Foto: WB

Im April, ein halbes Jahr nach dem Unfall, war Zedlitz noch einmal nach Herford gekommen, um sich Implantate zur Knochenstabilisierung entfernen zu lassen – und um sich bei den Ärzten zu bedanken. »Ich bin froh, dass ich nach dem Unfall hierher gekommen bin«, sagte sie. Und froh war sie auch, dass am Tag des Unfalls Laura Faltin (28) und ihr Mann Sven (43) aus Lage auf der A2 unterwegs waren. Denn erst jetzt ist bekannt geworden, unter welch dramatischen Umständen sie der jungen Frau mit einem Mithelfer das Leben gerettet haben.

Von Beruf Rettungsassistentin

»Wir waren mit unseren drei Nichten und Neffen auf dem Rückweg von einem Besuch im Dinopark Münchehagen«, erzählt Laura Faltin. Kurz vor der Anschlussstelle Vlotho habe sie eine Rauchsäule aus einem Wäldchen neben der Autobahn aufsteigen sehen – ein brennendes Auto. »Wenn es nicht gebrannt hätte, wäre es gar nicht zu sehen gewesen.« Ihr Mann stoppt auf dem Standstreifen. Während sie sofort zur Unfallstelle gelaufen sei, habe er das Fahrzeug abgesichert, die Kinder hinter die Leitplanke gebracht und die Feuerwehr alarmiert. »Ich war die fünfte Person am Unfallort, die anderen dort sagten nur ›Wir können nichts mehr tun‹«, erinnert sich Laura Faltin. Damit wollte sie sich aber nicht zufrieden geben. Schließlich ist sie Rettungsassistentin und Brandmeisterin bei der Feuerwehr in Detmold.

Sie sei über den Wildschutzzaun geklettert und die Steigung hoch zum brennenden Auto gehastet. »Die Frau auf dem Beifahrersitz bewegte sich noch.« Auch Sven Faltin – er ist Hauptbrandmeister bei der Berufsfeuerwehr Bielefeld – war mittlerweile vor Ort. »Sie lebt noch und will raus«, habe sie ihm zugerufen, erzählt Laura Faltin. Der Motor des Autos habe in Flammen gestanden, der Fahrzeuginnenraum sei stark verqualmt gewesen. »Mittlerweile war ein zweiter Helfer gekommen, um mit anzufassen. Mein Mann konnte das nicht, weil er bis vor zwei Tagen noch beide Arme in Gips hatte.«

Unfallopfer noch ansprechbar

Angelika Zedlitz wurde im Klinikum behandelt.

Angelika Zedlitz wurde im Klinikum behandelt. Foto: WB

Die Profi-Retterin habe deshalb ihrem Mithelfer erklärt, was zu tun sei, um die Frau möglichst schonend aus dem Fahrzeug zu befreien. »Wenn das Auto nicht gebrannt hätte, hätten wir sie dort nicht rausgeholt, weil dabei weitere Schäden, etwa an der Wirbelsäule, entstehen können. Aber wir mussten jetzt handeln, sonst wäre sie verbrannt.« So sei sie halb in das Auto geklettert, um Kopf und Halswirbelsäule des Unfallopfers zu stabilisieren. Ihr Helfer habe die 25-Jährige an den Beinen gefasst. So hätten sie die Frau aus dem Auto befreien und einige Meter entfernt ablegen können. »Sie war ansprechbar, gab aber keine verständlichen Antworten.«

Doch die Gefahr war noch nicht gebannt: Begünstigt wohl auch durch die lange Trockenheit habe sich das Feuer schnell ausgebreitet. So habe ihr Mann weitere Helfer mobilisiert, die mithalfen, die Schwerstverletzte weiter aus dem Gefahrenbereich zu tragen. Der eintreffende Notarzt habe sie dann gebeten, ihn weiter zu unterstützen und die Patientin zu betreuen. »Die Zusammenarbeit aller beteiligten Helfer war bemerkenswert und vorbildlich«, sagt Laura Faltin. Sie hat mittlerweile Kontakt über Facebook zu Angelika Zedlitz aufgenommen. »Sie hat sich tausendfach bedankt.«

Auch Bielefelds Polizeipräsidentin Katharina Giere findet den Einsatz bemerkenswert. Sie hat Laura und Sven Faltin einen persönlichen Brief geschrieben.

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