Nach erneutem Diebstahlversuch gehen in den Kreisen Herford und Gütesloh die Angst um
Pferdehöfe rüsten auf

Herford/Gütersloh (WB). Die Reiterhof-Szene in der Region ist alarmiert – und rüstet auf. Überwachungskameras werden installiert, zusätzliche Schlösser angebracht und nachts wird vor den Ställen patrouilliert. Die Angst vor der Pferdebande ist groß.

Mittwoch, 01.05.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.05.2019, 12:44 Uhr
Jan-Wilhelm und Johanna Wetehof geben auf ihrem Hof in Schwar­zenmoor 60 Pferden ein Zuhause. »Natürlich sind wir beunruhigt. Es gibt kaum noch ein anderes Thema«, sagen sie mit Blick auf die jüngsten Pferdediebstähle und -versuche. Foto: Moritz Winde

»Natürlich sind wir beunruhigt. Es gibt kaum noch ein anderes Thema«, sagt Johanna Wetehof vom gleichnamigen Pensionsbetrieb in Herford. Ihr Mann Jan-Wilhelm erklärt, nach den jüngsten Ereignissen habe er die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Gelände verschärft. »Trotzdem erwarte ich von der Polizei, dass die Täter zeitnah gefasst werden. Es wäre sicher angebracht, dass die Kripo in Gegenden mit Pferdehöfen vermehrt Streife fährt.«

Ähnlich sieht es Dagmar Schlinke-Demski. Ihr Kalle wurde vor drei Wochen vom Bredenhof gestohlen und nach Polen verkauft. Seitdem der Schecke wieder da ist, fahre sie stets mit einem unguten Gefühl zum Stall. Die Frage, die sie umtreibt: Ist ihr Pferd noch da? Aus Reiterkreisen weiß sie, dass andere ihr Tier gar nicht mehr aus den Augen lassen. Manche würden vor dem Stall zelten – und zwar mit Elektroschocker und Pfefferspray ausgestattet.

»Ich habe Kameras angebracht«

Jörg Westerhold vom Reitverein von Derfflinger in Schwarzenmoor sagt, er halte einiges für Panikmache: »Jedes Auto wird fotografiert und ins Netz gestellt.« Doch auch er geht lieber auf Nummer sicher: »Ich habe Kameras angebracht. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen.«

Nach Informationen dieser Zeitung geht einigen Pferdebesitzern die Ermittlung der Kreispolizei nicht schnell genug voran. Offenbar wird geplant, sich direkt an die Staatsanwaltschaft zu wenden, um sich dort Gehör zu verschaffen. Im Raum steht offenbar eine Untätigkeitsklage. »Wir sind verärgert und fühlen uns hilflos«, sagt eine Reiterin.

Im Internet kursieren zahlreiche Warnungen vor Pferdedieben, die Höfe ausspionierten und fotografierten – nicht nur im Kreis Herford, sondern auch in den benachbarten Kreisen Gütersloh und Osnabrück. Sogar von konkreten Beobachtungen ist die Rede – Männer in schwarzer Kleidung und mit Sonnenbrillen sollen angeblich in der Nähe von Pferdestallungen gesichtet worden sein.

Hinweis auf verdächtige Personen

Diese Beobachtungen haben mittlerweile auch die Polizei auf den Plan gerufen. »Uns wurde angezeigt, dass auf einem Hof in Werther verdächtige Personen gesehen worden sein sollen«, sagt Polizeioberkommissarin Katharina Felsch von der Polizei in Gütersloh. »Es gibt aber keine konkreten Versuchsstraftaten«, relativiert sie. »Wir behalten das jedoch weiter im Auge.« Der Polizei in Osnabrück wurden bislang keine auffälligen Beobachtungen mitgeteilt. »Aber vielleicht macht so etwas zunächst auch nur in sozialen Netzwerken und einschlägigen Internetseiten die Runde«, erklärt eine Sprecherin.

Passend zur Problematik hält der Kreisreiterverband Herford, die Organisation der 13 Vereine, am kommenden Montag, 6. Mai, um 20 Uhr im Reiterstübchen des RV von Bismarck Exter seine Jahreshauptversammlung. »Ein fester Tagesordnungspunkt sind die Diebstähle nicht, Sportpferde sind ja bisher auch nicht betroffen. Wir werden es aber sicher ansprechen«, sagt der am Montag ausscheidende Kreisvorsitzende Jobst-Hermann Schnasse.

Er wundere sich, dass die Täter es nur auf Freizeitpferde in entlegenen Ställen abgesehen hätten, die für die Besitzer selbstverständlich auch einen hohen ideellen Wert hätten. »Als Sportverband machen wir uns natürlich trotzdem Sorgen. Ein Patentrezept gibt es für dieses Problem wohl nicht«, ergänzt Schnasse.

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