Warum Herford keine Landesgartenschau will – Stadt hat Vorhaben eingehend geprüft
»Kein Platz und zu teuer«

Herford (WB). Der Wunsch war groß, das finanzielle Risiko und der Platzbedarf aber größer. In Herford wird es keine Landesgartenschau geben – trotz eingehender Prüfung.

Donnerstag, 04.04.2019, 05:07 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 05:10 Uhr
Die Stadt Herford hält das finanzielle Risiko einer Landesgartenschau wie in Bad Lippspringe (Foto) für zu hoch. Zudem fehle ein passendes Areal, erklärt Beigeordneter Peter Böhm.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die Stadt ernsthaft erwogen, die Großveranstaltung auszurichten: »Wir haben verwaltungsintern 2016/17 sehr detailliert geprüft, ob eine Bewerbung zur Landesgartenschau 2023 sinnvoll und realisierbar wäre«, erklärt Technischer Beigeordneter Peter Böhm. Das Ansinnen wurde allerdings nie öffentlich und erst jetzt wieder Thema anlässlich einer Ratsanfrage.

Wie in der Ausgabe vom 27. März berichtet, hatte Ratsmitglied Heinz-Günter Scheffer beantragt, eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2026 zu prüfen. »Herford mit seinen Wasserläufen, dem Aawiesenpark und dem historischen Stadtkern bietet für eine Gartenschau nach dem Vorbild Rietberg hervorragende Voraussetzungen«, argumentiert der fraktionslose Kommunalpolitiker.

»Faszinierendes Projekt«

In seiner Antwort erklärt Böhm, warum dies Wunschdenken bleiben wird. Im Rathaus hält man eine Landesgartenschau zwar für ein »faszinierendes Projekt«. Dieses passe gut in ein Konzept, »die Lebensqualität genauso wie den Tourismus, aber auch den Wirtschaftsstandort zu stärken«. Die Voraussetzungen für die mehrmonatige Gartenschau seien aber nicht gegeben: Benötigt wird unter anderem ein zusammenhängendes Areal von acht Hektar Größe.

Die Fläche muss für die Dauer der Gartenschau eingezäunt werden. Ein solche

Kommentar

Eine Landesgartenschau in Herford? Nein, es war kein Aprilscherz, mit dem Heinz-Günther Scheffer jetzt aufwartete. Die Stadt hatte sich, ohne dass dies bekannt war, damit bereits beschäftigt. Denn zuletzt hatten Kleinstädte wie Rietberg und Bad Lippspringe mit Gartenschauen viele Besucher angelockt und ein Plus erwirtschaftet. Warum also nicht? Aber bleiben wir realistisch. In Herford fehlt es (noch) am richtigen Areal. Bernd Bexte

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innenstadtnahe Fläche mit guter Verkehrsanbindung mit ausreichenden Parkmöglichkeiten »ist im Stadtgebiet leider nicht vorhanden«, bilanziert Böhm.

Hinzu kämen »nicht unerhebliche Kosten bei einer Bewerbung und gegebenenfalls bei der Umsetzung«. So würden bereits im Vorfeld der Bewerbung Kosten entstehen, etwa 120.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie, »ohne eine Garantie zu haben, den Zuschlag zu erhalten«. Für eine zu gründende Durchführungsgesellschaft müsse Personal eingestellt werden.

Anschlusskosten: 350.000 Euro pro Jahr

Und neben Kosten für die Anlage der Gartenlandschaften schlügen am Ende noch der Rückbau und die Nachnutzung zu Buche. Denn ein Teil der Flächen müsse erhalten bleiben, »da die Fördergelder des Landes auf 20 Jahre zweckgebunden sind«, bilanziert Böhm. Jährliche Kosten für die Anschlussunterhaltung: etwa 350.000 Euro.

Da sich die Bedingungen für 2026 nicht verändert hätten, »sehen wir aus Verwaltungssicht keine Möglichkeit für eine Bewerbung«. Löhne (2000), Rietberg (2008), Bad Lippspringe (2017) – viel kleinere Kommunen der Region haben eine Landesgartenschau ausgerichtet. Das Großereignis in Bad Lippspringe unter dem Motto »Blumenpracht & Waldidylle« schloss mit einem Plus von 1,6 Millionen Euro ab. Fast 600.000 Besucher kamen. Die Landesgartenschau 2023 findet übrigens in Höxter statt.

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