Friedensaktivist Gerd Büntzly dringt auf Fliegerhorst ein und will wegen früherer Verurteilung wieder ins Gefängnis
Erneut Anzeige nach Protest gegen Atomwaffen

Herford (WB). Aus Protest gegen die mutmaßlich letzten US-Atombomben in Deutschland haben am Dienstag erneut Demonstranten die Zäune am Fliegerhorst Büchel in der Eifel überwunden.

Freitag, 03.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 09:34 Uhr
Dieses von den Demonstranten verbreitete Foto zeigt die Gruppe beim Picknick, in der Mitte mit Gitarre Gerd Büntzly. Die Aktivisten hatten unter dem Zaun ein Loch gegraben (rechts), durch das sie auf das Gelände krochen. Im Hintergrund hinter dem Stacheldraht sind Soldaten zu sehen. Foto: WB

Bei dem »Atomwaffenfreien Picknick« war auch der Herforder Friedensaktivist Gerd Büntzly dabei. Wegen einer ähnlichen Aktion in Büchel im Sommer 2017 ist er jetzt rechtskräftig zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 30 Euro plus Übernahme der Gerichtskosten verurteilt worden. Die Revision sei verworfen worden, sagte Büntzly. »Einen Teil der Strafe werde ich wieder ersatzweise im Gefängnis absitzen«, kündigte der 69-Jährige an. Bereits zweimal hatte er diese öffentlichkeitswirksame Alternative genutzt, einmal für drei, einmal für sieben Tage, zuletzt im Herbst.

Verurteilung rechtskräftig

Eine weitere Verurteilung wird jetzt wegen der Aktion vom Dienstag wohl folgen: Nach eigenen Angaben hatten 17 Atomwaffengegner aus ganz Deutschland den Bundeswehrflugplatz in zwei Gruppen betreten. Einige der 22 bis 76 Jahre alten Demonstranten hätten zwischen zwei Zäunen ein »Atomwaffenfreies Picknick« veranstaltet. Zu dieser Gruppe gehörte auch Büntzly. »Wir haben ein Loch unter einem Zaun gebuddelt, durch das wir dann auf einen schmalen Grünstreifen kriechen konnten, der wiederum von Natostacheldraht begrenzt wird.«

Deshalb hätten Soldaten vor Ort zunächst auch nicht zu den Demonstranten vordringen können. Außerdem brachten die Friedensaktivisten Schilder am Zaun an mit der Aufschrift: »Ziviler Sicherheitsbereich! Betreten erwünscht. Kein Atomwaffengebrauch! Die Zivilgesellschaft.«

Nach etwa drei Stunden wurde die Aktion beendet. Polizeibeamte hätten die Personalien der Aktivisten aufgenommen, Aufenthaltsverbote erteilt und Verfahren wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet. »Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs sind unser Ziel. Wir wollen damit auf das Missverhältnis zwischen den gegen uns verhängten Strafen und den Verbrechen mit Atomwaffen aufmerksam machen«, sagte Büntzly.

Weitere Proteste

Die Aktion war Teil der Proteste verschiedener Gruppen gegen die in Büchel vermuteten Atombomben. Die Demonstrationen stehen auch unter dem Eindruck des drohenden Aus für den INF-Abrüstungsvertrag für atomar bestückbare Mittelstreckenwaffen. Auf dem Fliegerhorst im 1100-Einwohner-Ort Büchel lagern unbestätigten Informationen zur Folge etwa 20 Atombomben, jede mit der vierfachen Sprengkraft der Bombe von Hiroshima.

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