Umgekommene Seniorin hatte am Vortag Streit mit Betreuer – Zutritt verweigert
Feuer aus Verzweiflung gelegt?

Herford (WB). War das Feuer im Hochhaus am Lübbertor die Verzweiflungstat einer 72 Jahre alten Frau? Der Streit um eine gesetzliche Betreuung könnte Auslöser gewesen sein.

Freitag, 05.04.2019, 23:45 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 08:34 Uhr
Blick in die Wohnung der 72-Jährigen im Dachgeschoss: Nicht nur Kleidung, auch viele leere Plastikflaschen sollen darin verbrannt sein. Foto: Winde

Nach Informationen dieser Zeitung gab es am Dienstag, also am Tag vor dem Ausbruch des Feuers , eine Auseinandersetzung zwischen der Seniorin, in deren Wohnung das Feuer ausbrach, und ihrem gesetzlichen Betreuer aus Herford. Der war mit richterlicher Unterstützung ans Lübbertor gekommen, um sich Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen, die bis über die Fensterbank mit Kleidung vollgestopft war.

Ein Zutritt zur Wohnung sah der bisherige Betreuungsauftrag nicht vor, dieser war erst richterlich angeordnet worden. Die Seniorin – sie ist mutmaßlich das Brandopfer, das am Donnerstagabend tot im Bett hinter verschlossener Tür gefunden wurde – soll den Betreuer jedoch nicht in ihr Apartment gelassen haben. Wenige Stunden später ging es in Flammen auf.

»Sie lebte in einer anderen Welt«

»Sie lebte in einer anderen Welt«, sagt Britta Lehmann, Geschäftsführerin der Wilhelmshof Senioren-Wohnen GmbH, die die 15 Apartments in dem Haus vermietet, und die Frau kannte. Die Seniorin sei eine gepflegte Dame gewesen, introvertiert und scheu. »Sie lebte für sich und wollte ihre Ruhe haben.« Vor mehr als vier Jahren sei sie ans Lübbertor gezogen. Die problematische Wohnsituation sei bereits vor Jahren

Kleidungsstücke hängen aus der Wohnung im Dachgeschoss.

Kleidungsstücke hängen aus der Wohnung im Dachgeschoss. Foto: Winde

aufgefallen. »Wir haben uns deshalb um eine gesetzliche Betreuung für sie bemüht. Das war nicht einfach.«

Erst vor etwa einem Jahr habe es geklappt. Die 72-Jährige habe aber niemanden in ihre Wohnung gelassen. »Das musste sie auch nicht. Das sah der Betreuungsauftrag nicht vor. Deshalb konnte sie in ihren eigenen vier Wänden machen, was sie wollte.« Als sich die Situation aber offenkundig immer problematischer darstellte, habe man sich zum Handeln gezwungen gesehen und einen richterlichen Beschluss erwirkt – dem sich die Bewohnerin dann verweigert habe. »Das ist tragisch, der Frau sollte doch geholfen werden, aber sie wollte das wohl nicht«, sagt Lehmann.

Gesetzliche Betreuung kann beschränkt werden

Die für den Bereich Soziales zuständige städtische Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann wollte sich zu dem konkreten Fall nicht äußern. »Wir sind nicht Beteiligte.« Nur so viel: »Gesetzliche Betreuungen können sich auf einzelne Bereiche beschränken, etwa die Finanzen.«

Nur wenn es Anhaltspunkte gebe, dass in der Wohnung etwas nicht in Ordnung sei und sich die betreffende Person selbst oder Mitbewohner gefährde, könne per Gerichtsbeschluss der Zutritt erzwungen werden. Dies sei der Fall, wenn etwa die Statik gefährdet sei oder Essen in größerem Umfang verschimmele. »Eine sogenannte Messie-Wohnung an sich reicht dafür nicht.«

Obduktionsergebnis erst nächste Woche

Die am Donnerstagabend gefundene Leiche wird obduziert, ein Ergebnis aber erst nächste Woche erwartet. Die 72-Jährige soll einen Sohn gehabt haben. Eine Kontaktaufnahme von Betreuern zu ihm soll sich allerdings schwierig gestaltet haben.

Derweil geht die Suche nach Unterkünften für die 14 obdachlos gewordenen Mieter weiter. »Uns sind bereits zehn Wohnungen angeboten worden, die Hilfsbereitschaft ist riesig«, sagt Britta Lehmann. Allerdings befänden sich die Unterkünfte außerhalb Herfords, etwa in Vlotho oder Wüsten. »Wohnungen in Herford wären besser, auch wegen der Betreuung durch Angehörige«, sagt Froese-Kindermann. Eine Barrierefreiheit sei ebenfalls vorteilhaft.

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