Herforder (21) hat eine Spielhalle überfallen
Reue gezeigt: Räuber erhält Strafrabatt

Herford (WB). Wer eine Spielhalle überfällt, ist nach deutschem Recht ein Räuber. Wer sich später bei den Opfern entschuldigt, ist ein reuiger Räuber. Einem 21-jährigen Herforder hat seine tätige Reue jetzt ein milderes Strafmaß beschert.

Donnerstag, 04.04.2019, 12:01 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 12:54 Uhr
Die Jugendkammer des Landgerichts Detmold musste sich erneut mit dem Raubüberfall befassen. Foto: dpa

Im Januar 2018 hatte der jetzt 21-Jährige zusammen mit einem Freund in Lage eine Spielhalle überfallen. Beide standen dafür bereits vor Gericht, allerdings getrennt: Der Herforder war vom Jugendschöffengericht in Detmold im September wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Jetzt landete die Sache als Berufung vor der Jugendkammer des Landgerichts Detmold – allerdings nur wegen der Höhe der Strafe.

Denn der 21-Jährige hatte bereits damals den Raubüberfall zugegeben. Auch die Begleitumstände spielten eine nicht unerhebliche Rolle. Er war seinerzeit auf der Flucht: Aus einem Hafturlaub war er nicht in die Justizvollzugsanstalt Iserlohn zurückgekehrt, wo er eine Haftstrafe wegen Bandendiebstahls abzusitzen hatte – und bis zur Entlassung nur noch zwei Monate hätte durchhalten müssen.

Mit Pfefferspray bewaffnet

Stattdessen schlug sich der 21-Jährige »heimatnah« bei Freunden und seiner schwangeren Freundin durch, wo er sich wechselweise versteckte. Aus Geldmangel habe er dann am Tatabend mit einem Kumpel aus Lage beschlossen, die Spielothek zu überfallen. Was beide dann mit erheblicher krimineller Energie taten.

Der Lagenser »bewaffnete« sich mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Maschinenpistole, der Herforder mit einem Pfefferspray – und beide mit dem Tatplan, »Personen, die eingreifen wollen, umzuhauen«.

Dass dies durchaus ernst gemeint war, musste ein 50-Jähriger Spielhallenbesucher am eigenen Leib erfahren: Während die beiden Täter am Tresen versuchten, an Bargeld zu gelangen, kam er zufällig hinzu – und kassierte von dem Lagenser prompt einen heftigen Faustschlag auf die Nase, der ihn zu Boden schickte. Der 21-Jährige verpasste ihm zusätzlich noch eine Ladung Pfefferspray mitten ins Gesicht – woraufhin das Opfer bewusstlos liegen blieb und erst im Krankenhaus wieder aufwachte.

Tresor ist noch immer verschwunden

Die beiden Räuber entkamen mit etwa 500 Euro Bargeld aus der Kasse und einem Würfeltresor, den der Herforder aus der Verankerung unter der Theke gerissen hatte. Allerdings war der Tresor so schwer, dass sie ihn in einem Wäldchen im Stadtgebiet liegen ließen – bis heute ist das Stahlbehältnis nicht wieder aufgetaucht.

Der 21-Jährige konnte der Polizei entkommen, die ihn kurz darauf im Auto seiner Freundin antraf: Trotz eines Warnschusses eines Polizeibeamten gelang es ihm, wegzulaufen. Erst vier Wochen später schnappte ihn das Sondereinsatzkommando der Bielefelder Polizei, nachdem die Ermittler ihn anhand seiner bevorzugten Freizeitbeschäftigung ausfindig gemacht hatten: Der 21-Jährige besucht Spielhallen auch gerne zum Zocken.

Vor der Verhandlung leistete der Herforder auf Anraten seines Verteidigers Georg Schulze einen so genannten Täter-Opfer-Ausgleich: Er zahlte dem Mann, den er in der Spielhalle angegriffen hatte, 500 Euro Schmerzensgeld. Die Jugendkammer honorierte dies mit einer Reduzierung der Haftstrafe auf zwei Jahre und zehn Monate.

Im Knast hinterlässt der mehrfach vorbestrafte 21-Jährige übrigens einen guten Eindruck: Er absolviert eine Ausbildung im Metallbereich – und ist dabei inzwischen so gut, dass er schon andere Häftlinge anleitet.

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